Hoffen und Bangen: Start des Autojahres in Detroit

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Deutsche Presse-Agentur

Zwar müssen die Autohersteller auf allen wichtigen Märkten empfindliche Absatzrückgänge verkraften. Doch das neue Autojahr beginnen sie bei der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit (11. bis 25. Januar) verhalten optimistisch.

Gestützt auf die ersten positiven Prognosen für die nächsten Jahre und etliche neue Modelle finden die Hersteller in „Motown“ zwischen Hoffen und Bangen zum Zweckoptimismus zurück.

Den Ton geben dabei allerdings nicht die Heimspieler General Motors, Ford und Chrysler, sondern vor allem die deutschen Hersteller an. Sie sind allesamt mit veritablen Weltneuheiten nach Detroit gekommen. Während draußen knietief der Schnee liegt und die Stadt im Winterchaos versinkt, gibt BMW drinnen einen Ausblick auf den Sommer und zeigt erstmals die Neuauflage des Z4 mit versenkbarem Hardtop sowie die zweite Generation des Mini Cabriolet.

Mercedes hat im Umfeld der Messe die neue Auflage der E-Klasse enthüllt, die in Europa im März an den Start geht. Weil das Auto in den USA aber erst nach den Sommerferien kommt und bis dahin noch ein paar alte E-Klassen verkauft werden müssen, wurde auf die Publikumspremiere in der Cobo-Hall verzichtet. Stattdessen stehen bei den Schwaben zwei Autos im Rampenlicht, die unterschiedlicher kaum sein können: Auf der einen Seite der auf 75 Exemplare limitierte SLR Stirling Moss mit 478 kW/650 PS. Auf der anderen Seite der BlueZero, der als Vision für die B-Klasse gilt und mit Strom fährt.

Dass man Spaß und Sparsamkeit unter einen Hut bekommt, will VW mit dem Concept BlueSport beweisen: Der 3,99 Meter kurze Roadster aus dem Baukasten des nächsten Polo wird deshalb von einem hinter den Sitzen montierten TDI-Motor mit Stickoxid-Katalysator angetrieben. Er leistet immerhin 132 kW/180 PS und verbraucht unter anderem dank einer Start-Stopp-Automatik nur 4,3 Liter. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 226 km/h und der Sprintwert 6,6 Sekunden. Anders als die letzten Detroit-Studien der Niedersachsen könnte der Roadster nach Angaben von VW-Sprecher Bernd Schroeder durchaus in Serie gehen.

Auch Konzernschwester Audi macht mit schönen Visionen Lust auf eine bessere Zukunft und bereitet mit der Studie Sportback Concept dem A7 den Weg. Der Viertürer mit fließenden Linien steht zwischen A6 und A8 und soll in zwei bis drei Jahren gegen Autos wie den Mercedes CLS antreten. Ähnlich wie VW setzt auch Audi auf den Diesel. Wo dem Roadster allerdings vier Zylinder genügen, sind es bei der A7-Studie sechs, die zusammen auf drei Liter Hubraum kommen. Daraus schöpft die Studie 165 kW/225 PS, mit denen sie in weniger als sieben Sekunden Tempo 100 und insgesamt 245 km/h erreicht. Ein NOx-Kat mit AdBlue-Einspritzung drückt dabei die Stickoxid-Emissionen. Der Verbrauch beträgt 5,9 Liter (CO2-Ausstoß: 156 g/km).

Dagegen haben die US-Marken wenig Neues zu bieten. Und was an Premieren gefeiert wird, hat für Europäer kaum Bedeutung: So stehen bei den Serienpremieren vor allem neue Mittelklasse-Modelle wie der Buick Lacrosse oder der Ford Taurus im Blickpunkt, denen womöglich als Nachfolger des Sebring bald auch die Chrysler-Studie 200 C folgt. Außerdem feiern die Amerikaner bei Ford den stärksten Mustang aller Zeiten, bei Cadillac den neuen SRX und den CLS als Kombi, und bei Chevrolet die Aussicht auf die Serienfassung des in Paris gezeigten Vans Orlando sowie den Kleinwagen Beat, der als Spark in Serie geht.

Viel wichtiger sind den drei strauchelnden US-Riesen jene Autos, die man bislang allenfalls anschauen kann: ihre Stromer. Alle drei haben für die nächsten Jahre eine Flotte von Elektrofahrzeugen angekündigt, deren Produktion zum Teil schon 2010 beginnen soll. Bei General Motors wird der Chevrolet Volt deshalb zum vornehmen Cadillac Converj. Die Chrysler-Gruppe stellt den drei im Herbst enthüllten Elektro-Autos von Jeep, Dodge und Chrysler noch einen Jeep Patriot und die Studie 200 C zur Seite, und Ford-Chairman Bill Ford, hat versprochen, dass sein Unternehmen bis 2012 gleich vier Elektroautos auf den Markt bringt. Darunter seien auch Fahrzeuge auf der Plattform des Fokus, die damit auch für Europa geeignet sind.

Bevor die Stromer kommen, sollen neue Hybrid-Modelle den Markt aufrollen. Besonders große Hoffnungen hegen dabei Honda und Toyota, wo der Insight dem Civic Hybrid zur Seite gestellt und der Prius in die nächste Generation gebracht wird. Außerdem zeigt Lexus als viertes Modell mit zwei Herzen auch den IS mit Hybrid-Antrieb. Auch wenn diese Autos Hoffnung machen, wirken die in den USA traditionell starken Asiaten diesmal beinahe paralysiert. Zwar gibt Subaru noch einen Ausblick auf den nächsten Legacy, doch Kia und Hyundai bleiben ohne große Premieren. Nissan oder Suzuki glänzen durch Abwesenheit. Damit sind sie in guter Gesellschaft: Auch Porsche, Rolls-Royce, Ferrari oder Land Rover fehlen auf der Messe.

North American International Auto Show: www.naias.com

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