Hockenheim hofft weiter

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Deutsche Presse-Agentur

Mit Steuer-Millionen aus der Landeskasse und Zugeständnissen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone will Hockenheim doch noch seine Zukunft in der Motorsport-Königsklasse sichern.

In der seit Monaten schwelenden Dauer-Debatte um den Formel-1-Standort Hockenheimring bietet ein nicht mehr erwarteter Vorstoß der baden- württembergischen Landesregierung den Streckenbetreibern den letzten Strohhalm. „Nach diesem Schreiben gehe ich davon aus, dass wir nächstes Jahr fahren“, sagte Ring-Geschäftsführer Karl-Josef Schmidt der Deutschen Presse-Agentur dpa. Doch die Zeit wird knapp, daher drängen die Ausrichter des Deutschland-Grand-Prix das Land zu klaren finanziellen Zusagen. „Die optimale Unterstützung wäre, wenn der Verlust komplett vom Land übernommen wird“, erklärte Schmidt.

Ein Minus von bis zu sechs Millionen Euro befürchten die Nordbadener durch das für 2010 geplante Gastspiel der Formel 1. Die Stadt Hockenheim als Hauptanteilseigner der Ring-GmbH erwägt seit langem einen vorzeitigen Ausstieg aus dem noch bis ins kommende Jahr laufenden Vertrag mit Ecclestone. Das Defizit „würde dazu führen, dass unser Haushalt platzt“, sagte Oberbürgermeister Dieter Gummer (SPD). Nach Intervention der Landesregierung aber verschob der Gemeinderat am Mittwochabend erneut die Entscheidung über seine Formel-1-Zukunft.

In einem Brief, der der dpa vorliegt, schreibt Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP), das Land werde sich einem Beitrag zur Deckung des für 2010 befürchteten Defizits nicht verschließen, wenn gleichzeitig auch aus anderen Quellen zusätzliche Mittel fließen. Zudem soll auf Anregung von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) Rechte-Mitinhaber Ecclestone bei einem Krisengipfel dazu bewegt werden, auf einen Teil der geforderten Lizenzgebühren zu verzichten und damit langfristig Formel-1-Rennen in Deutschland zu ermöglichen.

Zusätzlichen Beistand bei dem Spitzentreffen sollen Vertreter der in der Formel 1 engagierten Autobauer Daimler und BMW leisten. „Wenn es gewünscht wird, sind wir dabei“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug der dpa in Melbourne. Haug schloss aber wie auch BMW- Motorsportdirektor Mario Theissen eine finanzielle Beteiligung an einem Rettungspaket aus. „Wir haben sehr klar gemacht, dass wir uns nicht als Rennveranstalter sehen und auch nicht in diese Rolle hinein wollen, sondern als Teilnehmer einer Rennserie“, erklärte Theissen.

Auch das Land Rheinland-Pfalz als Hauptgesellschafter des Nürburgrings, der im jährlichen Wechsel mit Hockenheim den Großen Preis von Deutschland ausrichtet, soll an der Lösungssuche beteiligt werden. Für das Formel-1-Rennen in der Eifel, das wie in Hockenheim seit 2004 für rote Zahlen sorgt, trägt im Gegensatz zu Baden- Württemberg das Land einen Großteil der Verluste. Bei einem Gespräch am 20. Mai in Stuttgart will Oettinger mit allen Seiten die Strategie für das Treffen mit Ecclestone erarbeiten. „Mir ist dieser Termin eigentlich zu spät. Jeder Monat, der vergeht, ist ein verlorener Monat“, kritisierte Gummer.

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