Historische Chance für Friedrichshafen

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Hagen Schönherr
Hagen Schönherr (Foto: sz)
Hagen Schönherr

Die historische Landshut soll nach Friedrichshafen? Im ersten Moment klingt dieser Plan nach einer fixen Idee eines Dornier-Erben – so kurios wie schwer zu verwirklichen. Bei genauem Hinsehen ist er aber machbar, selbst wenn zunächst ein Grundsatzproblem zu lösen ist:

Wo soll man dieses Flugzeug überhaupt zeigen? Es steht für ein Ereignis, das für jeden Deutschen, der 1977 bewusst gelebt hat, so einprägsam gewesen sein dürfte wie für die junge Generation der 11. September 2001. Dieses Ereignis, gemeinsam mit weiteren RAF-Terrorakten, hat die damals junge Bundesrepublik gelähmt und aufgewühlt. Die Befreiung der „Landshut“ war schließlich der Anfang vom Ende der RAF . Trotzdem hat die „Landshut“ keinen echten Bezug zu irgendeiner deutschen Stadt. Sie war in aller Welt zu Hause. Mag sein, dass Stuttgart, Bonn, Berlin geeignete Ausstellungsorte wären. Doch auch am Bodensee würde die „Landshut“ Menschen dazu bringen, sich mit der Geschichte des „Deutschen Herbsts“ auseinanderzusetzen.

Töricht

Friedrichshafen ist geeignet, um einen Gedenkort aufzubauen: Wegen der Lage in einer Touristenregion, wegen der Infrastruktur am Flughafen, weil Dornier 1986 selbst Ziel eines Anschlags von RAF-Sympathisanten war und auch, weil der damalige MTU-Chef Ernst Zimmermann von der RAF ermordet wurde. Friedrichshafen sollte es daher als große Chance begreifen, hier ein Stück deutscher Geschichte, samt mitgeliefertem Konzept, verantwortungsvoll zeigen und einordnen zu dürfen. Vielleicht mögen Gründe gegen diese Idee sprechen – es wäre aber töricht, die Chance leichtfertig zu verspielen.

Wer sagt: Wir wollen der Familie Dornier keinen Gefallen tun, weil es Spannungen zwischen ihr und der Stadt gibt, verspielt wegen eines Kleinkriegs eine historische Chance für die Stadt.

Wer sagt, die Landshut würde in Friedrichshafen zum „Sensationsobjekt“ – das war zu hören – vergisst, das zur Maschine bereits ein verantwortungsbewusstes Museumskonzept gehört.

Die Stadt Friedrichshafen sollte ernsthaft überlegen, ob sie die Rückholung dieses Denkmals fördert – wenn nicht finanziell, dann wenigstens ideell. Sie sollte sich als Vermittler an den Verhandlungstisch setzen. Dies ist eine kommunale Entscheidung von nationaler Bedeutung.

h.schoenherr@schwaebische.de

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