Hintergrund. Streit um den Papst

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Deutsche Presse-Agentur

Papst Benedikt XVI. in Rom wird weltweit kritisiert, weil er vier extrem konservative Bischöfe wieder in die Kirche aufgenommen hat. Dazu drei Fragen und Antworten:

Kann ein Papst abgesetzt werden?

Nein, das geht nicht. Zu Beginn der Kirchengeschichte, in den ersten Jahrhunderten nach dem Tode Jesu, wurden zwar einige Päpste von römischen Kaisern gewaltsam aus dem Amt gejagt. Aber das Kirchenrecht kennt heute nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Papst stirbt oder er tritt freiwillig zurück. Wenn der Papst sein Amt nicht mehr ausüben kann, etwa weil er das Bewusstsein verliert oder sehr altersschwach geworden ist, hat die katholische Kirche ein Problem. Denn für einen solchen Fall gibt es im Kirchenrecht keine Vorkehrungen. Auch im Krankenbett ist ein Papst ein absoluter Herrscher ohne Stellvertreter.

Muss oder kann ein Papst zurücktreten, wenn er echte Fehler macht?

Der Papst muss nicht, aber er kann auf sein Amt verzichten. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass dieser Entschluss aus freiem Willen erfolgt und eindeutig kundgetan wird. Laut Kirchenrecht muss ein Papst seinen Rückzug aus dem Amt nicht konkret begründen; auch muss niemand den Rücktritt eigens annehmen. Bestimmte Verhaltensregeln, etwa der anschließende Rückzug des Papstes aus der Öffentlichkeit, sind nicht festgelegt. In 2000 Jahren Kirchengeschichte ist nur ein einziges Mal ein Papst zurückgetreten: Papst Cölestin V. im Jahr 1294.

Manche sagen, ein Papst ist unfehlbar. Stimmt das und was heißt das?

Das Erste Vatikanische Konzil (1869-1870) hat festgelegt: Der Papst ist laut katholischer Lehre immer dann vor einem Irrtum bewahrt, wenn er „ex cathedra“ über Fragen des Glaubens und der Sitten urteilt. „Ex cathedra“ heißt, dass er diese Vollmacht als oberster Lehrer der Kirche ausdrücklich in Anspruch nimmt und letztgültig und abschließend entscheiden will. In solchen Fällen - so die Lehre - wird er vom Heiligen Geist unfehlbar geleitet. Personalentscheidungen wie die Rücknahme der Exkommunikation der erzkonservativen Bischöfe zählen nicht dazu. Die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes ist sehr umstritten. Außerhalb der katholischen Kirche wird sie nicht anerkannt.

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