Hintergrund: Meistgesuchte Nazi-Kriegsverbrecher

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Deutsche Presse-Agentur

Die weltweit meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher, nach einer Liste des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem:

Alois Brunner: Der ehemalige SS-Hauptsturmführer gilt als „rechte Hand“ Adolf Eichmanns. Als „Ingenieur der Endlösung“ soll der Österreicher für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. In Frankreich in Abwesenheit zum Tode verurteilt, flüchtete er 1954 von Deutschland nach Ägypten und später nach Syrien. Ein Auslieferungsersuchen der Bundesregierung blieb erfolglos: Damaskus bestritt die Anwesenheit Brunners.

Wegen des hohen Alters hält das Wiesenthal-Zentrum es für unwahrscheinlich, Brunner noch lebend zu ergreifen. Als meistgesuchter NS-Verbrecher gilt deshalb Aribert Heim.

Aribert Heim: Er arbeitete als Arzt in den Konzentrationslagern Sachsenhausen (1940), Buchenwald (1941) und Mauthausen (1941). In Mauthausen soll er hunderte Häftlinge mit Injektionen unter anderem direkt ins Herz getötet haben. 1962 tauchte er vor der Vollstreckung eines Haftbefehls unter. Zuletzt wurde er in Südamerika vermutet. Nach Aussage seines Sohnes soll er im August 1992 in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gestorben sein.

Ivan (John) Demjanjuk: Der aus der Ukraine stammende Mann wurde 1988 in Jerusalem wegen Massenmorden an Juden in verschiedenen Vernichtungslagern zum Tode verurteilt. Das Urteil gegen den KZ- Wächter wurde 1993 vom Obersten Gericht aufgehoben - wegen Zweifeln, ob er wirklich der berüchtigte „Iwan der Schreckliche“ in Treblinka war. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen den in den USA lebenden und dort ausgebürgerten Mann. Die USA wollen ihn ausweisen.

Sandor Kepiro: Der ungarische Polizeioffizier soll am Massenmord an mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen haben. Nach seiner Flucht von Ungarn nach Argentinien kehrte er 1996 nach Budapest zurück. Ein ungarisches Urteil von 1946 darf nicht angewandt werden, entschied 2007 ein Gericht. Neue Ermittlungen wurden eingeleitet.

Milivoj Asner: Der kroatische Polizeichef soll aktiv an der Verfolgung und Deportation hunderter Serben, Juden, Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. Österreich verweigerte die von Kroatien geforderte Auslieferung.

Soeren Kam: Das ehemalige SS-Mitglied wird beschuldigt, für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich zu sein. Er soll das Einwohnerverzeichnis der jüdischen Gemeinde in Dänemark gestohlen und damit die Deportation dänischer Juden in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. Er wurde in Dänemark angeklagt, ein Gericht in Bayern lehnte jedoch eine Auslieferung ab. Die dänischen Behörden wollen den Fall neu aufrollen.

Heinrich Boere: Das Mitglied des SS-Kommandos „Silbertanne“ soll drei niederländische Zivilisten ermordet haben. Er wurde 1949 in den Niederlanden in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Im vergangenen April wurde in Dortmund Anklage wegen dreifachen Mordes gegen ihn erhoben. Das Verfahren wurde Anfang Januar aber nicht eröffnet, nachdem ein Gutachter Boere für nicht verhandlungsfähig erklärte.

Karoly (Charles) Zentai: Er soll 1944 an der Verfolgung und Ermordung von Juden in Budapest beteiligt gewesen sein. Ein australisches Gericht stimmte im August 2008 seiner Auslieferung nach Ungarn zu.

Mikhail Gorshkow: Er soll an der Ermordung von Juden in Weißrussland teilgenommen haben. Die USA entzogen ihm die Staatsbürgerschaft, in Estland laufen Ermittlungen gegen ihn.

Algimantas Dailide: Er nahm Juden fest, die später von Nazis und litauischen Kollaborateuren ermordet wurden. Die USA lieferten ihn aus an Litauen aus. Die dort verhängte Haftstrafe musste er jedoch nicht antreten.

Harry Mannil: Er nahm Juden fest, die dann von Nazis und estnischen Kollaborateuren ermordet wurden. Die Staatsanwaltschaft in Estland stellte Ermittlungen gegen ihn wegen Mangels an Beweisen ein. Die USA verboten ihm die Einreise.

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