Hintergrund: Die Hauptakteure im Fritzl-Prozess

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Deutsche Presse-Agentur

Richterin, Staatsanwältin, Gutachterin und ein Staranwalt: Drei Frauen und ein Mann haben im Gerichtssaal von St. Pölten in Österreich um die gerechte Beurteilung des 73 Jahre alten Angeklagten Josef Fritzl gerungen. Die Hauptakteure des Prozesses in Kurzporträts:

Andrea Humer, Vorsitzende Richterin: Die 48-Jährige, die den Prozess mit leiser, aber fester Stimme leitete, ist seit 1998 am Landesgericht St. Pölten und gilt als souveräne Richterin und Expertin für Sexualstrafrecht. Ihre Laufbahn hat sie als Untersuchungsrichterin begonnen. Heute ist sie Vorsitzende bei Schwur- und Schöffenverhandlungen in Strafsachen und Senatsmitglied im Berufungssenat für bezirksgerichtliche Strafsachen. Zu ihrem Privatleben gibt sich die verheiratete Mutter bedeckt: „Ich will weiterhin unerkannt meine Kipferln kaufen können“, sagte sie der österreichischen Agentur APA.

Christiane Burkheiser, Staatsanwältin: Die 33-Jährige war vom ersten Tag an mit dem Fall Fritzl befasst. Sie hatte Bereitschaftsdienst, als Fritzl Ende April 2008 in Amstetten festgenommen wurde. Sie verfasste in den folgenden Monaten auch die 27-seitige Anklageschrift, in der sie die Vorwürfe gegen den Beschuldigten auf Mord und Sklaverei ausweitete. Diese Vorwürfe hatte Fritzl zunächst zurückgewiesen, einen Tag später jedoch eingeräumt. Adelheid Kastner, Gutachterin: Die 46-Jährige hat das psychiatrische Profil des Angeklagten erstellt. Insgesamt 130 Seiten umfasst die Schrift, die Fritzl eine „abnorme Persönlichkeit“ bescheinigt, die so gefährlich sei, dass er auch nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis in eine entsprechende Anstalt für weiterhin gefährliche Straftäter eingewiesen werden müsse. Ansonsten müsse damit gerechnet werden, dass Fritzl unter dem Einfluss seiner hochgradigen psychischen Störungen wieder folgenschwere Taten gegen seine Familie verüben wird.

Rudolf Mayer, Verteidiger: Der 60-Jährige Staranwalt, der früher als Amateur geboxt at, gilt in Österreich als einer der meistbeschäftigten Vertreter seiner Zunft. Zu seinen Klienten zählten unter anderem die Giftmischerin Elfriede Blauensteiner. Der Sohn eines Opernsängers hat erst spät sein Interesse an der Juristerei entdeckt: Er arbeitete unter anderem als Kellner, Schauspieler und Bewährungshelfer, ehe er mit 29 Jahren das Studium der Rechtswissenschaften begann. Mayer übernimmt gern „hoffnungslose Fälle“ und sagt über seine Rolle im Prozess: „Wer mich attackiert, versteht die Grundprinzipien des Rechtsstaates nicht. Denn natürlich hat jeder Angeklagte das Recht auf Beistand vor Gericht - auch Mörder, Kinderschänder und Millionenbetrüger.“

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