Hintergrund: Die dunkle Seite des Internets

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Deutsche Presse-Agentur

Das Internet wird seit Jahren von Pädophilen zum Austausch von Kinderpornografie missbraucht. Die meisten Fotos und Filme werden laut Bundeskriminalamt über kommerzielle Webseiten verbreitet. Die Verantwortlichen kassieren Millionen.

Obwohl bereits mehrfach große Netzwerke zerschlagen wurden, haben die Behörden nach Einschätzung von Experten nur höchst unzureichende Mittel im Kampf gegen den Milliardenmarkt der Kinderpornografie.

Kontakt und Handel spielen sich vor allem in einschlägigen Tauschbörsen ab. Allein die Fülle macht eine umfassende Kontrolle der Bilderflut durch die Ermittler kaum möglich. Oft werden die Behörden nur durch Hinweise von Internet-Providern und Surfern aufmerksam. Dazu kommen Funde bei stichprobenartigen Recherchen in Datennetzen. Die Ermittler verfolgen dann digitale Spuren oder werten beschlagnahmte Adressenlisten und Kreditkartennummern aus.

Die Zahl der ermittelten Fälle ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Wurden 2005 laut polizeilicher Kriminalstatistik bundesweit 3788 Fälle der Verbreitung von Kinderpornografie registriert, waren es 2007 bereits 11 357. Die Bilder im Internet zeigen zunehmend schweren Missbrauch von kleinen Kindern. Im Jahr 2007 waren 1849 Opfer jünger als sechs Jahre.

Für Verbreitung, Erwerb und Besitz von Kinderpornografie drohen in Deutschland bis zu fünf Jahre Haft. Sind die Täter gewerbs- oder bandenmäßig organisiert, sieht der entsprechende Paragraf 184b des Strafgesetzbuches eine Höchststrafe von zehn Jahren vor. Nach einer 2008 in Kraft getreten Verschärfung des Gesetzes erfüllt auch das aufreizende Zurschaustellen der Genitalien von Kindern den Tatbestand der Kinderpornografie. Zudem wurde das sogenannte Schutzalter möglicher Opfer von 16 auf 18 Jahre erhöht. Auch auf der Täterseite änderte der Gesetzgeber die Altersgrenze. Nun kann jeder mit Erreichen des Strafmündigkeitsalters von 14 Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen bestraft werden, wenn er eine Zwangslage wie Drogensucht oder Obdachlosigkeit ausgenutzt hat.

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