Hilfe für die ganze Familie: Hospizdienst für Kinder

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Deutsche Presse-Agentur

„Wir wollen den Kindern und ihren Familien Augenblicke des Erlebens und der Freude geben.“ So beschreibt Cindy Schiesko die schwere Aufgabe, vor denen sie ihre Kollegen tagtäglich stehen.

Der ambulante Hospizdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe des Regionalverbandes Südbrandenburg betreut Familien mit Kindern, die unheilbare, lebensverkürzende Krankheiten haben. Zu ihnen gehören ein Mädchen mit Hirnschäden und häufig auftretenden Krampfanfällen oder ein Junge mit Muskelschwund. Am 10. Februar besteht das Angebot in der Lausitz ein Jahr.

„Wir sind Spielgefährte und Geschwister für die betroffenen Kinder oder Zuhörer für die Eltern - das richtet sich nach den Wünschen“, sagt Schiesko. Als Koordinatorin des ambulanten Kinderhospizdienstes findet sie gemeinsam mit den Familien heraus, wo Hilfe und Entlastung gebraucht werden und stellt die Kontakte zu den ehrenamtlichen Helfern her.

Eine dieser Ehrenamtlichen ist die 25-jährige Sanny Hoschke aus Cottbus. „Es ist das Bedürfnis, Menschen zu unterstützen, deren Leben aus den Fugen geraten ist“, begründet die Studentin der Sozialpädagogik ihr Engagement. „Manchmal kann schon ein Gespräch Hilfe bringen.“ Ihr jüngster Einsatz galt einem Geschwisterkind, das über seine Erfahrungen mit einem schwer erkrankten Angehörigen reden wollte. „Die Geschwister stehen oft im Schatten, weil sich die ganze Aufmerksamkeit der Familie verständlicherweise auf das kranke Kind konzentriert“, erklärt Schiesko.

Derzeit haben die Johanniter 16 ausgebildete ehrenamtliche Hospizmitarbeiter und elf Anwärter. In den ersten Monaten betreuten sie von Cottbus aus fünf Familien in der Lausitz. „Wir helfen jedem kostenlos, der es will“, sagt Matthias Rudolf vom Johanniter-Regionalvorstand. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass es für Südbrandenburg einen ambulanten Kinderhospizdienst gibt.“

Andere schrecken vor dem Begriff Hospiz zurück: „Sie assoziieren das Wort mit dem nahenden Tod“, berichtet Schiesko. „So ist es aber nicht.“ Schon vom Zeitpunkt der Diagnose an könne der familienentlastende Dienst beginnen. „Eine Zeitbegrenzung gibt es nicht. Oft leben die Kinder noch viele Jahre, in denen wir sie und ihre Angehörigen unterstützen können.“

Falls die Nachfrage besteht, streben die Johanniter eine stationäre Einrichtung an. Bandenburgs Gesundheitsministerium sieht diesen Bedarf indes nicht. „Das Berliner Kinderhospiz „Sonnenhof“ hat ausreichend Kapazitäten für Berlin und Brandenburg“, stellt die stellvertretende Ministeriumssprecherin Claudia Szczes fest. Dieser Ansicht widerspricht Hans Arndt, ehrenamtlicher Regionalvorstand bei den Brandenburger Johannitern. In Südbrandenburg und Teilen Sachsens gebe es durchaus Bedarf.

„Gerade in solch einer Situation wollen die Eltern ihre Kinder in der Nähe wissen“, bemerkt Arndt. Nach Angaben des Deutschen Kinderhospizvereins gibt es deutschlandweit acht stationäre Einrichtungen sowie 16 ambulante Dienste in seiner Trägerschaft.

Weitere Informationen: www.juh-bb.de

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