Hettingen baut Kinderbetreuung stark aus

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Im Schlosskindergarten in Hettingen gibt es bereits eine Krippe, die stark nachgefragt wird. Das Angebot soll erweitert werden.
Im Schlosskindergarten in Hettingen gibt es bereits eine Krippe, die stark nachgefragt wird. Das Angebot soll erweitert werden. Dazu muss der Kindergarten umgebaut werden, denn die Kleinen brauchen zum Spielen und Krabbeln besonders viel Platz. (Foto: Anna Ernst)
Anna Ernst

Viel Geld möchte die Stadt Hettingen in die Hand nehmen, um das Angebot in ihren beiden städtischen Kindergärten stark auszuweiten. Mehr Plätze für Krippenkinder sollen eingerichtet werden und auch mehr Ganztagsangebote sollen hinzukommen. Dafür sind Umbaumaßnahmen notwendig. Mehr Personal soll eingestellt werden. Noch in diesem Jahr, so hoffen Gemeinderat und Bürgermeisterin Dagmar Kuster, sollen die ersten neuen Kindergarten- und Krippenplätze zur Verfügung stehen.

Den Planungen vorausgegangen war Ende 2017 eine Umfrage unter allen Eltern von Klei- und Grundschulkindern bis zur dritten Klasse. Sie hatte ergeben: Sowohl in Inneringen als auch in Hettingen ist der Bedarf an zusätzlichen Betreuungsangeboten hoch. Vor allem im Krippenbereich – für Kinder zwischen einem und drei Jahren – müsse dringend mehr geboten werden.

Die Gemeinde reagierte auf die Ergebnisse schnell: In einer Klausurtagung im März berieten die Gemeinderäte hinter verschlossener Tür. „Diskussionen haben wir lange geführt“, so Kuster. Auch mit den Kindergartenleitungen und mit den Erzieherinnen seien Gespräche am runden Tisch geführt worden, erläuterte die Bürgermeisterin jetzt in öffentlicher Sitzung. Viele Eltern und Kindergarten-Mitarbeiter waren gekommen, um die Abstimmung im Sitzungssaal des Hettinger Schlosses mitzuverfolgen.

Die hohen Kosten gaben einigen Gemeinderäten zu denken. 5,5 neue Personalstellen sollen eingerichtet werden. Kostenpunkt: 300 000 bis 350 000 Euro jährlich. Hinzu kommen die Umbaukosten. Die Stadt rechnet mit insgesamt rund 500 0000 Euro Investitionskosten, die zeitnah nicht durch Einnahmen gedeckt werden können. „Mehr als 11 bis 12 Prozent werden wir über Gebühren nie reinkriegen können“, sagte Kuster. Und sie wurde noch deutlicher: „Es ist eine Luxus-Ausstattung, die wir uns leisten.“ Trotzdem wolle die Kommune umgehend auf den Bedarf reagieren, um für Familien und berufstätige Eltern attraktiv zu sein. Auch das Abstimmungsergebnis fiel im Rat einstimmig aus. Folgende Umstrukturierungen soll es geben:

Schlosskindergarten in Hettingen

Der Schlosskindergarten Hettingen wird künftig eine Ganztagsbetreuung für Krippen- und Kindergartenkinder anbieten. Derzeit gibt es bereits eine Krippe mit zehn Plätzen, die in den vergangenen Jahren sehr stark nachgefragt gewesen sei, so Leiterin Heidrun Mauz. „Die Plätze waren immer belegt. Wir hatten Glück, dass wir noch niemanden abweisen mussten.“Jetzt wird das Angebot ausgebaut. Zusätzlich soll im Kindergartenjahr 2019/2020 auch eine weitere Kleingruppe für Kinder über drei Jahren geschaffen werden. Auch sie sei mittelfristig notwendig, betonte Bürgermeisterin Dagmar Kuster: „Die Geburtenrate steigt.“

Für die neuen Angebote muss das Kindergartengebäude an der Gartenstraße, das aus zwei im Erdgeschoss verbundenen ehemaligen Wohnhäusern besteht, an einigen Stellen umgebaut werden. Für die Ganztagsbetreuung soll der Speiseraum im Obergeschoss vergrößert werden. Der bestehende Personalraum bietet zu wenig Platz. Der Wickelbereich im Erdgeschoss muss verlegt werden.

Die notwendigen Umbauarbeiten stellte Architekt Elmar Heineman aus Gammertingen in der Ratssitzung vor. Einige Anpassungen sind notwendig, damit das Gebäude weiterhin die Brandschutzanforderungen erfüllen kann. Bislang hatte das Gebäude Bestandschutz. Wenn umgebaut wird, entfällt dieser. Jetzt muss beispielsweise die alte Holztreppe neue Normen erfüllen, ebenso die Türen. „Wenn wir ein älteres öffentliches Gebäude verändern, dann macht der Brandschutz den Großteil der Kosten aus“, erklärte der Architekt.

Die Bauarbeiten könnten bei laufendem Kindergartenbetrieb vorgenommen werden, empfahl Heinemann. Um schnellstmöglich damit beginnen zu können, einigte sich der Rat darauf, die Arbeiten nur beschränkt auszuschreiben und Firmen direkt anzusprechen. Bis zum Beginn des neuen Kindergartenjahres am Ende der Sommerferien aber werde der Umbau voraussichtlich noch nicht abgeschlossen sein, gab Elmar Heinemann zu bedenken. Ob zu diesem Starttermin trotzdem schon die Ganztagsbetreuung starten kann, möchte die Stadt jetzt mit den zuständigen Behörden abklären.

Für die weitere Kleingruppe, die im Kindergartenjahr 2019/’20 hinzukommen soll, werde in einem zweiten Bauabschnitt ein Raum im Tiefgeschoss neu hergerichtet. Momentan nutzt der Kindergarten die hellen, durchfensterten Räume als Lager. Mit neuen Isolierungen, frischem Boden, Wandfarbe und neuer Inneneinrichtung werde der Raum künftig aber eine kindgerechte und schöne Atmosphäre bieten, ist Architekt Heinemann sicher. Für diesen zweiten Bauabschnitt hofft die Stadt Hettingen auf eine Finanzspritze von Bund oder Land. Die Chancen für Anträge stünden gut, versicherte Bürgermeisterin Dagmar Kuster.

Kindergarten Sonnenschein in Inneringen

Der Kindergarten in Inneringen soll erstmals eine Krippe einrichten. Sie soll in das jetzige Malatelier einziehen, das dafür hergerichtet werden muss. Der Außenbereich wird für die Kleinen speziell gesichert. Spielgeräte und Inventar für die Krippe müssen neu angeschafft werden. „Momentan nehmen wir Kinder ab 2,5 Jahren in unseren Regelgruppen auf“, sagt Leiterin Michaela Reisacher. Künftig werden Kinder von eins bis drei in einer eigenen Gruppe betreut. Zusammen mit der Schulkinder-Betreuung in den Ferien bietet die Einrichtung dann flexible Angebote für Kinder bis zehn Jahre an. Auch Zehnerkarten werden weiterhin ausgegeben.

Preise noch unklar

Wie tief auch Eltern für die kostspieligen neuen Ganztags- und Krippenangebote in die Tasche greifen müssen, will der Gemeinderat in seinen kommenden Sitzungen beraten. Fest steht für Bürgermeisterin Dagmar Kuster: „Wir werden es sicherlich nicht zum Nulltarif anbieten, denn eine gute Betreuung kostet auch gutes Geld.“

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