Hertha bei Woronin-Debüt gegen Wolfsburg 2:2

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Deutsche Presse-Agentur

Der VfL Wolfsburg kann seinen Berlin-Fluch nicht ablegen - aber auch der Hauptstadtclub ärgert sich über das 2:2 (0:1) zum Hertha-Debüt von Andrej Woronin.

Ricardo Costa hatte die Gäste am vierten Spieltag der Bundesliga schon nach 44 Sekunden in Führung gebracht. In einer Partie mit zwei verschiedenen Halbzeiten schaffte Gojko Kacar für Hertha BSC den Ausgleich (56. Minute). Nachdem der Brasilianer Cicero vor 38 921 Zuschauern das 2:1 für die Gastgeber erzielt hatte (85.) und Berlin schon wie der Sieger aussah, sicherte Sascha Riether mit seinem 2:2 (89.) zumindest den ersten Punkt für den VfL in Berlin seit fast sechs Jahren. Der letzte „Dreier“ der Wolfsburger im Olympiastadion datiert bereits vom Februar 2001.

„Ich weiß gar nicht, ob ich froh, glücklich, traurig oder unzufrieden sein soll“, kommentierte Wolfsburg-Coach Felix Magath den aufregenden Spielverlauf, prangerte aber die schwache Chancen-Verwertung seiner Profis an. „Wenn man vor dem 1:1 der Berliner selbst drei, vier Tore machen muss, rede ich von liegengelassenen Punkten“, erregte er sich.

Auch sein Kollege Lucien Favre hatte viele Gründe zur Kritik. Vor allem Marko Pantelic hatte den Schweizer zur Weißglut gebracht, als er einen Handelfmeter viel zu lasch neben das VfL-Tor setzte (64.) Pantelic war gar nicht als Elfmeterschütze eingeteilt, Cicero sollte antreten. „Damit ist ein für alle Mal klargestellt, dass so etwas nicht mehr passiert“, wetterte auch Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Zumindest machte Torjäger Pantelic ein Stück seiner Schuld wett, als er Cicero zum 2:1 auflegte.

Die Gäste, ohne den verletzten Weltmeister Cristian Zaccardo, aber wieder mit dem Schweizer Diego Benaglio im Tor, demonstrierten nach ihrer langen Positiv-Serie (jetzt zehn Pflichtspiele unbezwungen) lange Zeit viel Selbstbewusstsein. Schon nach 17 Sekunden musste Hertha-Keeper Jaroslav Drobny gegen den frei stehenden Grafite klären. Nach dem anschließenden Eckball des agilen Zvjezdan Misimovic setzte sich der Portugiese Ricardo Costa im Luftduell gleich gegen zwei Herthaner durch und köpfte aus acht Metern ein. Bei den Berlinern, die zuletzt beim FC Bayern mit 1:4 zerlegt worden waren, ging danach lange gar nichts. „Die Zweikampfbilanz war bis zur 25. Minute katastrophal“, bemerkte Hoeneß.

Wolfsburg wirkte mit dem Japaner Makoto Hasebe als zweite Mittelfeld-Absicherung neben dem Brasilianer Josué stabil, nutzte immer wieder die Räume zu schnellem Direktspiel. Grafite (8.) und Misimovic (31.) hätten die Lücken in Herthas Abwehr schon zeitig abstrafen können. Berlin vermochte erst nach deutlichen Worten der Fans („Aufwachen“) das ungewohnte System mit zwei Stürmern und einer Viererkette im Mittelfeld besser umzusetzen. Ein Schuss von Woronin, wurde abgeblockt (38.). „Anfangs hatte er einige Probleme, seinen Platz zu finden. Aber er hat sehr intelligente Sachen nach vorn gemacht“, lobte Favre die ukrainische Leihgabe aus Liverpool.

Hertha übernahm nach dem Ausgleich des Serben Kacar, der eine Freistoß-Eingabe von Patrick Ebert ohne größere Wolfsburger Gegenwehr einköpfte, die Spielkontrolle. Und als Woronin und Pantelic den Weg für das 2:1 durch Cicero freimachten, schien Herthas sechster Heimsieg gegen die „Wölfe“ nacheinander perfekt. Doch Riether bestrafte kurz vor dem Ende noch einen schlimmen Patzer von Steve von Bergen, der sich nach zwei verschuldete Elfmetern in München erneut als Hertha-Schwachpunkt erwies.

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