Hereinspaziert: Die neuen Türkonzepte

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Deutsche Presse-Agentur

Der Weg ins Auto wird in Zukunft einfacher. Denn immer mehr Fahrzeughersteller denken über neue Türkonzepte nach. Diesen Eindruck zumindest schüren zahlreiche Showcars und Studien, die auf dem Genfer Autosalon (5. bis 15. März) vorgestellt wurden.

Vor allem die Hinterbänkler in kleinen oder sportlichen Autos dürften es künftig bequemer haben. Bislang mussten sie mühsam durch die vordere Tür schlüpfen, um die Sitze herumklettern oder eine kleine Luke im Fond durchsteigen. In der Vision der Designer machen es ihnen große, gegenläufig angeschlagene Türen und der Verzicht auf den Karosseriesteg dazwischen - die sogenannte B-Säule - leichter.

Beim kompakten Geländesportler Nissan Qazana kommen sie ebenso zum Einsatz wie auf der Beifahrerseite des Dacia Duster. Dort lässt sich die Pforte so weit öffnen, dass man sogar ein Fahrrad einladen kann. Ebenfalls ungewöhnlich ist der Zustieg zum Luftdruckauto Airpod, mit dem MDI jetzt in Kleinserie gehen möchte. Ähnlich wie früher bei der Isetta klettert der Fahrer von vorne in den Dreisitzer, während die Passagiere am rückwärtigen Ende einsteigen. In beiden Fällen öffnet man die Tür dafür nach oben wie die Heckklappe eines Kombis.

Noch eine andere Lösung hat Ford für den Iosis Max gefunden, der als Vorbote des nächsten C-Max gilt. Dort schließen die Ingenieure direkt an die vordere Tür eine Schiebetür für die Fondpassagiere an, die schlank am Fahrzeug entlangläuft und ebenfalls ohne B-Säule auskommt. „Das ist zwar bislang nur eine Designstudie, doch diese Technik funktioniert schon ganz gut“, sagt Pressesprecher Detlev Jenter und schürt damit die Hoffnung auf eine entsprechende Serienlösung. Bestätigt ist die zwar noch nicht, doch entsprechende Prototypen wurden im Ford-Entwicklungszentrum bereits gesichtet.

Hinter den Türen des Iosis Max, stehen dennoch ein paar Fragezeichen. Rolls-Royce dagegen lässt keine Zweifel daran, dass nach dem Phantom auch sein kleiner Ableger, der in Genf noch das geheimnisvolle Typenkürzel 200EX trägt, gegenläufig angeschlagene Türen bekommt. Und auch für den nächsten Meriva hatte Opel-Sprecher Wolfgang Scholz eine solche Lösung bereits bestätigt.

Während die Schmetterlingstüren salonfähig werden, feiert eine andere Spielart in der Zugangsordnung ihr Comeback: die klassische Flügeltür. Im Umfeld des Genfer Salons hat die Mercedes-Tochter AMG den Bau eines neuen Supersportwagens bestätigt, der stilistische Anleihen beim legendären 300 SL aus den 50er-Jahren nehmen wird. Von „Retro“ will AMG-Chef Volker Mornhinweg zwar nichts wissen, aber die ganz nach oben aufschwingenden Türen hält er für eine „geniale Idee“. Diese Lösung sehe nicht nur gut aus und stütze das Image des neuen Silberpfeils, sie sei auch sehr praktisch, verspricht Karosseriechef Günther Ast: „Auch große Menschen können da bequem einsteigen, und anders als bei vielen Sportwagen reichen hier 30 Zentimeter Platz neben dem Auto, um die Türen zu öffnen.“

Aber es sind nicht nur die konventionellen Türen, die immer mehr Autohersteller infrage stellen. Auch die anderen Hauben und Klappen am Fahrzeug stehen zur Disposition: Ob die wie ein Parallelogramm verschiebbare Motorhaube des Ford Iosis Max es in die Serie schafft, ist zwar mehr als unsicher. Doch die geteilt aufschwingende Heckklappe der Minivan-Studie ist fast schon wieder ein alter Hut.

Auch wenn noch kein anderer Hersteller die untere Hälfte beim Öffnen über die obere schiebt, gibt es vergleichbare Lösungen bereits in Serie: Beim Skoda Superb zum Beispiel kann man wahlweise nur einen kleinen Kofferraumdeckel bis unter die Heckscheibe öffnen oder wie bei einem Kombi das Blech und Glas bis weit ins Dach aufstellen. Eine technisch fast identische Lösung hat BMW für den 5er GT vorgesehen, der seine Weltpremiere als seriennahe Studie auf dem Genfer Salon gefeiert hat: „Im Alltag wahren wir so die Trennung zwischen Passagierabteil und Kofferraum“, erläutert der scheidende Designchef Chris Bangle. „Aber zur Not passt eben ein Kühlschrank rein.“

Exotische Konstruktionen für exotische Autos gab es bereits in den vergangenen Jahren häufig. Doch nach den Schmetterlingstüren des Rolls-Royce Phantom oder den Blech gewordenen Fallbeilen am Eingang zu einem Lamborghini erobern ungewöhnliche Lösungen mit dem Skoda Superb, dem 5er GT und demnächst im neuen Opel Meriva zusehends die Großserie. Allerdings birgt dieser Mut der Karosseriebauer auch gewisse Risiken. Dass zum Beispiel der Peugeot 1007 so teuer, schwer und erfolglos ist, liegt nicht zuletzt am großen Aufwand für die elektrischen Schiebetüren. Und auch der Renault Avantime hätte wohl bessere Karten gehabt, wenn die Ingenieure die Probleme mit seinen doppelten Türscharnieren bei der Produktion in den Griff bekommen hätten. So wurde die Fertigung nach drei Jahren wieder eingestellt.

Automesse in Genf: www.salon-auto.ch

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