Hausarzt-Modelle: Nicht nur die Praxisgebühr gespart

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Deutsche Presse-Agentur

Seit dem Start des Gesundheitsfonds müssen die meisten gesetzlich Krankenversicherten einen höheren Beitrag zahlen. Mehr Leistung habe ihnen das bislang nicht gebracht, kritisieren Verbraucherschützer.

Sie raten dazu, Wahltarife noch einmal auf ihren Nutzen hin zu prüfen: Die etablierten Hausarzt-Modelle zum Beispiel können mehr Vorteile bringen als nur den Erlass der Praxisgebühr. Ab Mitte des Jahres müssen alle Kassen ihren Patienten diese Wahlmöglichkeit anbieten.

„Die Hausarzt-Programme sind gar nicht mehr so langweilig - gerade unter dem Stichwort Zwei-Klassen-Medizin ist da heute Musik drin“, sagt Dörte Elß von der Verbraucherzentrale Berlin. So versprechen manche Modelle zum Beispiel, dass der Hausarzt dem Patienten beim Facharzt einen Termin besorgt. „Oft lässt sich die Praxisgebühr für Teilnehmer sparen - das ist für viele interessant.“ Auch zusätzliche Sprechstunden abends oder am Wochenende sind denkbar.

Der Patient verpflichtet sich mit der Teilnahme allerdings auch dazu, bestimmte Regeln zu befolgen. Er bindet sich per Vertrag an einen Hausarzt, der ihn bei Bedarf an einen Facharzt überweist, erläutert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Berlin. Termine bei Augen-, Zahn- und Frauenärzten sind ausgenommen.

„Es kann Bestandteil des Modells sein, dass der Hausarzt für mich Termine beim Facharzt vereinbart“, sagt Daniela Hubloher von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt. Nachteile könnten sich für Patienten bei einem Hausarzt ergeben, der „nicht gern überweist“, sagt sie. „Wir bekommen immer wieder die Rückmeldung, dass Hausärzte zu spät überweisen“, ergänzt Judith Storf von der Unabhängigen Patientenberatung in Bielefeld.

Möglicherweise deshalb müssen Ärzte für das Anbieten eines Hausarzt-Programms besondere Qualitätsanforderungen erfüllen. Sie schließen einen Vertrag mit der Kasse. Voraussetzung ist unter anderem die Teilnahme an Qualitätszirkeln zur Arzneimitteltherapie und an Fortbildungen zu „hausarzttypischen Behandlungsfehlern“, zählt die KBV auf.

Die Experten raten, eine Teilnahme genau abzuwägen: Wer ein schweres, spezifisches Leiden hat, bindet sich besser nicht unbedingt an den Hausarzt. Solche Patienten sind im Chroniker-Programm besser aufgehoben. Denn für sie führt der Weg zum Facharzt im Hausarzt-Modell zwingend über den Hausarzt - das macht mehr Arbeit als nötig. Außerdem begrenzen die Programme die freie Arztwahl.

Gerade Patienten, die häufig wegen unterschiedlicher Leiden behandelt werden, können dagegen besonders stark profitieren: „Ein guter Hausarzt gibt Orientierung und Vertrauen. Er erklärt die Diagnose des Facharztes, er dolmetscht. Und er kann zielgerichtet weiter verweisen“, sagt Storf.

Viele Tarife bieten auch einen größeren Umfang regelmäßiger, kostenfreier Vorsorgeuntersuchungen, erklärt die KBV. „Beim Punkt Erweiterte Vorsorge sollten sich Patienten zum Beispiel erkundigen, ob sie alle zwei Jahre oder einmal im Jahr eine kostenfreie Vorsorge erhalten“, rät Richter - „zum Beispiel das Hautkrebs-Screening“.

Wer an einem Hausarzt-Modell teilnehmen will, erfährt bei seiner Kasse, welche Ärzte in der Umgebung Verträge anbieten. Er unterschreibt die Teilnahmeerklärung meist direkt in der Praxis. Versicherte binden sich dann für mindestens ein Jahr an den Hausarzt. Das kann ein Allgemeiner Arzt, ein sogenannter Praktischer Arzt, ein Allgemein-Internist oder ein „Internist ohne Schwerpunktbezeichnung“ sein.

Während die Kassen die Möglichkeit vom 1. Juli an anbieten müssen, ist die Teilnahme für Patienten freiwillig. Sie verpflichten sich laut Judith Storf von der Unabhängigen Patientenberatung in Bielefeld allerdings mit der Unterschrift, ein Jahr in der Kasse zu bleiben - ein Wechsel mit kürzerer Kündigungsfrist ist dann also nicht möglich.

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