Haug: FOTA geht es bei WM-Regel nicht um Macht

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Deutsche Presse-Agentur

Die Teams atmen auf, doch als Sieg in einem Machtkampf mit der FIA wollen sie die erzwungene Rolle rückwärts der Regelhüter nicht verstanden wissen.

„Der FOTA - allen Teams also, die in der Formel 1 antreten - geht es nicht um Macht, sondern um das beste Produkt für das Formel-1-Publikum auf der ganzen Welt“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug der Deutschen Presse- Agentur dpa. Tags zuvor hatte der Internationale Automobilverband FIA mitgeteilt, dass die Umsetzung des neuen Wertungssystems, demzufolge die Anzahl der Rennsiege über den WM-Titel entscheidet, aufgeschoben werde, wenn die Teams, „aus welchem Grund auch immer, dem neuen System nicht zustimmen“.

Und von Zustimmung der Rennställe konnte und kann keine Rede sein. In einem Statement hatte die Teamvereinigung FOTA kurz vor der FIA- Verlautbarung Front gemacht und die Rechtmäßigkeit der Weltrats- Entscheidung nur zwölf Tage vor dem ersten Saison-Lauf mit dem Großen Preis von Australien in Frage gestellt. Denn: Die Regeländerung habe nicht im Einklang mit dem Prozedere stattgefunden, wie es in Anhang 5 der Sporting Regulations und in Artikel 199 des Sporting Code festgeschrieben ist, hieß es von der FOTA. Demnach bedürfen kurzfristige Änderungen der Zustimmung der Teams. Deren Vorschlag eines neuen Wertungssystems - 12 Punkte für den Sieger, 9 für den Zweiten, 7, 5, 4, 3, 2, und 1 für die weiteren Platzierten - war indes vom Weltrat nach FIA-Angaben einstimmig abgelehnt worden.

Stattdessen sollte die Anzahl der Siege entscheiden - ganz im Sinne von Formel-1-Chef und Rechte-Mitinhaber Bernie Ecclestone, der sich genau diesen Modus wünschte. Doch damit stand der Brite weitgehend allein. Die Fahrer liefen Sturm, die Teamverantwortlichen ebenso. Rekordchampion Michael Schumacher hatte die neuen Regeln kritisiert, Weltmeister Lewis Hamilton von einer „Schande“ gesprochen, was mit der Formel 1 passiere. „Wenn einer 4 Mal gewinnt und 13 Mal ausfällt, könnte er trotzdem jenen schlagen, der 17 Mal Zweiter wird“, rechnete Mercedes-Motorsportchef Haug nun noch einmal vor: „Weltmeister mit 96 Punkten Rückstand - das will nicht mal jener, der so den Titel holen würde.“

Nun soll das neue Punktesystem bis 2010 quasi geparkt werden. Allerdings wird die Bereitschaft der Rennställe, den Titelträger spätestens dann anhand der Grand-Prix-Siege zu ermitteln, wohl kaum größer sein. Daher brachten sie bereits ihre Bereitschaft deutlich zum Ausdruck, „gemeinsam mit der FIA ein neues Punktesystem zu entwerfen, welches die Attraktivität der Formel 1 ab 2010 erhöhen soll“, hieß es in der FOTA-Mitteilung. Wohl auch, damit es in einem Jahr dann nicht zu einer erneuten „F1 Farce“ („Daily Mail“) kommt.

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