Hauch von Pralinen: Fingerfood als Nebenbei-Essen

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Hackbällchen oder Mini-Pizzen: Fingerfood gibt es schon lange. Doch während es zeitweise als etwas spießig verpönt war, ist es mittlerweile wieder angesagt. Selbst Spitzenköche schätzen das Essen in Miniformaten.

„Das Tolle ist, dass man bei Fingerfood mit wenig Aufwand viel erreichen kann“, sagt der Koch Alexander Herrmann aus Wirsberg nördlich von Bayreuth. „Immerhin erinnern die kleinen Portionen an einen Hauch von Pralinen.“

Bei Fingerfood ist alles erlaubt, was gefällt - und was ohne zusätzliches Besteck mit ein oder maximal zwei Bissen verspeist werden kann. „Alles, was sich sonst als Vor-, Haupt- oder Nachspeise eignet, kann in kleinen Häppchen auch als Fingerfood serviert werden“, bestätigt Küchenmeister Adolf Hunger aus Bielefeld. „Wichtig ist nur, dass das Gespräch nicht völlig unterbrochen werden muss, sondern beinahe nebenbei gegessen werden kann.“

Bei der Auswahl der Gerichte haben die Gastgeber folglich freie Auswahl. „Gut wäre allerdings, wenn für jeden etwas dabei ist“, sagt der Koch und Buchautor Paul Gayler aus London - Vegetarisches genauso wie Fisch, Fleisch und Süßigkeiten. „Außerdem ist ein Mix aus warmen und kalten Speisen gut“, rät der Koch des renommierten Hotels „Lanesborough“. Allerdings sei es sinnvoll, mehr Kaltes als Warmes zu servieren. Das sei einfacher vorzubereiten, sagt er. „Sonst steht man zu lange in der Küche, während die Gäste schon da sind.“

Wer nicht nur auf klassische deutsche Häppchen mit Schwarzbrot zurückgreifen will, kann auch Neues ausprobieren. Eine Alternative ist zum Beispiel Kartoffel-Chili-Suppe, die in Espressotassen gefüllt werden kann: „Dafür wird die Kartoffelsuppe nach dem eigenen Lieblingsrezept zubereitet“, erklärt Küchenchef Herrmann. „Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die Suppe leicht und nicht zu dickflüssig ist, damit sie gut trinkbar ist.“ Zum Abschluss wird mit Chili-Flakes aus dem Supermarkt abgeschmeckt und kleine Croûtons obenauf gegeben.

Adolf Hunger setzt auf Klassiker - aber in modernem Gewand: „Dünn geschnittener Serranoschinken passt hervorragend zu kleinen Stücken Honigmelone“, sagt der Prüfungsausschussvorsitzende für Kochgesellen und Küchenmeister. Die in Schinken eingerollten Melonenstücke piekt man auf einen Spieß. Und nicht alles beim Fingerfood müsse selbst gemacht sein, betont Gayler. „Zugekaufte Kleinigkeiten wie Brot, Dips, Käse, gefüllte Oliven oder Nüsse sind natürlich erlaubt.“

Dennoch sollte die Menge an Fingerfood gut überlegt sein, sonst macht man sich mehr Arbeit als nachher gegessen werden kann. Das hängt vor allem davon ab, zu welchem Anlass die Gäste eingeladen werden. „Ist es nur als Beigabe zum Drink gedacht, reichen ein paar verschiedene Kleinigkeiten“, rät Gayler. Soll das Fingerfood ein Drei-Gänge-Menü ersetzen, empfiehlt Küchenchef Hunger 12 bis 15 Teile pro Person.

Beim Fingerfood ist auch das Anrichten entscheidend. „Es wird am besten so serviert, dass die Gäste keine schmutzigen Finger bekommen“, empfiehlt Hunger. Ansonsten seien der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. „Schön sind kleine Schälchen, Porzellanlöffel oder kleine Holzblöcke, in die man Löcher bohrt und in die dann Spieße mit verschiedensten Köstlichkeiten gesteckt werden.“ Manchmal können auch kleine Whiskygläser für das Dessert herhalten.

Literatur: Paul Gayler: Fingerfood für Genießer: 140 Rezepte aus aller Welt, Christian, ISBN-13: 978-3-884-72794-2, 19,95 Euro; Alexander Herrmann: Koch doch 3, Zabert Sandmann, ISBN-13: 978-3-898-83160-4, 19,95 Euro

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen