„Hatz nach dem besten Deal“: Immer mehr Spätbucher

Lesedauer: 6 Min
Deutsche Presse-Agentur

Heute die Reise buchen, morgen die Koffer packen und übermorgen abfliegen: So sieht 2009 für viele Deutsche der Urlaubsstart aus. Experten sprechen von einem „Spätbucherjahr“, ausgelöst durch die Wirtschaftskrise.

Auch auf der Reisemesse ITB in Berlin (11. bis 15. März) wurde deutlich, dass Last-Minute-Reisen im Sommer besonders gefragt sein werden. Große Veranstalter wie TUI und Alltours haben ihre Flug- und Hotelkapazitäten zwar schon kräftig reduziert. Die Sorge, im Sommer in „letzter Minute“ vielleicht kein passendes Urlaubsangebot mehr zu finden, ist aus Sicht von Fachleuten aber unbegründet: Es werde auch kurzfristig noch genug buchbar sein, sagt der Tourismusforscher Prof. Karl Born aus Hannover.

Als Last-Minute-Reisen gelten normalerweise Urlaube, bei denen zwischen Buchung und Abreisetermin maximal ein Monat liegt. Der Trend geht derzeit jedoch zum „Ultra-Spätbuchen“, beobachtet Markus Orth, Vorstandschef des Last-Minute-Spezialisten L'tur aus Baden-Baden: Der Anteil der Last-Minute-Reisen, bei denen zwischen Buchung und Abflug höchstens sieben Tage vergehen, sei zuletzt von 30 bis 40 Prozent auf rund 50 Prozent gewachsen. „Wir sehen im Moment, dass unsere Kunden immer länger warten“, sagt Orth. „Es gibt die Hatz um den besten Deal.“

Auslöser dafür ist die Verunsicherung durch die Wirtschaftskrise: „Wenn man nicht weiß, ob man in sechs Monaten noch seinen Job hat, gibt man sein Geld nicht jetzt schon aus“, sagt Jürgen Seiler, Deutschland-Chef von Expedia in München, der von einem „ausgeprägten Last-Minute-Jahr“ ausgeht. Das Warten habe aber nichts damit zu tun, dass die Deutschen nicht mehr in den Urlaub fahren wollen, sagt Born: „Die Reiselust ist unverändert da, die Leute warten nur ab“. Auch die auf der ITB vorgestellte Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) kommt zu dem Schluss, dass sich der Anteil der Deutschen, die Urlaubsreisen unternehmen, in 2009 nur von 76 auf 73 Prozent reduzieren dürfte.

Den großen Reiseveranstaltern passt der aktuelle Trend gar nicht. Jahrelang haben sie versucht, mit ihrer Rabattpolitik die Gäste von Last-Minute-Liebhabern zur Frühbuchern umzuerziehen - und zwar mit einigem Erfolg. Nach Angaben der TUI sank in Deutschland die Zahl der Last-Minute-Urlauber von 15,7 Millionen in der Saison 2001/02 auf 13,4 Millionen in der Saison 2006/07. Nun schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung aus, auch wenn TUI-Sprecher Mario Köpers glaubt, dass es im Spätbucherjahr „keinen Erdrutsch zugunsten von Last-Minute geben wird“. Für den Marktführer ist zugleich aber klar: 2009 muss ein Ausnahmejahr sein und darf keine Trendwende bringen.

Wer spät bucht, sollte nicht darauf hoffen, dass er die Reise zu superbilligen Konditionen bekommt. „Eine Preisschlacht wird es in der Form, wie das vielleicht erwartet wird, nicht geben“, sagte Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reiseverbandes, auf der ITB. „Die Veranstalter haben aus den Krisen der vergangenen Jahre definitiv gelernt. Es wird heute erheblich schneller auf Nachfrageschwankungen reagiert“, ergänzt Köpers. Soll heißen: Es wird nicht mehr gewartet, bis Hotelzimmer und Flüge in letzter Minute verramscht werden müssen, sondern es werden die Kontingente früh zurückgegeben.

Doch was wird auf dem Last-Minute-Markt zu holen sein? Ein Trendziel sei Dubai, sagt Orth: Dorthin gebe es viele Flüge, zudem sei die Hotellerie „extrem gut“ mit vielen Fünf-Sterne-Häusern. Reiseländer, aus denen es vermutlich wenige Last-Minute-Angebote im Sommer geben wird, sind diejenigen, die schon jetzt gut gebucht wurden. Köpers nennt die USA und die Malediven, aber auch die Türkei, die wegen ihrer großen All-inclusive-Hotelauswahl und der damit verbundenen Budgetsicherheit für den Verbraucher stark gefragt sei.

In Spanien und Griechenland dagegen werde es im Sommer wohl günstige Angebote geben. Wer dann im Reisebüro oder Internet kurzfristig zuschlagen will, sollte allerdings eines in jedem Fall machen: „Die Last-Minute-Angebote mit dem vergleichen, was in den Reisekatalogen steht“, empfiehlt Prof. Born. Denn Last-Minute-Urlaub muss nicht immer ein Schnäppchen sein.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen