Handball-Weltmeister peilen Großtaten an

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Deutsche Presse-Agentur

Beim Freudentanz auf dem Parkett schworen sich die deutschen Handballer auf die nächsten Aufgaben ein: Mit dem zurückgewonnenen Selbstvertrauen eines Weltmeisters peilt der neu formierte Titelverteidiger bei der WM in Kroatien weitere Großtaten an.

Nach dem Durchmarsch in der Vorrunde startet die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) mit 4:0 Punkten als Tabellenführer in die Hauptrunde und kann im besten Fall mit Siegen gegen Serbien und Norwegen bereits ins Halbfinale einziehen.

„Natürlich stellt man sich das vor. Aber dann muss man sich wieder ermahnen und runterholen. Wir sind sehr gut damit gefahren, immer nur auf das nächste Spiel zu schauen, und das wollen wir so beibehalten“, sagte Kapitän Michael Kraus. Der Hamburger Torhüter Johannes Bitter aber machte die neue Marschroute öffentlich: „Wir haben große Ziele und wollen versuchen, ins Halbfinale zu kommen.“

Nach dem Transfer am Freitag an die dalmatinische Küste ist in Zadar zunächst Serbien der erste Gegner in der Hauptrunde. „Serbien kann immer jeden schlagen. Das sind gut ausgebildete Handballer“, urteilte Bundestrainer Heiner Brand. Einen Tag darauf trifft der EM-Vierte auf Norwegen, ehe zum Abschluss das brisante Duell mit Europameister Dänemark ansteht.

Für die Hauptrunde will Brand den Magdeburger Silvio Heinevetter als dritten Torhüter nachnominieren. Das muss er bis 16 Stunden vor dem Spiel gegen Serbien entscheiden. „Bisher besteht keine Einschränkung bei den Spielern. Deswegen ist wahrscheinlich, dass Silvio Heinevetter noch nominiert wird“, sagte der von einer Grippe gezeichnete Brand auf einer Pressekonferenz in Zadar. Bislang hatte sich das Duo Johannes Bitter/Carsten Lichtlein als starker Rückhalt des Teams erwiesen.

„Wir haben eine sehr gute Ausgangsposition. Besser geht es nicht. Aber wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Das Halbfinale kommt, wenn wir die nächsten drei Spiele gewinnen“, sagte Rückraumspieler Pascal Hens. Auch sein Hamburger Clubkollege Torsten Jansen blieb der Linie treu, nicht über das Morgen hinaus zu blicken. „Das sind alles drei bärenstarke Mannschaften. Das Ziel ist das nächste Spiel“, erklärte der Linksaußen.

Freude ja, aber von Euphorie keine Spur. Trotz des überzeugenden 30:23-Sieges in der Neuauflage des WM-Finales von 2007 gegen Polen wollte das Team um Kapitän Kraus keine Medaillenerwartungen schüren. „Wir dürfen uns nicht dazu hinreißen lassen zu sagen, wir haben Mazedonien und Polen geschlagen, jetzt wird alles leichter. Aber wir haben uns jetzt das nötige Selbstvertrauen geholt“, sagte der Spielmacher.

Derweil bescheinigte der Bundestrainer seiner jungen Mannschaft gewachsene Reife. „Die Mannschaft hat die ganz wichtige Erfahrung gemacht, dass sie mit den Top-Teams wieder auf einer Höhe ist, wenn man körperlich und geistig voll bei der Sache ist. Das ist für die kommenden Spiele sehr viel wert. Die Mannschaft hat Spaß und glaubt an sich“, meinte der Gummersbacher.

Überrascht ist der Bundestrainer, wie schnell seine Spieler zu einer konkurrenzfähigen Mannschaft zusammengewachsen sind. „Wir haben zum einen die Mannschaft umgestellt, zum anderen ist die Vorbereitung sehr holprig verlaufen. Insofern ist das eine sehr gut gelaufene Entwicklung, die wir jetzt auf dem Spielfeld sehen“, bekannte er. Insbesondere der Auftritt gegen Polen überzeugte den kritischen Bundestrainer. „Wenn wir immer so spielen wie heute, haben wir ein relativ gutes Niveau. Aber das wird nicht immer gelingen.“

Brand setzt nun darauf, dass sich seine Spieler von den fünf Vorrundenspielen in sechs Tagen schnell erholen. „Ich hoffe, dass wir nicht zu viel Substanz gelassen haben“, sagte er. Selbst der Umzug nach Zadar sollte dem Auffrischen der Kräfte dienen. „Da müssen wir uns eben im Bus erholen“, meinte Hens.

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