Handball-Kapitän Kraus: „Stolz auf die Jungs“

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Deutsche Presse-Agentur

Michael Kraus, Kapitän des entthronten Handball- Weltmeisters Deutschland, musste nach seinem Bänderriss vorzeitig von der WM in Kroatien abreisen und das Verpassen des Halbfinals zu Hause in Göppingen am Fernseher miterleben.

Der Spielmacher des Bundesligisten TBV Lemgo, der derzeit seine Rehabilitation absolviert, spricht in einem Interview mit der Deutschen Presse- Agentur dpa über seine Emotionen, Schiedsrichterentscheidungen und warum ihm mit Blick auf die Zukunft der deutschen Handball-Nationalmannschaft nicht bange ist.

Wegen Ihrer Verletzung mussten Sie sich das Spiel gegen Dänemark vor dem heimischen Fernseher anschauen. Haben Sie das Drama schon verkraftet?

„Ich habe gezittert und gebangt, es auf meiner Couch kaum ausgehalten. Ich bin immer noch untröstlich. Trotzdem bin ich unheimlich stolz auf die Jungs. Es ist unglaublich, was diese Mannschaft geleistet hat.“

Zweimal ist das Team durch Schiedsrichterentscheidungen erheblich benachteiligt worden. Fühlen Sie sich betrogen?

„Man fühlt sich völlig hilflos und den Schiedsrichtern ausgeliefert. Das grenzt schon fast an Betrug. Das Gefühl ist nicht toll. Was die Referees gemacht haben, ist fahrlässig. Ganz Deutschland weiß, dass wir das Halbfinale verdient hätten, aber gegen die Schiedsrichter hatten wir keine Chance.“

Viele haben Ihrem Team nach dem Umbruch nicht viel zugetraut. Was macht die Mannschaft dennoch so stark?

„Wir sind unheimlich zusammen gewachsen und eine richtig verschworene Gemeinschaft. Es macht riesigen Spaß, in diesem Team zu spielen. Mir ist absolut nicht bange um die Zukunft, wir können positiv in die Zukunft blicken und werden noch viel erreichen.“

Wer wird jetzt Weltmeister? Und warum wird Deutschland WM-Fünfter?

„Kroatien wird das Finale gegen Frankreich gewinnen. Sie sind ein starkes Team und haben mit den Fans im Rücken den Heimvorteil wie wir vor zwei Jahren. Polen holt Bronze. Wir gewinnen unser Spiel um Platz fünf, weil wir es verdient haben und als Team gefestigt sind. Das wird noch einmal ein Beweis unserer Charakterstärke.“

Seit langem wird über eine Spielergewerkschaft diskutiert. Wird es nicht langsam Zeit, diese auch mal in die Tat umzusetzen?

„Ja, da muss irgendwann mal was kommen. Wichtig wäre, den Modus zu ändern und eine WM nicht alle zwei, sondern nur alle vier Jahre auszutragen. Das würden den Titel aufwerten, die Spieler entlasten und wäre für die Qualität des Handballs gut. Sicher wäre es für die Popularität des Handballs besser, jedes Jahr ein Event zu haben. Aber man muss abwägen, was wichtiger ist: Die Gesundheit der Spieler oder die Medienpräsenz?“

Interview: Sandra Degenhardt, dpa

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