Hameln feiert 725 Jahre Rattenfänger-Jubiläum

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Deutsche Presse-Agentur

Eine Tragödie im Jahr 1284 hat die Stadt Hameln weltberühmt gemacht: Glaubt man der Sage, entführte ein Rattenfänger aus Rache alle 130 Kinder aus der Stadt an der Weser.

Der bunt gekleidete Mann hatte Hameln zuvor von einer Rattenplage befreit, seinen vereinbarten Lohn jedoch nicht erhalten. So lockte der Pfeifer die Jungen und Mädchen mit seinem faszinierenden Flötenspiel aus der Stadt und verschwand mit ihnen in einem Berg. Nur zwei Kinder - ein stummes und ein blindes - kehrten zurück, die anderen blieben für immer spurlos verschwunden. 725 Jahre später feiert Hameln mit vielen Aktionen und Angeboten den geheimnisvollen Rattenfänger. Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist der Tag der Niedersachsen vom 19. bis 21. Juni.

Rattenfänger-Darsteller Michael Boyer wird die Besucher auf eine Stadtführung der besonderen Art mitnehmen. Er möchte den Gästen an magischen Orten und Plätzen die geheimnisvolle Geschichte näher bringen, auch das faszinierende Flötenspiel gehört dazu. „Folge nie dem Rattenfänger, das ist gefährlich“, warnt Boyer seine Zuhörer. Er muss es wissen, denn seit 15 Jahren mimt er den Pfeifer. Hameln wird sich nach Angaben der Organisatoren mystisch und geheimnisvoll präsentieren. Dafür gibt es die eigens zum Jubiläum komponierte Musik mit dem Titel „The Dark Side of the Piper“ sowie Übernachtungsangebote in sogenannten „magischen Zimmern“.

„Ich bin sehr glücklich, dass viele Hamelner selbst mit einer Vielzahl von Programmpunkten das Jubiläumsjahr bereichern“, erklärt Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann. Kulturschaffende, Vereine und Gastronomen beteiligten sich mit Lesungen, Vorträgen, Konzerten, Theatervorstellungen und speziellen kulinarischen Angeboten an dem Jubiläum. „Es ist sozusagen ein Fest von Hamelnern für Hamelner und Gäste“, betont Lippmann.

Am Ufer der Weser, wo einst die Ratten dem Pfeifer ins Wasser folgten und jämmerlich ertranken, soll das „Hamelner Halbdunkel“ durch die Kehlen der Restaurantbesucher fließen. Das Getränk wird nach alter Brautradition hergestellt. Die unheimliche und düstere Atmosphäre des mittelalterlichen Hamelns können Besucher beim Candle-Light-Dinner oder einem Maskenball erleben. Ratten, die in der Mühlenstadt früher zum Alltag gehörten und auf Tischen und Bänken herumsprangen, brauchen die Gäste nicht zu fürchten. Die Nager gibt es heute aus Brotteig, sie sind harmlos und der touristische Renner.

Mit mehr als 250 000 Besuchern allein am Tag der Niedersachsen rechnet die Oberbürgermeisterin. Ein großer Fest- und Trachtenumzug ist der Höhepunkt. „Wichtig ist mir die nachhaltige Wirkung für den Tourismus in unserer Stadt. Ich bin sicher, dass der Tag der Niedersachsen auch in den nächsten Jahren für volle Hotelbetten sorgen wird“, erläutert Lippmann.

Mit einem Auszug von 725 Kindern am 26. Juni will Hameln den Jahrestag der Tragödie begehen. Die unerklärlichen Geschehnisse aus dem Jahre 1284 sorgen bis jetzt in aller Welt für Neugier, Touristen aus Asien und Amerika begeben sich auf die Spuren des Rattenfängers. Noch heute darf in der Bungelosenstraße in der historischen Altstadt zum Zeichen der Trauer keine Musik ertönen und nicht getanzt werden. Denn durch diese Gasse soll der Fremde mit der Flöte die Kinder einst aus der Stadt geführt haben.

Und die Rattenplage verfolgt die Stadtväter bis in heutige Zeiten: Erst vor kurzem war Hameln bundesweit wieder in aller Munde, als sich eine verwilderte Kleingartenanlage am Rand der Innenstadt zu einem „wahren Refugium“ für die Nagetiere entwickelte und erneut ein Rattenjäger ausrücken musste.

Stadt Hameln: www.hameln.de

725 Jahre Rattenfänger: www.725-jahre-rattenfaenger.de/

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