Haariges Hobby: Vogelspinnen sind keine Monstertiere

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Deutsche Presse-Agentur

Wenn Frank Sämmang aus Fürstenwalde (Oder-Spree) verreist, lässt der 60-Jährige seine 35 Haustiere ohne schlechtes Gewissen zwei Wochen allein zurück.

Denn seine Vogelspinnen müssen nur etwa alle ein bis zwei Wochen gefüttert werden. „Sie sind sehr pflegeleicht“, sagt Sämmang. Hauptsache, es ist immer genügend Wasser da und die Luftfeuchtigkeit stimmt. Die Nachbarn könnte er ohnehin nur schwer für die Pflege gewinnen.

Mit Vorurteilen räumt der 60-Jährige gleich auf: „So gefährlich sind die gar nicht“. Ein Biss sei mit einem Bienen- oder Wespenstich vergleichbar. Unangenehmer könne der Kontakt mit „bombardierenden“ Spinnen enden. Die Mexikanische Rotknie-Vogelspinne beispielsweise schleudert dem Störenfried Brennhaare entgegen. „Diese setzen sich mit ihren Widerhaken tagelang in der Haut fest, das kann zu Reizungen führen“, weiß Sämmang aus eigener Erfahrung. Harmlosere Exemplare wie die Rote Chile-Vogelspinne lässt er aber ohne Bedenken schon mal über seinen Arm krabbeln.

Der Exotenfreund beobachtet seine behaarten Achtbeiner ohnehin lieber durch die schützenden Glaswände der Terrarien. Das Spannendste sei die Häutung, berichtet er. Da die harte Chitinhülle nicht mitwachse, müsse sich eine Spinne im Laufe ihres Lebens immer wieder der harten Schale entledigen. „Dazu legt sie sich auf ihren Rücken und erhöht den Blutdruck, bis der Panzer platzt.“ Solch eine Prozedur könne sich manchmal stundenlang hinziehen.

Nicht minder aufwendig sei das Fressen. Verspeist werden Heimchen, Grillen, Heuschrecken und selbst Mäuse. „Die Spinne dringt mit ihren Klauen in das Futtertier ein und nach kurzer Zeit wirkt das injizierte Gift. Danach werden Verdauungsenzyme in die Beute gepumpt und nahrhafte Bestandteile verflüssigt“, erklärt der Spinnenfreund. Nach und nach könne die Nahrung dann eingesogen werden.

Sämmang, der als Sozialarbeiter in einer Bad Saarower Schule tätig ist, versucht durch Vorträge und Gesprächsrunden, Ängste und Ekel bei den Kindern abzubauen: „Ich will ihnen zeigen, dass Vogelspinnen keine Monstertiere aus Hollywoodfilmen sind.“ Bei einigen Schülern war die Mission erfolgreich. Statt eines Hundes oder Hamsters wollten sie zum Leidwesen ihrer Eltern lieber eine Vogelspinne. „Sie sind faszinierend, aber keine Kuscheltiere“, warnt der Pädagoge. Er selbst ist vor 20 Jahren beim Besuch einer Zoohandlung „auf die Spinne gekommen“. Die Begeisterung ließ ihn seither nicht mehr los.

„Weltweit sind derzeit 920 Vogelspinnenarten bekannt. Sie leben in tropischen bis subtropischen Gebieten“, erklärt Jason Dunlop vom Museum für Naturkunde Berlin. Er betreut die sogenannte Spinnentiersammlung, die weltweit als eine der bedeutendsten gilt. Ihren Namen verdanken die Tiere der Tatsache, dass sie in der Lage sind, kleine Vögel zu fressen. Das habe schon die Naturforscherin Maria Sibylla Merian (1647-1717) bei einer Reise nach Surinam beobachtet. Sie zeichnete 1705 eine Spinne, die einen Kolibri frisst.

Museum für Naturkunde: www.naturkundemuseum-berlin.de

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