Schwäbische Zeitung
Ilja Siegemund
Redakteur

Einheimischen ist das Denkmal des „Hübschen Steins“ im Langen Tal zwischen Merklingen und Machtolsheim ein Begriff. Vor Jahrhunderten sollen dort Verbrecher hingerichtet worden sein. Gar von Geistern, die in der kleinen Lichtung an einem Waldweg einen Schatz bewachen sollten, wissen Einheimische zu berichten. „Alles Unsinn“, winkt Jakob Salzmann ab. Und er muss es wissen: Denn der Merklinger beschäftigte sich in den vergangenen Jahren ausführlich mit dem Grenzstein. Er gehört zu einer Gruppe Ehrenamtlicher, die den fast 400 Jahre alten Grenzstein restaurierten. Am Donnerstag berichteten sie von ihrer mühseligen Arbeit.

Vier Männer hatten den Stein einst am 20. Mai 1616 aufgestellt. Er diente als Grenzstein, als die Grafschaft der Helfensteiner, die Herren der Reichsstadt Ulm und das Adelsgeschlecht Württemberg die Laichinger Alb unter sich aufteilten. Der Stein war allerdings nicht der erste an dieser Stelle, sondern der dritte. Die beiden vorherigen waren entzwei geschlagen worden. Erstmals stellten die drei Herrscherhäuser 1512 einen Grenzstein auf. „Vorher hatten sie etwa 80 Jahre lang gestritten, wo die Grenzen verlaufen sollen“, erzählt Jakob Salzmann.

Ein Wappen auf jeder Seite des Grenzsteins

Um ihre Besitzansprüche auf ihre jeweiligen Gebiete geltend zu machen, meißelten die Helfensteiner, Württemberger und die Reichsstadt Ulm ihre Wappen in den Stein – ein Wappen auf jeder Seite. Aufgrund seiner Form einer dreieckigen kleinen Säule erhielt der etwa ein Meter hohe Stein schnell den Beinamen „Hübscher Stein“, was erstmals 1587 urkundlich erwähnt wurde. 1616, als die dritte Version des „Hübschen Steins“ aufgestellt wurde, stand er neben einer damals noch jungen Linde.

Diese wuchs im Laufe der Jahrhunderte, bis sie vor einiger Zeit abstarb. Das war für den Naturschutzbeauftragten der Gemeinde Blaustein, Heinz Rösch, Anlass zu handeln: Er sprach sich dafür aus, den „Hübschen Stein“ zu restaurieren. Hilfesuchend wandte er sich an das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises. „Wir konnten ja nicht einfach so anfangen, den Stein zu schrubben“, erinnert er sich. Nach der Erlaubnis der Behörde ging es dann ans Werk. Das Merklinger Unternehmen Falch stellte den Ehrenamtlichen für ihr Vorhaben Hochdruckreiniger zur Verfügung. „Ohne sie hätten wir ewig von Hand geschrubbt“, sagt Heinz Rösch. Vor wenigen Wochen nun wurde der „Hübsche Stein“ an seinem angestammten Platz wieder aufgestellt – unter dem fast zwei Meter hohen und über ein Meter breiten Stumpf der einst kleinen Linde.

Heinz Rösch und seine tatkräftigen Helfer richteten darüber hinaus den Platz her, auf dem der Stein steht. „Er war ein richtiges Sumpfloch“, erinnert er sich. Also schütteten die Helfer mehrere Tonnen Kies auf. Außerdem befestigten sie eine Eisentafel an einem Baum. Auf dieser können Wanderer mehr über den „Hübschen Stein“ erfahren. Die Helfer stellten zudem zwei neue Sitzbänke und einen Tisch auf – alles aus halbierten Baumstämmen.

Die Sitzgelegenheit in dem stillen Wald bringt aber auch Probleme mit sich: In den vergangenen Tagen ließen sich dort Ausflügler nieder, die es mit der Ordnung nicht so genau nahmen. Aluminiumschalen und weiteres Grillzubehör lagen anschließend beim „Hübschen Stein“ – was die ehrenamtlichen Helfer mächtig ärgert. Denn dafür haben sie sich die Mühe nicht gemacht, betonen sie.

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