„Gustav“ wirbelt Republikaner-Parteitag durcheinander

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Deutsche Presse-Agentur

Der nahende Hurrikan „Gustav“ hat das Programm des Parteitages der US-Republikaner kräftig durcheinandergewirbelt.

Die Delegierten werden zur Eröffnung am Montag in Minneapolis-St. Paul (Bundesstaat Minnesota) lediglich für etwa zwei Stunden zusammenkommen, um sich wie von den Parteistatuten verlangt zu konstituieren, wie der Wahlkampfchef des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain, Rick Davis, am Sonntag sagte. Jenseits davon werde nun täglich und mit Blick auf die Lage neu entschieden, wie das Treffen weiter gestaltet werde.

So sei zunächst noch unklar, wann die offizielle Wahl McCains zum Präsidentschaftskandidaten stattfinden solle. „Wir müssen dem, was am Golf von Mexiko passiert, mit Respekt gegenübertreten.“ Am Montag würden nur die notwendigen Verfahren abgehandelt und keine politischen Reden gehalten. Es sei das erste Mal, dass ein Parteitag wegen äußerer Einflüsse so tiefgreifend abgeändert worden sei, sagte ein Kommentator des US-Fernsehsenders CNN.

Der Hurrikan „Gustav“ wird voraussichtlich am Montagmittag (Ortszeit) mit voller Wucht auf die Golfküste treffen. Bis zu einer Million Menschen waren in den bedrohten Gebieten am Sonntag im Auto, in Bussen und Zügen oder per Flugzeug auf der Flucht. Bei dem verheerenden Zerstörungszug des Hurrikans „Katrina“ waren vor fast genau drei Jahren mehr als 1800 Menschen ums Leben gekommen. Die US- Regierung und Behörden hatten damals viel zu langsam reagiert.

McCain zeigte sich optimistisch, dass es nicht zu einem neuerlichen Versagen der Behörden kommt. „Ich hege die große Erwartung, dass die Fehler der "Katrina"-Katastrophe diesmal vermieden werden“, sagte der Präsidentschaftskandidat am Sonntag, kurz nachdem er von den Gouverneuren der betroffenen Bundesstaaten über die Lage informiert worden war. Die Koordination zwischen den verschiedenen Ebenen sei nach seinem Eindruck „hervorragend“. Es gebe aber auch noch einige Probleme wie etwa die Kommunikationsmöglichkeiten der Rettungskräfte, sagte McCain in St. Louis (Missouri). „Wir habe es mit einer großen nationalen Herausforderung zu tun und mit möglicherweise mit einer großen Naturkatastrophe“, sagte McCain.

Der Senator aus Arizona rief seine Landsleute zur Solidarität mit den Menschen in den Gegenden auf, die „Gustav“ trifft. „Ich hoffe, dass Amerika seine Herzen und seine Brieftaschen öffnet“, sagte der Präsidentschaftskandidat. „Dies ist eine Zeit, in der wir die Parteipolitik beiseitelassen und wie Amerikaner handeln müssen.“ Die Republikaner wollen große Unternehmen und Spender der Partei dazu ermutigen, für Hilfseinsätze in der betroffenen Region Geld bereitzustellen, berichtete die „New York Times“.

Bereits im Laufe des Sonntags hatten US-Präsident George W. Bush und Vizepräsident Richard Cheney ihre für Montag geplanten Reden auf dem Parteitag abgesagt. Nach dem ursprünglichen Programm sollten am Dienstag unter anderem der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani sprechen, am Mittwoch dann die republikanischen Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten, Sarah Palin. Zum Abschluss des Parteitages am Donnerstag war die Rede McCains geplant.

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