Großer Bahnhof bei Bambi-Gala

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Schwäbische Zeitung

Potsdam (dpa) - Shakira ließ es rocken, Kate Winslet sorgte für Hollywood-Glanz. Doch es waren vor allem die ruhigen Momente, die bei der Bambi-Gala am Donnerstag das Publikum rührten.

20 Jahre nach dem Mauerfall erhielten Helmut Kohl als „Kanzler der Einheit“ und drei „Stille Helden“ der Wende die begehrten Medienpreise. Sichtlich bewegt nahm der 79-jährige Kohl die Auszeichnung in seinem Haus in Ludwigshafen im Rollstuhl sitzend entgegen. Viele der rund 800 Gäste in der Potsdamer Metropolis-Halle wirkten allerdings schockiert über den Gesundheitszustand Kohls, dem das Sprechen viel Mühe bereitete.

Ein anderer großer alter Mann kam erst gar nicht zu seinem Auftritt. Die Videoeinspielung mit dem 105-jährigen Bambi- Preisträger Johannes Heesters wurde bei der überzogenen ARD-Livesendung, die 4,79 Millionen Fernsehzuschauer einschalteten (Marktanteil: 17,0 Prozent), kurzerhand unterschlagen.

Nicht nur bei Oscar-Preisträgerin Winslet und Jan Josef Liefers sah man feuchte Augen, als Jürgen Schulz für sein Kinderhospiz Sonnenhof in Berlin geehrt wurde. Alle erhoben sich von den Stühlen - magische Minuten. Davon gab es aber nicht viele an diesem Abend in Potsdam - symbolträchtig als Gala-Schauplatz gewählt, da schließlich hier einst auf der Glienicker Brücke Agenten aus Ost und West ausgetauscht wurden.

Klar, jede Menge Stars aus Medien, Film, Fernsehen, Wirtschaft, Politik und Sport gaben ihr Stelldichein: Kate Winslet („Der Vorleser“) sank dankbar vor ihrem Laudator Bruno Ganz auf die Knie und verkündete, ihren Bambi mit ihrem Schauspielkollegen David Kross zu teilen. Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck („Das Leben der Anderen“) fand sein goldenes Reh „so süß und hübsch“ - seine Kinder würden es sicher schöner finden als den Oscar-Mann.

Christoph Waltz, geehrt für seine Darstellung in Tarantinos „Inglourious Basterds“, wollte eigentlich „etwas Geistreiches“ zum Besten geben - entschied sich dann doch für die kürzeste Rede des Abends: „Vielen, vielen Dank“. Fast genauso kurz, dafür besonders herzerfrischend, machte es die kleine Mercedes Jadea Diaz (Hauptdarstellerin in Michael „Bully“ Herbigs Bambi-prämiertem Film „Wickie und die starken Männer“): „Danke Bully, dass Sie mich genommen haben.“

So manchen Lacher erntete auch Stephanie zu Guttenberg, die ihren Mann, Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, wegen der aktuellen Nachrichtenlage spontan und äußerst charmant vertrat. „Denken Sie sich Ihren Verteidigungsminister in dieses Abendkleid“, sagte sie und übergab Uli Hoeneß vom FC Bayern München einen Bambi.

Aber erst als einer der drei als „Stille Helden“ geehrten DDR-Oppositionellen, Siegbert Schefke, schilderte, unter welchen Umständen sie die Leipziger Demonstration am 9. Oktober 1989 heimlich filmten, gab es wieder einen besonderen Moment: „Beschattung, Nervenkitzel, Action pur“. Und: „Damals wollte ich kein Held sein (...)“. Langer Applaus. Aber so schien nur selten der Funke von der Bühne in den Saal überzuspringen.

Möglicherweise lag das auch am neuen Moderatoren-Duo: Ex-Eiskunstlaufstar Katarina Witt spulte ihre Texte weitgehend herunter, und das Timing mit Partner Tom Bartels stimmte nicht immer. Vielleicht bremste auch ein anderes Gefühl so manchen im Publikum: „Ich hab' Hunger“, verkündete der für sein Lebenswerk geehrte Schauspieler Maximilian Schell als letzter Preisträger. Erst danach konnte sich die Gästeschar endlich über den Kalbsrücken hermachen.

Und „Jopie“? Hubert Burda Media hatte Heesters wie versprochen den alljährlichen Bambi verliehen. Doch „aus Zeitgründen“ fiel der Einspieler dazu schlicht weg. Johannes Heesters, der am 5. Dezember 106 Jahre alt wird, kommentierte: „Das ist jetzt der achte Bambi, und dann kommt noch der neunte und dann kommt noch der zehnte!“

www.bambi.de

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