Große Augen: Namensforschung fasziniert junge Zuhörer

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Schwäbische Zeitung

Am Ende der Vorlesung scharten sich die jungen Zuhörer um den Gast aus Freiburg, der mit seinem aufschlussreichen und unterhaltsamen Vortrag die Wissbegierde der Kinder rund um die Entstehung ihrer Vor- und Familiennamen geweckt hatte: Mit großem Interesse haben sie den Ausführungen Dr. Konrad Kunzes, mehr als 30 Jahre lang Professor an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg und laut Rektor Georg Schwarz „auf seinem Gebiet die Nummer Eins in Deutschland“, gelauscht.

Aus allen Ländern der alten und neuen Welt stammen unsere Vornamen, wie die jungen Studenten vom 71-jährigen Professor, der sich eigens mit seinen Enkeln auf die Vorlesung an der Tuttlinger Kinderuni vorbereitet hatte, erfahren: Auf einer Liste zeigt er die zur Zeit ihrer Geburt beliebtesten Namen, deren Herkunft und Bedeutung. Aus dem Hebräischen stammen beispielsweise die biblischen Namen Marie oder Maria und Anna. Ob die griechische Sophie/Sophia (Weisheit) oder die italienische Laura (Lorbeerkranz), der aus dem Griechischen stammende Name Alexander (Beschützer), oder die in früheren Zeiten gewählten Namen der deutschen Heldensagen wie Siegfried oder Günter: Neben ihrer Bedeutung ist auch immer ihr schöner Klang für die Auswahl entscheidend, informiert der Experte.

Erst vor rund 700 Jahren entstanden die Familiennamen zur Unterscheidung der Menschen, führt Professor Kunze aus. Mit vorbildlichem lokalen Bezug führt er die fünf Möglichkeiten zu ihrer Entstehung auf: Eigenschaften wie Größe oder Aussehen (Lang oder Lange) haben diese ebenso geprägt wie die Herkunft (Hilzinger) oder Wohnstätte (Berger/Bacher). Auch der Beruf (Metzger, Müller) oder der Vorname des Vaters (Martin) hat sich auf die Namensgebung ausgewirkt, wie Kunze erklärt.

Dass er bei seinen Ausführungen immer wieder in die Mundart verfällt, unterstreicht seine Ausführungen zum Thema Dialekt: Anhand farbiger Schaubilder weist er bestimmte Unterschiede in der Schreibweise der Region und dem Dialekt zu: Aus dem im Süddeutschen verbreiteten Brugger (von Brücke/Bruck) wird im Norddeutschen Brückner. Während die einen sich Tanner nennen, heißt die Entsprechung im Schwäbischen Danner: Der Buchstabe T wird in der Regel als weiches D gesprochen. So heißen Familien, deren Ursprünge in Tuttlingen (vom Gründer Tutilo so benannt) liegen, im Schwarzwald Duttlinger.

Nicht alle Fragen der interessierten Kinder nach ihren Namensursprüngen können am Schluss beantwortet werden. Doch gibt ihnen Professor Kunze einen Buchtipp mit auf den Weg: Im „Duden Lexikon der Vornamen“ können sie selber nachschlagen.

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