Grand-Prix-Zukunft in Hockenheim offen

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nur mit einer „schwarzen Null“ gibt es für den Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring eine Zukunft.

Sollte sich nicht innerhalb einer Woche nicht abzeichnen, dass über einen erhöhten Zuschauerzuspruch ein Millionen-Defizit wie bislang verhindert werden kann, bleibt die Ampel auf der nordbadischen Traditionsstrecke für die Formel 1 endgültig auf Rot stehen. Die Stadt könne als Hauptanteilseigner nicht weiter für das Minus aufkommen, sagte Hockenheims Oberbürgermeister Dieter Gummer der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Das können wir uns nicht erlauben.“ Der Gemeinderat entscheidet am 25. März endgültig, ob es weiterhin einen deutschen Grand Prix auf dem Hockenheimring gibt. „Ich wage keine Aussage“, sagte der Kommunalpolitiker.

Die Wirtschaft der Rhein-Neckar-Region unternimmt laut Gummer gewaltige Anstrengungen, um auf den letzten Metern doch noch das drohende Aus des prestigeträchtigen und für viel Umsatz sorgenden Rennens verhindern zu können. Verschiedene Verbände versuchen, in der verbleibenden kurzen Zeit Abnehmer für die 20 000 Tickets einer an der Spitzkehre geplanten eigenen „Tribüne der Metropol-Region“ zu finden. So habe die Industrie- und Handelskammer (IHK) nochmals 10 000 Briefe verschickt, um für das Spektakel zu werben, sagte Gummer. Er wolle mit der Geschäftsleitung der Hockenheimring GmbH am 18. März bei einem Treffen den aktuellen Stand besprechen.

Laut dem Oberbürgermeister muss der Zuschauerzuspruch 2010 gegenüber 2008 um ein Drittel auf 80 000 Besucher steigen. Damit lasse sich das ansonsten auf etwa sechs Millionen Euro kalkulierte Defizit verhindern. „Dann wären wir in der Nähe der Null“, sagte der SPD-Politiker. Die Stadt hält 94 Prozent an der Hockenheimring GmbH und musste damit das Minus in Höhe von 5,3 Millionen Euro beim letzten Grand Prix weitgehend selbst tragen. Für den minimalen Rest kam der Badische Motorsport Club (BMC) auf, dem sechs Prozent der Gesellschaft gehören.

Viel Hoffnung auf Unterstützung durch das Land Baden-Württemberg hegt Gummer nicht. „Es finden enge Gespräche mit dem Wirtschafts- und dem Staatsministerium statt“, sagte er. „Ich kann und will aber nicht einschätzen, ob das Land zu finanzieller Hilfe bereit ist.“ Angesichts der Steuereinnahmen von acht Millionen Euro und 40 Millionen Umsatz für die Region wäre staatliche Unterstützung seiner Meinung nach aber logisch. Das Land Rheinland-Pfalz ist mit 90 Prozent am Nürburgring beteiligt, auf dem bislang im Wechsel mit Hockenheim der deutsche Grand Prix alle zwei Jahre stattfindet.

Die Suche nach einem privaten Investor scheiterte bislang ebenfalls. „Es gab Interessenten“, sagte Gummer. „Aber alle wollten nur einsteigen, wenn sie die Formel 1 nicht mitfinanzieren müssten.“ Ohne Königsklasse könne die Kommune das Geschäft auch allein weiter stemmen, denn mit den anderen Aktivitäten schreibe die Hockenheimring GmbH schwarze Zahlen, betonte er.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen