Gotische Altarflügel kehren nach St. Anna zurück

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Schwäbische Zeitung

TETTNANG (Die spätgotische St. Anna-Kapelle ist das älteste sakrale Gebäude der Stadt. Gleichzeitig mit dem Bau gab das Stifterpaar einen Flügelaltar in Auftrag, der längst verschollen ist. Lediglich die beiden Altarflügel existieren noch im Besitz der Fürsten von Oettingen. Der Förderkreis Heimatkunde hat nun eine Reproduktion der beiden Flügel mit den historischen Bildnissen angefertigt und im Chor der Kapelle angebracht.

Von unserem Mitarbeiter  Gisbert Hoffmann

Die St. Anna-Kapelle wurde von Graf Ulrich VII. von Montfort und seiner Gemahlin Magdalena von Oettingen-Wallerstein im Jahr 1513 gestiftet. Mit dem Kapellenbau und der Wahl der Patronin war der Wunsch des Stifterpaares nach erneutem Kindersegen verbunden. Zwar hatte Magdalena schon neun Kindern das Leben geschenkt, doch waren die zwei Söhne früh gestorben und die sieben Töchter nicht erbberechtigt. Die Ausstattung der Kapelle mit den Wappen der Ahnen verweist auf den Beweggrund der Stiftung: Fürbitte um den Fortbestand des gräflichen Hauses Montfort.

Gleichzeitig stiftete das Grafenpaar einen wertvollen Flügelaltar. Während der Schrein selbst verloren gegangen ist, befinden sich die beiden Altarflügel heute als Privatbesitz in der Hauskapelle der Fürsten von Oettingen auf Schloss Wallerstein und sind für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Bilder auf den Flügeln sind Werke des bedeutenden Memminger Künstlers Bernhard Strigel, der auch im Auftrag von Kaiser Maximilian arbeitete und den Habsburger mehrfach porträtiert hat.

Da der Altar beziehungsweise seine Flügel für Tettnang von großer kunsthistorischer Bedeutung sind und ein bedeutendes Relikt aus der Geschichte der Stadt und des hiesigen Grafenhauses darstellen, wurde jetzt eine verkleinerte Reproduktion der Altarflügel in der Kapelle angebracht. Sie zeigen im geöffneten Zustand zwei Szenen aus dem Leben der hl. Anna, der Patronin der Mütter und im geschlossenen Zustand die Bildnisse des Stifterpaares. Die Bilder sind auf Fotoleinwand gedruckt und die hölzernen Rahmen den Originalflügeln nachempfunden. Im geöffneten Zustand erscheint in Hintergrund eine Beschreibung von Altar und Bildnissen.

Das Projekt griff der Förderkreis Heimatkunde vor einem Jahr nach einer Idee von Siegfried Obert auf. Die Arbeiten an Bild- und Rahmenreproduktion wurden nach Genehmigung durch den Kirchengemeinderat und Unbedenklichkeitserklärung seitens der Denkmalbehörde begonnen. Die Negative der Bilder stammen aus dem Stadtarchiv. In zahlreichen unentgeltlichen Arbeitsstunden und bei Übernahme der Materialkosten wurde der Rahmen nach historischem Vorbild von Siegfried Obert angefertigt und von Siegfried Locher fachgerecht bemalt und teilvergoldet. Auch die Firmen Klebecompany Ochsner (Bilddruck) und Oskar Hafen (Scharniere und Aufhängung) haben weitgehend nur die Materialkosten in Rechnung gestellt, die der Förderkreis übernommen hat.

Nun besitzt St. Anna wieder zumindest eine Nachbildung der historischen Altarflügel. Sie erzählen am ursprünglichen Ort ein Stück Tettnanger Geschichte.

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