Goldener Bär für „La Teta Asustada“

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Deutsche Presse-Agentur

Der Goldene Bär geht erstmals nach Peru. Die Jury der 59. Berlinale zeichnete das Drama „La Teta Asustada“ („Die Milch des Leids“) von Claudia Llosa mit dem Hauptpreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin aus.

Der Andenstaat war zum ersten Mal im Berlinale-Wettbewerb vertreten. Die 32-jährige Regisseurin erzählt von einer jungen Frau, die an den Folgen des Jahre zurück liegenden Terrorsystems in Peru leidet. „Das ist für Peru, für unser Land“, sagte Llosa bei der Preisverleihung am Samstagabend strahlend. Zum zweiten Mal in Folge gewann damit ein Film aus Lateinamerika. 2008 hatte „Tropa De Elite“ (Elite-Einheit) des Brasilianers José Padilha den Goldenen Bären bekommen.

Gleich zwei Preise vergab die von der britischen Schauspielerin Tilda Swinton geleitete Jury an den deutschen Beziehungsfilm „Alle Anderen“ von Maren Ade. Einen Silbernen Bären als beste Darstellerin erhielt die österreichische Schauspielerin Birgit Minichmayr für ihre Darstellung der weiblichen Hauptfigur Gitti. „Alle Anderen“ wurde außerdem mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Der Preis ging zu gleichen Teilen auch an die Tragikomödie „Gigante“ von Adrián Biniez aus Uruguay. Der von vielen als Favorit gesehene deutsche Film „Sturm“ von Hans-Christian Schmid ging bei der Bären-Vergabe leer aus.

„Das bedeutet mir alles sehr viel, es bedeutet auch viel für unsere Arbeit“, sagte die aus Karlsruhe stammende Ade. „Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich nicht so wirke“, meinte die sehr berührte Regisseurin. Minichmayr dankte ihrer Regisseurin, ihr diese Rolle anvertraut zu haben. „Ich lieb' dich einfach so viel.“

Als bester Darsteller wurde der in Mali geborene, 72-jährige Sotigui Kouyate mit einem Silbernen Bären geehrt. Er verkörpert in dem Drama „London River“ über die Auswirkungen der Bombenanschläge in London 2005 (Regie: Rachid Bouchareb/Frankreich) die männliche Hauptfigur. Der Preis für die beste Regie ging an den iranischen Regisseur Asghar Farhadi für sein Gesellschaftspanorama „Alles über Elly“.

Im Mittelpunkt des Gewinnerfilms „La Teta Asustada“ steht Fausta, beeindruckend gespielt von Magaly Solier. Ihre Mutter wurde zur Zeit des Terrors durch die Guerilla-Organisation „Leuchtender Pfad“ in den 80er und 90er Jahren ein Opfer von Vergewaltigung. Die nun erwachsene Tochter, zum Zeitpunkt des Gewaltaktes im Mutterleib, trägt psychisch schwer an den Folgen. Nach einem Volksglauben wird das Leid der Geschändeten über die Muttermilch an die Nachkommen weitergegeben.

Tausende Menschen in Peru leiden an der „La Teta Asustada“ genannten Krankheit, die Schwermut und Ängste auslöst, und für die die Wissenschaft noch keine schlüssige Erklärung hat. Der Film beeindruckt besonders durch seine stilistische Strenge, ruhige Bilder, wenig Dialoge und den Gesang von Fausta, mit dem sie gegen ihr Leid ankämpft. Gleichzeitig wird der Alltag der Ärmsten der Armen in Peru auch mit feinem Humor gezeigt. Claudia Llosa ist die Nichte des Schriftstellers Mario Vargas Llosa („Tod in den Anden“).

Für das beste Drehbuch wurden Regisseur Oren Moverman und sein Mitautor Alessandro Camon für das US-amerikanische Anti-Kriegsdrama „The Messenger“ geehrt. Einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung bekamen die Sounddesigner Gábor Erdélyi und Tamás Székely für ihre Arbeit an dem in den Karpaten spielenden Rache-Epos „Katalin Varga“ von Peter Strickland (Großbritannien). „Gigante“ erhielt auch die Auszeichnung als bester Erstlingsfilm und teilt sich zudem den Alfred-Bauer-Preis mit Andrzej Wajdas „Der Kalmus“ aus Polen.

Internet: www.berlinale.de

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