GM plant keine Werksschließungen bei Opel

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Deutsche Presse-Agentur

Nach einem Gespräch mit GM-Chef Rick Wagoner sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) am Mittwoch in Detroit, GM plane keine Schließungen von Opel-Standorten in Deutschland.

Die ums Überleben kämpfende GM-Gruppe will 26 000 Stellen außerhalb der USA streichen, weltweit sollen 47 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Konzern schrumpft damit auf 200 000 Beschäftigte. General-Motors-Chef Rick Wagoner kündigte in der Nacht zum Mittwoch an, fünf Werke in den USA zu schließen und sich von Marken wie dem Luxus-Geländewagen Hummer zu trennen sowie die schwedische Tochter Saab zu verkaufen. In Europa müsse der Hersteller die Kosten um 1,2 Milliarden Dollar herunterfahren. Werksschließungen würden an „Standorten mit hohen Kosten“ geprüft.

Der GM-Chef verlangte eine Aufstockung der US-Staatshilfen von bislang 13,4 auf 30 Milliarden Dollar, von Regierungen außerhalb der USA will er zusätzlich rund sechs Milliarden Dollar hereinholen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte in Berlin, Opel müsse mit GM ein Konzept auf den Tisch legen, wie eine positive Prognose aussehen könne. „Im Augenblick kann die Politik noch nichts machen, weil die notwendigen Konzepte von Opel noch nicht vorliegen.“ Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) erklärte, er wolle genau wissen, wie hoch der Kapital- oder Bürgschaftsbedarf von GM/Opel sei. Eine Staatsbeteiligung sehe er skeptisch. Die Staatshilfen für die gesamte Kreditwirtschaft seien nicht mit der Situation einzelner Unternehmen vergleichbar.

Die Bundesländer mit Opel-Standorten hatten eine Beteiligung an Opel ins Spiel gebracht, falls Opel aus dem US-Mutterkonzern General Motors (GM) herausgelöst werden könnte. Steinbrück sagte dazu, es sei klar, dass die Politik angesichts Zehntausender Jobs bei Opel und Zulieferern sich einmischen müsse. Mit der Bundesregierung verhandelt Opel wegen der GM-Schieflage über eine Bürgschaft von bis zu 1,8 Milliarden Euro. An diesem Donnerstag wollen Bundesregierung und Länder mit Opel-Standorten am Rande der Vorbereitungsgespräche für die Sondersitzung des Bundesrates Hilfsmöglichkeiten sondieren.

Arbeitnehmer und Management von GME (GM Europe) und Opel sind sich sicher, dass Opel die aktuelle Krise überstehen wird, „unter der Voraussetzung, dass die entsprechenden finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden können“. „Wenn es für den nachhaltigen Erfolg von GME (GM Europe) und Opel Sinn macht, ist das Management auch bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von GME-Präsident Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant und dem Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Klaus Franz in Rüsselsheim. Aus Unternehmenskreisen verlautete, dass sowohl Beteiligungen von Ländern über einen gewissen Zeitraum denkbar seien als auch fremdes Kapital anderer Unternehmen.

Der Sanierungsplan des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) stößt beim Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer auf Skepsis. „GM wirkt wie ein Fass ohne Boden.“ Er habe Zweifel an der Überlebensfähigkeit des Konzerns: „Auch mit dem Sanierungsplan und den Regierungsgeldern ist eine Erfolgsgeschichte noch lange nicht sicher. Es fehlt ein neuer Ansatz“, sagte der Professor der Universität Duisburg-Essen am Mittwoch dem Internetportal des „Handelsblattes“. Zur möglichen Herauslösung von Opel aus dem Konzern meinte er: „Es wird unendlich schwer, ist aber nicht unmöglich. Ich halte diese Lösung noch für die tragfähigste.“

„Es ist jetzt Aufgabe von Opel, zu sagen, wie langfristig das Zukunftskonzept aussieht“, sagte Rüttgers in der deutschen Botschaft in Washington. „Wir haben gesagt, wir sind bereit zu helfen, aber das geht nur, wenn man weiß, wohin die Reise geht.“ Rüttgers will Wagoner in Detroit treffen. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Dienstag berichtet, GM prüfe die Schließung und den Verkauf von drei Opel-Fabriken in Europa. Bochum und Antwerpen könnten geschlossen, Eisenach verkauft werden.

Ein geordnetes Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz würde GM zufolge noch viel teurer als die aktuell geforderten Staatshilfen werden und sogar bis zu 100 Milliarden Dollar kosten. GM und Wettbewerber Chrysler müssen ihre Überlebensfähigkeit auf Basis ihrer Sanierungspläne konkret bis Ende März beweisen. Dazu laufen auch noch Verhandlungen mit den Gewerkschaften über Zugeständnisse und mit den Gläubigern zur Umschuldung.

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