Gewürztraminer ist der „Freak“ unter den Weißweinen

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Deutsche Presse-Agentur

Gelblich schimmert der Gewürztraminer im Glas. Der Duft von Rosen, Litschis und Honig steigt in die Nase. Ein Geschmack von tropischen Früchten und schweren orientalischen Gewürzen breitet sich auf dem Gaumen aus.

„Dieser Wein ist ganz opulent, extrem in den Aromen und dadurch blind zu erkennen“, sagt die Sommelière Marlene Duffy aus Hamburg. Ähnlich sieht das Fabian Lange, Weinkritiker aus Frankfurt/Main: „Der Gewürztraminer ist der Freak unter den Weißweinen.“

Die nach dem Ort Tramin in Südtirol benannte Traube gilt als eine der ältesten Kulturrebsorten der Welt. Schon in Dokumenten aus dem 13. Jahrhundert finden sich Hinweise auf den Wein, im 15. Jahrhundert war er wohl die am häufigsten angebaute Sorte in Südtirol.

Heute macht er dort gerade 8 Prozent der Weinanbaufläche aus. Gut 90 Prozent des heimischen Traminers trinken die Italiener selbst. „Das Land schreit förmlich nach Südtiroler Gewürztraminer“, sagt Willi Stürz von der Kellerei Tramin. Anderswo greifen Kunden deshalb vor allem zu Produkten aus dem Elsass: Dort sei der Traminer die bekannteste Sorte und werde auf rund 20 Prozent aller Weinberge angebaut, sagt Sommelière Duffy. Aber auch in Deutschland wird er angebaut - vor allem in Baden und in der Pfalz.

Generell werde der Gewürztraminer in Südtirol trocken ausgebaut, sagt Stürz. Unterschiede zwischen den einzelnen Lagen gebe es dennoch: „Am südlichen Alpenhauptkamm bekommt der Traminer bei uns mehr Sonne und ist dadurch würziger. Am nördlichen Kamm fällt er dagegen blumiger aus.“ In den nördlich von Südtirol gelegenen Regionen ist der eher süßliche, halbtrockene Ausbau verbreitet. Dadurch sei der Wein zum Beispiel aus dem Elsass etwas runder, sagt Lange. Zwischen 13 und 15 Prozent Alkoholgehalt hat der Südtiroler Wein, aber auch die 12,5 bis 13,5 Prozent im Elsass sind schon viel.

Der fertige Wein hebt sich von anderen Sorten deutlich ab: Er sei im Gegensatz zum säurehaltigen Riesling mild in der Säure, erklärt Duffy. Lange bezeichnet ihn als ausdrucksstärker und vielschichtiger als zum Beispiel Chardonnay. Das „Leitaroma Rose“ unterteilt er noch einmal: „Der Duft von gelben Rosen macht den Wein schön schwermütig und marzipanig, rote oder rosa Rosen lassen ihn dagegen spritziger erscheinen.“ Neben dem dominanten Litschi-Aroma sei oft auch der Geschmack von vollreifen Mirabellen, Aprikosen oder einer sehr reifen Banane zu entdecken. Die herben, würzigeren Traminer-Sorten haben laut Duffy das Aroma von Ingwer, Muskatblüten oder Anis.

Die Verbindung mit Speisen bietet sich also an - auch wenn der Traminer oft als typischer Aperitifwein gilt. Fabian Lange empfiehlt ihn als Begleiter eines scharfen Essens mit Curry oder Zitronengras. Auch das würzige Aroma von Südtiroler Speck bringe der Wein gut zur Geltung, sagt Stürz. Ein trockener bis leicht süßer Traminer passe zu Rotschimmelkäse, ein edelsüßer zu Blauschimmelkäse wie Roquefort.

Klassisch elsässisch dagegen ist die Kombination mit Leberpastete. Auch zu Flammkuchen werde er dort getrunken, sagt Duffy. Die süßlich karamellisierten Zwiebeln darauf harmonierten mit der süßen Note des Gewürztraminers. „Zu Desserts geht er, wenn er restsüß ausgebaut ist, zum Beispiel als Beerenauslese“, sagt Duffy. Ein interessanter Gegensatz zum fruchtig-floralen Wein sei Schokolade, eine harmonische Einheit bilde eine Crème brulée mit Rosenblütenaroma.

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