Getanzte Inklusion

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Bei den Inklusions-Tanzklassen von Tango en Punta steht die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung im Mittelpunkt.
Bei den Inklusions-Tanzklassen von Tango en Punta steht die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung im Mittelpunkt. (Foto: ishkamichocka.com)
Lindauer Zeitung

Tango en Punta: Hier begegnen sich beim Tanzen Menschen mit und ohne Behinderung in einer Umarmung. Bereits zum siebten Mal findet das Festival, das zwischen Österreich und Uruguay pendelt, Mitte September im Festspielhaus Bregenz statt. Einzigartig werde laut Pressemitteilung des Veranstalzters auch die multimediale Präsentation des ersten Buches „Das Tinkers-System“ der Organisatoren Andrea Seewald und Matías Haber.

„Beim Tango begegnen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft und leben gemeinsam den Moment. Tango ist eine Umarmung, bei der man sich selbst und andere besser wahrnimmt.“ So beschreiben die Initiatoren und Projektverantwortlichen Andrea Seewald und Matías Haber das Festival „Tango en Punta“. Beim viertägigen Festival, das Inklusion in den Mittelpunkt stellt, wird Raum geschaffen, um gemeinsam zu wachsen und Emotionen zu teilen. Renommierte Künstler und das ganze Team von „Los Tinkers“ sind bemüht, Inklusion auf achtsame Art und Weise zu leben. Interaktion spielt in diesem Jahr eine größere Rolle, da der Rahmen im Seestudio des Festspielhauses noch intimer ist als in den Vorjahren.

Im September 2017 wurde Seewalds und Habers erstes Buch „Das Tinkers-System“ auf Englisch veröffentlicht. Dieses Jahr präsentieren sie die deutsche Übersetzung mit einer multimedialen, inklusiven und interaktiven Performance. „Die Besucher erhalten zum Eintrittsticket für die Buchpräsentation je ein Buch und sind herzlich eingeladen mitzumachen“, erzählt Andrea Seewald. Das Buch richtet sich speziell an Pädagogen, Sozialarbeiter, Betreuer für Menschen mit Behinderung und Tangolehrer. Es ist jedoch auch für Menschen interessant, die mehr über das Thema erfahren möchten.

Ihr Konzept setzten Andrea Seewald und Matías Haber heuer auch erstmals in Wien um. Somit ist Vorarlberg neben der Bundeshauptstadt und Uruguay der dritte Schauplatz des inklusiven Tangofestivals.

Mit der international anerkannten Methode unterrichten die österreichische Tänzerin und der ausgebildete Opernsänger seit 2010 Inklusions-Tango das ganze Jahr über in den verschiedensten Ländern. Sie bieten inklusive Tanzklassen an, bei denen Menschen mit Behinderung und Tangoliebhaber sowie Profitänzer gemeinsam die Nähe und Tiefe des Tangos erkunden. „In Bregenz sind dieses Jahr auch erstmals Menschen mit Behinderung aus ganz Europa mit dabei. Besonders groß ist die Gruppe aus Deutschland“, erklärt Andrea Seewald.

Neben der Organisation der drei Festivals und der Workshopreihe „Embracing Tango“ durch Europa und Südamerika kreieren Andrea Seewald und Matías Haber auch ihre eigenen künstlerischen Produktionen. Eine davon ist das In-Concert – eine Inszenierung, die zeigt, was Inklusion wirklich bedeutet.

Entschleunigung im Dunkeln

Vergangenes Jahr waren die Teilnehmer vom Experiment einer Tanzveranstaltung – „Milonga im Dunkeln“ – sehr begeistert. Deshalb wird es heuer eine zweite Auflage davon geben. Das Besondere ist der Überraschungsmoment im Dunkeln, der die Teilnehmer dazu einlädt, Entschleunigung zu erfahren und sich und sein Gegenüber wahrhaftig wahrzunehmen.

In der abendlichen Milonga präsentieren nicht nur Profi-Tänzer, sondern auch Menschen mit Behinderung ihr Können in der Mitternachtseinlage.

Die inklusiven Klassen sind kostenfrei und richten sich an alle Menschen, mit und ohne Vorkenntnisse. „Das Ziel daran ist, die Freude und die Leidenschaft am Tangotanzen weiterzugeben, denn über Freude verbinden sich Menschen, egal welchen Alters oder Herkunft“, sagt Andrea Seewald abschließend.

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