Geschulte Hundeprofis: Neuer bundesweiter Lehrgang

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Deutsche Presse-Agentur

Der Markt für Dienstleistungen rund um den besten Freund des Menschen wächst stetig. Hundepensionen betreuen den Vierbeiner, während sich Herrchen am Strand erholt, Therapeuten sorgen für das Wohl und Hundeschulen für das richtige Benehmen des Tieres.

Andere gehen mit fremden Hunden Gassi, wenn Frauchen im Büro sitzt oder krank ist. Der Trend ist auch an der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam nicht spurlos vorübergegangen. Von 2009 an wird ein Lehrgang angeboten, den es nach IHK-Angaben bundesweit nirgendwo sonst gibt: Tierfreunde aus ganz Deutschland können sich in Brandenburgs Landeshauptstadt zum Hundefachwirt ausbilden lassen.

Warum es den Lehrgang gibt, erläutert ein Informationsblatt so: „Es werden professionelle Hundeerzieher und Verhaltensberater benötigt, die als Branchenspezialisten für einen modernen Freizeitwirtschaftsbereich fungieren.“ Angesprochen würden Menschen, die mit einem Hundehotel, als „Gassigänger“ oder als Hundetrainer ihre Brötchen verdienen wollen, sagt der Leiter des zuständigen IHK-Fachbereiches, Wolfgang Spieß.

Schon jetzt biete die Kammer den Zertifikatslehrgang zum Hundeerzieher und Verhaltensberater an. Dieser sei im Gegensatz zum Hundefachwirt aber nicht bundesweit anerkannt, sagt Spieß. In beiden Fällen sei der Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) aus dem hessischen Niedernhausen Partner der IHK.

Zum Hundefachwirt werden Interessenten in 520 Unterrichtsstunden. Dem angehenden Profi sollen nicht nur biologische Grundlagen, sondern auch Kenntnisse in Marketing und Betriebswirtschaft vermittelt werden. Die Kosten von mehr als 4400 Euro scheinen Hundebegeisterte nicht abzuschrecken. „Wir haben weit über 100 Interessenten aus ganz Deutschland“, sagt Spieß. Das Brandenburger Wirtschaftsministerium mit Ulrich Junghanns (CDU) an der Spitze - übrigens ein gelernter Pferdewirt - habe kürzlich eine Richtlinie für den Lehrgang erlassen.

Nach Meinung von Ariane Ullrich aus Zossen in Brandenburg schließt der Potsdamer Vorstoß eine Lücke. Zum Beispiel könne in der Branche jeder eine Dienstleistung für Hunde anbieten, ohne jemals eine Eignung nachweisen zu müssen, kritisiert Ullrich, die eine Hundeschule führt und BHV-Mitglied ist. „Es ist aber wichtig, dass wir Qualität haben.“ Es sei davon auszugehen, dass künftig Anbieter, die den Lehrgang besucht haben, einen Wettbewerbsvorteil hätten.

Der geplante Lehrgang stößt auch im Pfötchenhotel Resort Berlin im brandenburgischen Beelitz-Schönefeld auf positive Resonanz. „Grundsätzlich finden wir es gut, wenn Wissen vertieft wird, das dem Schutz des Hundes dient“, meint Katja Stephan, Mitglied der Geschäftsleitung. Es sei nicht auszuschließen, dass Bewerber mit einem solchen Abschluss von besonderem Interesse seien. Das Hotel für Hunde und andere Tiere, in dem der Fernsehsender Vox Teile seiner Serie „Top Dog - Deutschland sucht den Superhund“ von 2006 und 2007 gedreht hatte, sorgte im August für Schlagzeilen mit einer Buslinie, die Hunde aus Berlin in einen „Hundekindergarten“ transportiert.

Ullrich erläutert, warum in Deutschland ihrer Meinung nach das - bei Tierschützern zum Teil nicht unumstrittene - Geschäft mit Hunden brummt. „Vor lauter Arbeit haben manche Menschen weniger Zeit für eine Familie.“ Andere wiederum seien einsam. Ein willkommener Ersatz für Kinder oder Partner sei der Hund - für den man zwar weniger Verantwortung als für einen Menschen tragen müsse, der aber auch gepflegt und verwöhnt werden wolle.

Industrie- und Handelskammer Potsdam: www.potsdam.ihk24.de

Bundesverband der Hundeerzieher/innen: www.bhv-net.de

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