Geschäft der „Nasen“: Parfümmuseum lockt mit Düften

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Ralf Grün darf man ungestraft als „Nase“ bezeichnen. Der 54-Jährige ist Parfümeur, Unternehmer und Herr über Deutschlands einziges Parfümmuseum. Parfümeure bezeichnen sich selbst als „Nasen“, erzählt er.

Im pfälzischen Mehlingen bei Kaiserslautern hat Grün ein kleines Museum aufgebaut, das die Besucher in die Welt der feinen Düfte entführt. Ein gutes Näschen kann hier nicht schaden. Denn zu erschnuppern gibt es eine ganze Menge in dem unscheinbaren Gebäude am Ortsrand von Mehlingen-Baalborn. Das Museum grenzt direkt an Grüns Parfümproduktion an. Der Besucher kann hier den feinen Duft von Lavendel inhalieren, aber auch an etwas „Bibergeil“ schnuppern: Der sehr herb riechende Stoff wurde aus den Hoden des Bibers gewonnen und - wie zum Beispiel auch Moschus - einst zur Herstellung von Männerparfüm genutzt. „Manch schlimme Gerüche machen ein Parfüm erst richtig interessant“, sagt Grün. Heute werde das aber alles chemisch hergestellt.

Allein etwa 1000 Parfümflakons und andere Gefäße beherbergt das Museum. Darunter sind sehr seltene Stücke, Unikate, die einige Jahrhunderte alt sind. Grün ist ein fanatischer Sammler. „Das war schon immer meine große Leidenschaft. Aus jedem Urlaub bringe ich etwas mit nach Hause.“ Viele Flakons sind noch verschlossen wie am ersten Tag, und das soll sich auch nicht ändern. Brauchbar wäre das Parfüm nach so langer Zeit sowieso nicht mehr, erzählt Grün. „Das würde nur noch stinken.“

Neben den Flakons hat Grün auch andere interessante Objekte zusammengetragen. Etwa einen Duftring, den sich reiche Menschen in früheren Zeiten an die Nase halten konnten, wenn es in den Städten zu stark stank. Blickfang ist eine Duftorgel, an der der Parfümeur einst in langwieriger Arbeit seine Düfte komponierte. Dutzende Duftstoffe sind dort zu finden. Der Parfümeur mischte solange, bis er glaubte, den Geschmack seines Kunden, der in der Regel aus dem Adel stammte, getroffen zu haben. „Lag er richtig, dann war er ein gemachter Mann. Lag er daneben, konnte er seine Existenz verlieren“, erzählt Grün.

200 000 Euro hat Grün allein in die Kulissen des kleinen Museums investiert. Sie erinnern an die Szenerie der Bestseller-Verfilmung „Das Parfum“. Mitten im Raum steht eine Destille, von der - ein bisschen Showeffekt muss sein - bei Bedarf Rauch aufsteigt. Mit etwas Fantasie kann man sich dann tatsächlich in die Werkstatt eines Parfümeurs versetzt fühlen.

Nebenan produziert Grüns Unternehmen mit bis zu 20 Mitarbeitern Parfüm - teils für verschiedene Markenhersteller, teils entwickelt der Betrieb auch selbst neue Düfte. Dazu gibt es einen Outlet-Verkauf, damit die Besucher nicht nur schauen und staunen, sondern auch kaufen können. Manchmal stünden die Leute hier in langen Schlangen, erzählt Grün. Ein gutes Näschen hat er also offensichtlich auch fürs Geschäft, nicht nur für Düfte.

Geöffnet ist das Museum donnerstags von 10.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 16.00 Uhr, freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 15.00 Uhr sowie jeden ersten Samstag im Monat von 10.00 bis 12.00 Uhr.

Infos zum Museum: www.parfuemmuseum.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen