Gerhard Wagner: Ultrakonservativer als Weihbischof

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Deutsche Presse-Agentur

Österreichs Katholiken sind Einiges gewohnt: Den 2003 gestorbenen, angeblich pädophilen Kardinal Hermann Groër; oder den ehemaligen ultrakonservativen Sankt Pöltner Bischof Kurt Krenn.

Nun löst die Ernennung des ähnlich im theologischen Vorgestern verhafteten Priesters Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz erneut massive Kritik am Vatikan aus. Der 54-jährige Geistliche machte unter anderem mit Satanismus-Vorwürfen an „Harry Potter“-Autorin JK Rowling und der Bewertung des „Katrina“-Hurrikans als Gottesstrafe von sich reden. In Kirchenkreisen ist der Pfarrer im oberösterreichischen Windischgarsten als Rom-treuer Theologe bekannt.

„Ich wollte schon mit acht Jahren Pfarrer werden“, sagte Wagner in einem Video-Interview mit dem katholischen Nachrichtendienst kath.net, das am Samstag veröffentlicht wurde. Er studierte zunächst Theologie in Linz, danach an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, wo er 1978 zum Priester geweiht wurde. Wagner, der als Weltpriester keinem Orden angehört, beeindruckten in Rom besonders seine jesuitischen Professoren, die in Übereinstimmung mit ihrem bescheidenen Leben die christliche Botschaft verkündeten.

Auch sein Dogmatikstudium in den 1980er Jahren dürften den kernigen Geistlichen geprägt haben. „Wenn wir zu viel an der Kirche herumdoktern, wenn uns letzlich immer wieder zu viel an der Kirche auffällt, dann haben wir oft nicht verstanden, dass es um Christus geht“, sagte Wagner im Interview - eine Aussage, die wohl an jene liberalen Katholiken in Österreich gerichtet war, die für Frauen und Verheiratete als Priester oder für die kirchliche Anerkennung von Homosexuellen kämpfen.

In die Schlagzeilen geriet Wagner zum ersten Mal mit seinen Aussagen zu den „Harry Potter“-Romanen von Joanne K Rowling. Darin gehe es um „Magie und Zauberei“, zitierten österreichische Medien Wagners Pfarrbrief vom November 2000. „Und wenn man das einmal mit dem Glauben konfrontiert, auch mit dem, was schon in verschiedenen Texten der Heiligen Schrift geschrieben steht, dann ist das ein Werk des Satans.“

Strikte Moralvorstellungen standen auch hinter Wagner's Aussagen zum Wirbelsturm „Katrina“, den er als eine Art göttliche Strafe für das „amoralische“ New Orleans darstellte. „Der Hurrikan „Katrina“ hat am 7. Juli 2005 in New Orleans nicht nur alle Nachtclubs und Bordelle vernichtet, sondern auch alle fünf (!) Abtreibungskliniken (bei nur 485.000 Einwohnern)“, schrieb Wagner in einem Pfarrbrief. „Wussten Sie, dass 2 Tage danach die Homo - Verbände im französischen Viertel eine Parade von 125.000 Homosexuellen geplant hatten?“

Die öffentliche Kritik an seiner Bestellung seitens einiger Priesterkollegen aus der Diözese Linz kann Wagner nicht nachvollziehen. Es sei nun wichtig, „die Einheit“ zu suchen und einander mit „Respekt und Ehrfurcht“ zu begegnen, sagte Wagner. Der Priester soll am 22. März zum Weihbischof geweiht werden.

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