Gerüchteküche bei Opel brodelt

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Deutsche Presse-Agentur

Bis zu einer Entscheidung über die Rettung des Autobauers Opel könnten noch vier bis acht Wochen vergehen. Diese Zeit sei notwendig, um zunächst entscheidende Fragen zur Zukunft des Mutterkonzerns General Motors in den USA zu klären.

Dies sagte Opel-Betriebsratschef Klaus Franz am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Es sei ausreichend Liquidität für die Auszahlung der Löhne und die Bezahlung von Zulieferern vorhanden, beruhigte er. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte, sie sehe noch keine ausreichende Grundlage für staatliche Hilfe an Opel. Das Rettungskonzept müsse nachgebessert werden. „Wir werden helfen, wenn der Nutzen für alle Menschen größer ist als der Schaden.“

Unterdessen lösten Äußerungen über die Möglichkeit einer Opel- Insolvenz einen heftige Diskussionen aus - auch innerhalb der Union. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kritisierte Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), die eine Insolvenz des Autobauers ins Gespräch gebracht hatten.

„Ich fordere dringend dazu auf, das Gerede über eine mögliche Opel-Insolvenz schleunigst einzustellen. Wer ständig darüber schwadroniert, zerstört das Vertrauen von Kunden und Lieferanten und redet eine Insolvenz herbei“, sagte Koch der „Bild am Sonntag“. SPD- Kanzlerkandidat und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von unverantwortlichen Drohszenarien. Für die Gewerkschaft IG Metall sagte der Frankfurter Bezirksleiter Armin Schild: „Die Insolvenz mag bei einem Maschinenbauunternehmen lebensrettend sein. Für Opel wäre sie Sterbehilfe.“

Merkel betonte, die Regierung sei es den Mitarbeitern von Opel und deren Angehörigen schuldig, nach einer Rettungslösung zu suchen. Bei Opel arbeiten in Deutschland mehr als 25 000 Menschen. Europaweit hängen an Opel nach Angaben des Unternehmens 50 000 Arbeitsplätze.

Opel droht von dem schwer angeschlagenen US-Mutterkonzerns General Motors (GM) in den Abgrund gerissen zu werden. GM überlebt nur dank der Unterstützung der US-Regierung und könnte ohne weitere Milliardenhilfen schon in wenigen Wochen pleitegehen. Das erhöht auch den Druck, in Deutschland möglichst schnell eine Lösung für Opel zu finden. Es wird geprüft, ob man den Autobauer aus dem Mutterkonzern herauslösen kann. Franz sagte, die Bundesregierung unterstütze Opel bei den Gesprächen in den USA, damit dort keine Entscheidung zu Lasten Europas getroffen werde.

Das Bundeswirtschaftsministerium dementierte einen Bericht des Magazins „Focus“, demzufolge Opel beim Treffen mit Guttenberg vier Milliarden Euro Staatshilfe gefordert hat. „Diese Zahl ist gegenüber dem Minister nicht gefallen“, sagte ein Sprecher.

Bisher war die Rede von einer Bitte um Bürgschaften im Volumen von 3,3 Milliarden Euro gewesen. Insgesamt ist der finanzielle Bedarf noch höher. Die Unternehmensführung hat vor kurzem gewarnt, dass das Geld bereits im April ausgehen könnte.

Weder der Aufsichtsrat noch der europäische Betriebsrat hätten über die Schließung von Werken gesprochen, sagte Franz zu Berichten über Pläne für Schließung oder Verkauf von Standorten. Vielmehr hätten Management und Betriebsrat das Ziel, Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.

Die Spekulationen über Werkschließungen könnten darauf zurückgehen, dass Opel selbst die Überkapazitäten vor einigen Tagen auf 30 Prozent bezifferte. Dies entspreche etwa drei Werken, hatte GM-Europachef Carl-Peter Forster gesagt.

Auch ein Bericht der „Automobilwoche“, wonach der übernächste Astra in Südkorea statt in Rüsselsheim entwickelt werden könnte, sei falsch, sagte Franz. Die Verantwortung für die globale Plattform- Architektur werde in Rüsselsheim bleiben, weil es dort die größte Kompetenz gebe. Einen Bericht des Magazins „Focus“, wonach Opel in Deutschland noch keinen Cent Steuern gezahlt habe, bezeichnete Franz als irreführend. Die Adam Opel GmbH habe in den vergangenen Jahren zwar keine Gewinne gemacht, zuvor habe Opel als AG aber Milliarden an Dividenden an den Mutterkonzern gezahlt und diese auch versteuert.

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