Geplanter Kreisverkehr dreht Dauerschleife

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Der geplante Kreisverkehr an Ampelkreuzung Schwarzhausstraße und Allewindenstraße in Aulendorf dreht noch weitere Extrarunden.
Der geplante Kreisverkehr an Ampelkreuzung Schwarzhausstraße und Allewindenstraße in Aulendorf dreht noch weitere Extrarunden. Der Gemeinderat hat einstimmig beschlossen, die Entscheidung über den Kreisel noch einmal zurückzustellen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu beraten. (Foto: Archiv: Karin Kiesel)

Kosten haben sich verdoppelt

Ein Kreisverkehr, so die Überlegungen von Stadtverwaltung und Gemeinderat, sollte die Fahrzeuge flüssiger über die Kreuzung führen, Rückstaus vermeiden und Lärm vermindern (die SZ berichtete mehrfach). Im Herbst hatte sich die Stadt mit einem Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen (RP) vor Ort getroffen, um über die Planungen für den Kreisverkehr auf der Landesstraße (Baulastträger ist also das Land) zu sprechen.

Ergebnis: Die ersten Pläne der Stadt für einen Kreisverkehr mit 30 Meter Durchmesser wurden abgelehnt. Ein Kreisverkehr an dieser Stelle müsse laut RP mindestens einen Durchmesser von 35 Metern haben, damit auch Lastwagen durchfahren können. Folge: Die Kosten haben sich verdoppelt – von den ursprünglich geschätzten rund 300 000 Euro auf rund 620 000 Euro, denn: Die Stadt müsste unter anderem Fläche zukaufen und eine Stützmauer bauen.

Wie bereits mehrfach berichtet, müsste die Stadt den Bau weitgehend alleine, da das Land als Straßenbaulastträger keinen expliziten Bedarf für einen Kreisverkehr an dieser Stelle sieht und sich daher auch nicht direkt an den Baukosten beteiligen will. Das RP stellte allerdings in Aussicht, sich an Kosten für Straßenbelag, der durch den Bau des Kreisverkehrs anfällt, zu beteiligen.

Für die Rückstaus auf der Brücke gibt es laut Bürgermeister Matthias Burth zwei Gründe: Verzögertes Anfahrverhalten (Stichwort Smartphone-Nutzung) und für die Rechtsabbieger von der Brücke kommend in die Schwarzhausstraße die Fußgängerampel. Die Kreuzungsampel sei prinzipiell so geschaltet, dass der Verkehr auf der L285 vorrangig Grün habe. „Die anderen Stränge reagieren nach Anforderung via Kontaktschleife.“ Bei viel Verkehr gebe es automatisch geschaltete verlängerte Grünzeiten. (kik)

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Der seit 2014 diskutierte Kreisverkehr an der Ampelkreuzung Schwarzhausstraße und Allewindenstraße, eine Hauptverkehrsachse durch Aulendorf, ist vorerst vom Tisch. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung nach längerer Diskussion die weitere Entscheidung über den Kreisverkehr an der Landesstraße 285 zurückgestellt.

Hauptgrund dafür waren die Kosten, die von ursprünglich geschätzten 300 000 Euro mittlerweile auf rund 620 000 Euro gestiegen sind. Nun soll die Stadtverwaltung (erneut) überprüfen, wie der Verkehrsfluss auf der Kreuzung optimiert werden kann.

Das Planungsbüro Brennerplan sieht dafür zwei Möglichkeiten: verlängerte Grünphasen auf der Brücke und eine Linksabbiegespur auf der Schwarzhausstraße.

Kreisel ist zu teuer

Die hohen Kosten von fast einer dreiviertel Million Euro für den geplanten Kreisverkehr und das Thema Sicherheit für Fußgänger sowie Radfahrer waren Hauptthemen der Diskussion im Gremium. Bürgermeister Matthias Burth machte deutlich, dass für ihn der durch die Elektrifizierung der Südbahn notwendige und mehr als eine Million Euro teure Neubau der Rugetsweiler Brücke noch vor dem Kreisverkehr erste Priorität habe. Die Entscheidung, ob die Brücke künftig nur eine Fuß- und Radwegbrücke sein wird oder doch auch einspurig von Autos befahren werden kann, muss laut Burth im Frühjahr getroffen werden.

Zudem sei eine weitere Baustelle an der Kreuzung zusätzlich zum Ausbau der Südbahn problematisch. „Ich tue mich schwer, den Kreisel zu bauen und gleichzeitig haben wir Schienenersatzverkehr als Folge des Südbahn-Ausbaus.“

Stadtrat Hans-Peter Reck (CDU) machte klar: „Erst müssen wir wissen, wie es mit der Brücke weitergeht und dann erst über den Kreisel entscheiden.“ CDU-Kollege Konrad Zimmermann schloss sich an. „Wir haben im Gremium hier oft genug gesagt, dass die Rugetsweiler Brücke oberste Priorität hat. Wir haben auch noch die Themen Kindergarten und Schulen und müssen aufpassen, dass wir uns finanziell nicht übernehmen. Wir können in unserer Situation nicht eine dreiviertel Million für einen Kreisel zahlen, obwohl eigentlich der Baulastträger dafür zuständig ist. Wir sollten das Projekt erst nochmal zur Seite legen.“

Das sah auch auch Pascal Friedrich (SPD) so. „Wir waren alle sehr euphorisch für den Kreisel, weil er die Hauptverbindungen in der Stadt entlasten würde. Auch in Bezug auf Lärmminderung wäre es die beste Lösung. Mit der Südbahn haben wir das nächste Großprojekt vor uns, daher sollten wir den Kreisverkehr die nächsten zwei Jahre nochmal zurückstellen.“ Friedrich mahnte jedoch, das Projekt nicht in der Schublade verschwinden zu lassen.

Genau das war die Befürchtung von Ralf Michalski (FWV). Nach einer durch Pierre Groll (BUS) angestoßenen Diskussion über das Thema Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer wurde Michalski deutlich: „Mir kommt es so vor, also ob der Kreisel jetzt durch die Hintertür gekippt werden soll.“

Groll hatte zuvor kritisiert, dass sich mit dem Kreisel die Sicherheit für Fußgänger „deutlich verschlechtert“, da keine Zebrastreifen an den vier Kreisel-Ausfahrten, sondern „nur“ sogenannte Querungshilfen über die Straßen führen sollten. „Autofahrer achten erfahrungsgemäß kaum darauf und fahren schneller durch und unsere Schulkinder werden über den Haufen gefahren.“ Andererseits würden vier Zebrastreifen den gewünschten flüssigen Verkehrsfluss wieder bremsen.

Michalski nannte es „fadenscheinig“, sich wegen der „Fußgängersicherheit aus dem Projekt rauszuschleichen“. Denn Autofahrer müssten rein verkehrsrechtlich am Kreisel blinken und anhalten, falls ein Fußgänger die Straße kreuze – die Sicherheit sei also gegeben.

Wie Burth erklärte, seien vier Zebrastreifen vom RP abgelehnt worden, nur ein Zebrastreifen sei jedoch nicht erlaubt. Groll betonte, er sei nicht grundsätzlich gegen den Kreisel, aber „wir sollten uns nochmal Gedanken machen über eine sichere Regelung für Fußgänger“. Dem schloss sich auch Stefanie Dölle (CDU) an. An der Planung, Radfahrer durch den Kreisel zu führen, gab es vom Gremium keine Kritik.

Auch Lärm war Thema

Ob der Kreisel tatsächlich die gewünschte Lärmentlastung für die Anwohner bringt, wurde ebenso diskutiert. Christoph Kapitel vom Planungsbüro Kapitel, der die Kreisverkehrspläne und Kosten vorgestellt hatte, sah das gegeben: „Der Lärm nimmt ab, da der Verkehr flüssiger läuft und Anfahrverkehr abnimmt.“

Letztlich stimmte das Gremium einstimmig dafür, die Entscheidung über den Kreisverkehr zurückzustellen und die Optimierungsvorschläge an der Kreuzung (verlängerte Grünphase auf der Brücke und Linksabbiegespur auf der Schwarzhausstraße) zu überprüfen. Zudem soll die derzeitige Radwegsituation verbessert werden. Groll schlug vor, die Radfahrer nicht über die Fußgängerampel, sondern von der Brücke rechtzeitig auf die Straße zu führen. Auch hier soll die Verwaltung nun Vorschläge erarbeiten.

Kosten haben sich verdoppelt

Ein Kreisverkehr, so die Überlegungen von Stadtverwaltung und Gemeinderat, sollte die Fahrzeuge flüssiger über die Kreuzung führen, Rückstaus vermeiden und Lärm vermindern (die SZ berichtete mehrfach). Im Herbst hatte sich die Stadt mit einem Vertreter des Regierungspräsidiums Tübingen (RP) vor Ort getroffen, um über die Planungen für den Kreisverkehr auf der Landesstraße (Baulastträger ist also das Land) zu sprechen.

Ergebnis: Die ersten Pläne der Stadt für einen Kreisverkehr mit 30 Meter Durchmesser wurden abgelehnt. Ein Kreisverkehr an dieser Stelle müsse laut RP mindestens einen Durchmesser von 35 Metern haben, damit auch Lastwagen durchfahren können. Folge: Die Kosten haben sich verdoppelt – von den ursprünglich geschätzten rund 300 000 Euro auf rund 620 000 Euro, denn: Die Stadt müsste unter anderem Fläche zukaufen und eine Stützmauer bauen.

Wie bereits mehrfach berichtet, müsste die Stadt den Bau weitgehend alleine, da das Land als Straßenbaulastträger keinen expliziten Bedarf für einen Kreisverkehr an dieser Stelle sieht und sich daher auch nicht direkt an den Baukosten beteiligen will. Das RP stellte allerdings in Aussicht, sich an Kosten für Straßenbelag, der durch den Bau des Kreisverkehrs anfällt, zu beteiligen.

Für die Rückstaus auf der Brücke gibt es laut Bürgermeister Matthias Burth zwei Gründe: Verzögertes Anfahrverhalten (Stichwort Smartphone-Nutzung) und für die Rechtsabbieger von der Brücke kommend in die Schwarzhausstraße die Fußgängerampel. Die Kreuzungsampel sei prinzipiell so geschaltet, dass der Verkehr auf der L285 vorrangig Grün habe. „Die anderen Stränge reagieren nach Anforderung via Kontaktschleife.“ Bei viel Verkehr gebe es automatisch geschaltete verlängerte Grünzeiten. (kik)

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