Gemeinden setzen auf eigene Pläne zur Windkraft

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Schwäbische Zeitung
Ignaz Stösser
Redakteur Alb/Lauchert

Die Veranstaltung des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben am vergangenen Freitag in Sigmaringen wirft für die Alb-Lauchert-Gemeinden etliche Fragen auf. Die wichtigste dabei ist: Warum sehen die Pläne keine Vorrangzonen mehr auf der Alb rund um die Lauchert vor? Lediglich auf der Gemarkung Bingen gibt es mögliche Standorte. Keine Rede war vom Windpark Inneringen, der ja mal der zweitgrößte im Land werden solle. Keine Rede mehr von den Anhöhen südöstlich von Gammertingen. Keine Rede mehr von Kettenacker, Hettingen oder Veringenstadt.

Bedeutet dies, dass hier keine Windräder gebaut werden? Der Gammertinger Bürgermeister Holger Jerg, der auch der Vorsitzende des Verwaltungsverbandes Laucherttal ist, fasst die derzeitige Situation mit folgendem Satz zusammen: „Die Bürgerinitiative in Kettenacker kann im Moment noch nicht die Sektkorken knallen lassen.“ Als vor einiger Zeit bekannt wurde, dass die Gegend nördlich von Kettenacker geeignet für die Windkraft wäre, bildete sich spontan Widerstand, vor allem wegen der Nähe zur Bebauung.

Nun fällt Kettenacker raus aus dem Regionalplan, angeblich weil der Netzanschluss zu weit weg liegt. Die nächsten Umspannungswerke sind in Trochtelfingen und Winterlingen. Ja, hat man das denn vorher nicht gewusst? Doch, meint Bürgermeister Jerg, aber der Regionalverband wolle Konzentrationszonen schaffen. Darum seien weitere Ausschlusskriterien wie der Netzanschluss hinzugenommen worden.

Luftverkehrsbehörde zuständig

Ähnliches gilt auch für den Windpark Inneringen. Er wird in den derzeitigen Plänen nicht geführt, weil die Problematik mit der Tiefflugzone der Bundeswehr über Inneringen noch nicht geklärt ist. Die Bundeswehr hat grundsätzlich zwar Bereitschaft signalisiert, die Tiefflugzone anzuheben, doch zuständig ist laut Regionalverbandsdirektor Wilfried Franke die Luftverkehrsbehörde. Und mit der müsse die Anhebung der Grenze erst noch verhandelt werden. Das kann dauern. Auch in Inneringen können also die Sektkorken noch nicht knallen.

Die Gemeinden sind durch einen Windenergieerlass, der von mehreren Stuttgarter Ministerien verabschiedet wurde, verpflichtet, Zonen für die Windkraft auszuarbeiten. Und was nicht im Regionalverband steht, kann aber von den Kommunen trotzdem als Windkraftzone vorgesehen werden. Übrigens sei es im Interesse der Kommunen, solch eine Planung zu erstellen, so Jerg. „Wir müssen die besten Gebiete benennen.“ Zum Jahresende will die grün-rote Regierung die Regionalpläne aufheben. Wer dann die Vorranggebiete im Flächennutzungsplan nicht vorgesehen hat, muss damit rechnen, dass Windräder praktisch überall gebaut werden können.

Ende des Jahres sollen Bürger informiert werden

Zurzeit arbeiten der Kommunalverband Laucherttal und andere Verbände mit Hochdruck daran, die potenziellen Standorte auszuarbeiten. Auf die Frage, ob Kettenacker dabei sein werde, sagte Jerg, auf der Albschiene gebe es passende Flächen, was die Windverhältnisse anbelange. Die Frage sei, welche artenschutzrechtliche Einschränkungen man berücksichtigen müsse. Er versprach, die Bürger noch vor Ende des Jahres zu informieren.

In Bingen, das zum Verwaltungsverband Sigmaringen gehört, stellt sich die Situation ganz anders dar. Hier hat die Kommune einen Antrag beim Regionalverband gestellt, die vorgesehenen Flächen noch auszuweiten. Vor allem das Gebiet Reibiswinkel in Richtung Egelfingen möchte die Kommune etwa dreimal so groß ausweisen als vorgesehen. Zum einen will Bürgermeister Jochen Fetzer die alternativen Energiegewinnung fördern und weiß auch den Gemeinderat hinter sich, zum anderen könnte die Kommune durch die Ausweitung ein Geschäft machen, weil die Fläche in Gemeindebesitz ist.

Die generelle Antwort auf all die neuen Fragen heißt: Gegen Ende des Jahres blickt man genauer durch.

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