Gemeinde Aichstetten wehrt sich gegen Schulschließung

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Redakteur Bad Wurzach

Als „klares Zeichen, dass wir uns als Schulträger zu dieser Schule bekennen“, so Bürgermeister Dietmar Lohmiller (CDU), hat der Gemeinderat von Aichstetten es einstimmig abgelehnt, die Schließung der Werkrealschule (WRS) zu beantragen.

Wie mehrfach berichtet hat die WRS zum zweiten Mal in Folge nicht genügend Anmeldungen für die fünfte Klasse erhalten. Damit müsste sie laut Landesschulgesetz geschlossen werden, außer sie erhält eine Ausnahmegenehmigung. Dies ist aber derzeit sehr unwahrscheinlich.

Die Eltern, die ihre Kinder angemeldet haben, versuchen derzeit, noch die vier fehlenden Anmeldungen zu bekommen. Am Mittwochabend übergab Emil Fleck, eines der betroffenen Kinder, zudem eine Unterschriftenliste, in die sich mehr als 600 Bürger eingetragen haben, an den CDU-Landtagsabgeordneten Raimund Haser. Er werde über den Fall am Donnerstag mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sprechen, versprach Haser.

Die drohende Schließung treffe auch ihn hart, so Haser. Zumal die Werkrealschulen in seinen Augen „ohne Not in diese Situation gebracht wurden“, kritisierte er die Schulpolitik der Vorgängerregierung von Grünen und SPD.

Andererseits gelte es, den „freien Willen der Eltern zu respektieren“, die ihre Kinder an anderen Schulen angemeldet haben, betonte der Politiker. „Manche werden freilich nach der sechsten Klasse Realschule aufwachen.“ Er unterstütze die Aktionen der Eltern, weitere Kinder zu finden, „aber wenn’s nicht klappt, ist das ein klares Signal, dass die Schule nicht so akzeptiert wird, wie sie es verdient hätte“. Er sei „nicht besonders hoffnungsvoll“ und es tue ihm sehr leid um die angemeldeten Kinder.

Auch Bürgermeister Lohmiller sprach davon dass „eine Abstimmung mit den Füßen stattgefunden“ habe. Diese Realität müsse man anerkennen, auch wenn sie weh tue. Alle Argumente, die die Eltern in ihrem Brief zur Unterschriftenliste aufzählen, seien richtig, aber nicht neu.

Gleichwohl „würden wir unsere Werkrealschule gerne behalten“, so der Gemeindechef. Daher schlage die Verwaltung dem Gemeinderat vor, keinen sogenannten Antrag auf eine schulorganisatorische Maßnahme zu stellen. Dies wäre in Konsequenz die Schließung der Schule, wobei die derzeitigen Jahrgänge noch bis zu ihrem Abschluss die Schule besuchen können. Der Gemeinderat stimmte einstimmig zu.

Gemeinderat Josef Müller (FW) kritisierte die Regierung, sie denke zu kurz angesichts kommender starker Jahrgänge, weiterer Zuzüge und Baugebiete in der Gemeinde. „In fünf Jahren sieht das alles ganz anders aus. Aber zu ist dann zu.“ Auch auf Vereine und das Gemeindeleben an sich sieht Müller ohne WRS schwere Zeiten zukommen.

Ähnlich sieht das Hartmut Forstner (FW), der auch kommissarischer Schulleiter ist. „Finanziell stehen wir besser da als die Leutkircher Schulen, was sich in der Ausstattung widerspiegelt“, betonte er überdies. „Wir haben uns als Gemeinde nichts zuschulden kommen lassen“, bestätigten Leonhard Stölzle (FW) und Josef Gretzinger (CDU).

Erich Riedesser, früherer Rektor der Schule, forderte alle auf, „möglichst lange zu kämpfen. Diese Schule und ihr guter Ruf sind ein Gemeinschaftswerk von Eltern, Lehrern, Gemeinde, Bürgermeister und örtlichen Betrieben.“ Er warb darum, Eltern aus Orten wie Treherz oder Steinental Busverbindungen anzubieten. Man habe jedem, der dies als Hindernis für eine Anmeldung vorgebracht hat, eine Lösung angeboten, erwiderte Lohmiller. „Ich halte aber nichts davon, aktiv Schüler von anderen Gemeinden abzuwerben.“

Der Bürgermeister mahnte zudem, bei der ganzen Diskussion über die WRS die Grundschule nicht aus den Augen zu verlieren. „Wir haben weiterhin noch eine ganz wichtige Schule am Ort, auf die wir dann unsere Mittel und Kräfte fokussieren müssen.“

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