Gehopst wie gesprungen: „Jumpstyle“ in der Tanzschule

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Deutsche Presse-Agentur

Die glitzernde Discokugel dreht sich langsam über dem Parkett der Tanzschule „Schulerecki“ in Köln. Seit über 50 Jahren werden hier Rumba und Walzer unterrichtet - doch wegen Gesellschaftstänzen sind die jugendlichen Besucher an diesem Abend nicht gekommen.

Weite Sporthosen tragen sie, Chucks und Muskelshirts. „Jumpt euch schon mal ein“, fordert Trainerin Anke Herzog die Truppe auf. Schon dröhnen laute Techno-Beats durch den Saal - etwa 140 bpm (beats per minute), mehr als zwei Bassschläge pro Sekunde, von denen so viele wie möglich jetzt betanzt werden.

„Scooter“ haben Einzug in die Tanzschule gehalten. Und mit ihnen: die „Jumper“. Schon hüpfen sie wild zu bunten Lichtern, die von der Decke strahlen. Im Wechsel schmeißen sie ihre Beine vor und zurück, berühren nur noch selten mit beiden Füßen den Boden. Jumpen (englisch: springen), schnell noch ein „Tap“ - nur die Fußspitze aufgesetzt - wieder hüpfen, dann den rechten Fuß hinter das linke Bein gekreuzt, drehen - natürlich in der Luft und bei konstantem Tempo.

„Jumpstyle“ ist ursprünglich eine Form der elektronischen Musik, wird seit einiger Zeit aber unter gleichem Namen auch tanzbar. Vor etwa zwei Jahren kam der bewegungsreiche Sport aus den Niederlanden und Belgien nach Deutschland. Verbreitung fand er nicht zuletzt über Internet-Plattformen, auf denen die Jumper ihre zackigen Hüpfer zeigen.

Gefragt sind immer mehr neue Schritte und Stile zum Austauschen und Abgucken. „Manchmal erkenne ich meine Schritte bei anderen“, sagt Carsten stolz. Auch in der Tanzschule drehen sich die Jüngeren neugierig zu ihm um, wenn er seine „Moves“ aufs Parkett hüpft. Der 16-Jährige betreibt den Kreativ-Tanz seit mehr als einem Jahr.

Wenn es aber um Turniere geht, ist nicht mehr alles gehopst wie gesprungen: Ausdruck und Akrobatik, Rhythmus und Raumpräsenz sind einige Kriterien, nach denen Carstens Jumpen am 14. Februar in Hannover bewertet werden wird, wenn dort die zweite Deutsche Meisterschaft im „Jumpstyle“ stattfindet. Carsten wird ein Solo tanzen, aber auch als Duo oder Formationen kann man starten - genauso schnell, aber synchron oder spiegelverkehrt und so noch schwieriger.

Überhaupt sei „Jumpstyle“ extrem „konditionsfördernd“, wie Trainerin Herzog es nennt. Durch die individuellen Stile sei es gleichzeitig ein Sportprogramm für jedermann.

Bine fühlt sich mit ihren 23 Jahren schon wie ein „Oldie unter den Jumpern“. Angefangen hat bei ihr alles mit der Musik, die sie so liebt und schon oft zu betanzen versucht hat. In ihrer Wohnung geht das aber nicht: Dort hat sie zu wenig Platz, und es gäbe sicher bald Stress mit den Nachbarn - bei wummernden Bässen und festen Sprüngen auf die Decke der darunter liegenden Wohnung. Jeden Tag guckt Bine aber im Internet nach neuen Videos.

Carsten erwischt sich manchmal am Bahnsteig dabei, dass er in Bewegung kommt, wenn die er Musik über den MP3-Player hört. Wirklich „gejumpt“ ist er dort aber noch nicht: Die Blicke der Leute halten ihn davon ab. Dass er zu einem solchen „Jumpstyle“-Fan wird, hätte er nicht gedacht: „Das ist eigentlich gar nicht meine Musik.“ Carsten besucht auch Standardkurse. Doch Jumpen ist Kontrastprogramm zu Cha- Cha-Cha und ähnlichem. Schnellere Bewegung, mehr Improvisationen, eigener Stil, viele Schritte und vor allem „Action“.

Die füllt heute auch den Saal von „Schulerecki“. In allen Ecken wird gesprungen, gelacht und geschwitzt. Dann wendet Bine sich an ihre Trainerin: „Anke, kannst du mal die Discokugel anhalten: Das sind zu viele Drehungen hier!“

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