Gebäck aus Kindertagen: „Kalter Hund“ ist wieder da

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Deutsche Presse-Agentur

Zum Kindergeburtstag gehörte er früher dazu wie Würstchen mit Kartoffelsalat und Topf-Schlagen: der „Kalte Hund“. Nun hat die Retrowelle dem Schoko-Keks-Kuchen, einer Spezialität mit dem Geschmack der Wirtschaftswunderzeit, ein Comeback beschert.

Zwischen all den Muffins, Brownies und Bagels findet sich heute wieder „Kalter Hund“ am Bäckertresen und in Cafés. Zum Rezept gehören - hübsch geschichtet - Kokosfett, Zucker, Eier, Kakao und Butterkekse. „Germany's Next Topmodel“ wird man mit dem Knusperwerk nicht, was Fans nicht stören dürfte.

In Berlin-Friedrichshain gibt es sogar eine eigene Manufaktur. 30 bis 40 „Hunde“ fertigen Inhaber Jens Rose und seine Frau dort täglich. „Backen“ passt nicht, weil der Kuchen gekühlt wird und nicht in den Herd wandert. Und die Hüften? Rose versucht zu beschwichtigen - ein „Kalter Hund“ habe auch nicht mehr Kalorien als eine Buttercreme- oder eine Sachertorte. Wert legt die Manufaktur zudem auf ungehärtete Fette, braunen Zucker und Eier aus Freilandhaltung. Auf den „Hund“ kam der 43 Jahre alte Berliner, als sich bei einem Lieferservice herausstellte, dass der Kuchen besonders gut ankommt. „Das war das einzige Produkt, was immer ausverkauft war“, erzählt Rose.

Oft löse der „Kalte Hund“ nostalgische Gefühle bei seinen Kunden aus, die dann auch die klassische Variante haben wollen, ohne modische Zutaten wie Feigen, Orangen oder weiße Schokolade. Mittlerweile wird der Kuchen bundesweit verschickt. Hat er mit dem Erfolg gerechnet? „Ich hab's gehofft, aber nicht gedacht.“ Rose selbst isst immer noch gerne mal ein Scheibchen zum Sonntagskaffee. Er schwört, dass es Liebhaber gibt, die sogar einen ganzen „Kalten Hund“ schaffen, angeblich ohne dass ihnen schlecht wird.

Mit dem Vierbeiner hat der Kuchen nichts zu tun: Der Name kommt von „Grubenhunt“, einem Förderwagen aus dem Bergbau, der an die Backform erinnert, vermuten Experten. Rose ist nicht der einzige, der den „Kalten Hund“ im Angebot hat, auch das ostdeutsche Unternehmen „Wikana“ führt ihn. Im Internet kursieren diverse Rezepte. Bei „Dr. Oetker“ kommt beispielsweise Kuvertüre hinein.

Und was sagen die Fachleute? Der Deutsche Konditorenbund (Mönchengladbach) sieht sich nicht zuständig und spricht von „reiner Nostalgie“. „Der Konditor lebt nicht von Fett und Zucker“, stellt Geschäftsführer Michael Peschke klar, der angesichts der Zutaten drastisch wird. Der „Kalte Hund“ sei kein Konditorprodukt. Den Fans wird auch dieser Einwand nicht den Appetit verderben.

Kalter-Hund-Manufaktur: www.kalter-hund-manufaktur.de

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