Gassigehen im Schnee: Hunde brauchen Bewegung

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Deutsche Presse-Agentur

Wälzen, toben, Schneebälle jagen: Die meisten Hunde lieben es, im Schnee zu spielen. Damit auf das Vergnügen keine Erkältung oder wunde Pfoten folgen, müssen Hundehalter jedoch einige Regel beachten.

Am wichtigsten: Der Vierbeiner darf nicht frieren. „Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass die Tiere in Bewegung bleiben und nicht länger in der Kälte sitzen“, sagt Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte in Frankfurt/Main. Ob ein Hund schnell friert sei zum einen eine Frage der Rasse, aber auch individuell verschieden. „Es ist nicht automatisch so, dass es den Kurzhaarigen schneller kalt wird.“ Spätestens, wenn das Tier vor Kälte anfängt zu zittern, muss etwas unternommen werden.

„Insgesamt halten sich ja inzwischen viele Hunde meist in geheizten Wohnungen auf, so dass selbst langhaarige Rassen oft keine dichte Unterwolle mehr bilden“, sagt Tierärztin Behr. Doch auch für kälteempfindliche Vierbeiner dürfte ein Spaziergang im Schnee von einer bis eineinhalb Stunden kein Problem sein. Bei besonders jungen, älteren oder chronisch kranken Tieren sollten die Besitzer jedoch im Winter besonders ein Auge darauf haben, ob sie frieren oder überanstrengt sind. Ist es nicht nur kalt, sondern auch windig, könne dies noch eher der Fall sein. Bei Hunden, die sehr kälteempfindlich sind, kann nach dem Rat von Behr auch ein Schutzmäntelchen helfen.

Vor lauter Begeisterung beißen viele Hunde gerne in den Schnee - bei einem empfindlichen Magen kann das zu Bauchschmerzen oder sogar einer Magenschleimhaut-Entzündung führen, warnt Behr. Dann sollte man das Schneefressen möglichst unterbinden und auch keine Schneebälle werfen - sondern lieber bunte Bällchen.

„Schnee finden Hunde toll, vor allem wenn er frisch gefallen ist“, sagt die Hundebesitzerin Hannelore Wiedemann aus Wiesbaden. „Taiga flippt dann total aus, macht Freudensprünge und wälzt sich“, erzählt sie über ihre 13-jährige Labradorhündin. Bei Neuschnee sollte man daher unbedingt mit seinem Hund spazierengehen. Liegt der Schnee allerdings schon länger und hat durch mehrfaches Antauen und Frieren an der Oberfläche eine Eiskruste gebildet, drohen Verletzungen: „An der scharfen Kante könnte sich der Hund die Ballen aufschneiden“, sagt Wiedemann.

Vorsicht ist auch bei halb zugefrorenen Teichen geboten. „Taiga ist mal von der Eisschicht aus ins Wasser gefallen und ich konnte sie nur mit Mühe vom Ufer aus wieder rausziehen“, erzählt Wiedemann. Inzwischen achtet sie immer darauf, dass ein Teich komplett und dick genug zugefroren ist, bevor sie Taiga auf der eisigen Fläche herumtoben lässt.

Auch der Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund hat Tipps für den Winterspaziergang parat. „Hunde in Bewegung halten, Pausen nur im Trockenen und Warmen“, rät Verbandssprecher Udo Kopernik. Wenn möglich sei es ratsam, ein Handtuch dabei zu haben, um den Hund abzutrocknen. „Vor allem in langem Fell kann Schnee je nach Beschaffenheit richtige Eisklumpen bilden“, erklärt Kopernik. Die Hunde schleppten dann nicht nur zusätzlichen Ballast, es drohe auch eine Unterkühlung durch den „Eispanzer“.

Zudem könnten sich an den Härchen zwischen den Pfotenballen Eisklümpchen bilden. Die Ballen werden auseinandergedrückt, das Tier bekommt Schmerzen beim Laufen. Werde das Eis länger an die Haut gedrückt, drohten zusätzlich Erfrierungen. Der Tipp des Experten: „Die Härchen zwischen den Ballen abschneiden, die haben dort eh keine wärmende Funktion.“

Die Pfoten sind neben der Kälte auch Split und Streusalz ausgesetzt. Daher sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob sich ein Steinchen festgesetzt hat. „Nach dem Spaziergang die Pfoten am besten lauwarm abwaschen. Dann kann der Hund auch nicht das Salz ablecken“, rät Kopernik. Denn das tut dem Hundemagen nicht gut. Außerdem kann das Salz die Haut an den Ballen austrocknen. Es entstehen Risse, beim nächsten Spaziergang brennt es dann.

Nach dem Rat der Hundeexperten sollten die Ballen vor dem Spaziergang mit Melkfett eingecremt werden. So bleibt die Haut geschmeidig und ist besser geschützt. Bei ganz empfindlichen Tieren können auch Pfotenschuhe einen guten Dienst tun. Erkältet sich der Hund trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, zeigt er dieselben Symptome wie Menschen: „Schniefnase, Husten, die Augen tränen“, sagt Behr. Damit sich der Schnupfen nicht zu einer Lungenentzündung entwickelt, sollte das Tier dann zum Arzt gebracht werden.

Bundesverband Praktizierender Tierärzte: www.tieraerzteverband.de

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