Ganz Japan feiert die Kirschblüte ausgelassen

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Deutsche Presse-Agentur

Kirschblüten sind seidenweich, nur halb so groß wie ein Daumen und stellen jedes Jahr ganz Japan auf den Kopf. Im Frühjahr brechen von Südwesten bis Nordosten immer mehr zarte Blüten auf, bis sie schließlich millionenfach die Bäume verzieren.

Das Land gerät dann regelrecht in den Ausnahmezustand. Schon im Februar steigt die Spannung im ganzen Land, bis endlich im Südwesten die ersten Kirschblüten - auf Japanisch: Sakura - zu sehen sind. Dann kennt die Euphorie kein Halten mehr. Die Zeitungen berichten vom Stand der Kirschblüte, im Fernsehen laufen täglich Sondersendungen.

So schicken Zuschauer beispielsweise Fotos von den schönsten Kirschbäumen ihrer Region ein, die von den Moderatoren mit respektvollen „Ahs“ und „Ohs“ kommentiert werden. Hausfrauen und professionelle Köche zeigen, wie man selbst Sushi so clever füllen kann, dass sich im Querschnitt ein Kirschbaum zeigt. Für Nicht-Japaner mag diese Aufregung übertrieben wirken. Immerhin wird ein - sich jährlich wiederholendes - Naturereignis so exzessiv gefeiert, dass selbst die sonst eher zurückhaltenden Japaner ausgelassen wirken.

Wer das weltweit einmalige Phänomen der Kirschblüte einmal selber erlebt hat, versteht die Hysterie. Es ist bezaubernd, wunderschön und atemberaubend. Selbst das sonst eher grau wirkende Tokio strahlt plötzlich hellrosa. In der ganzen Stadt verteilt ist das Spektakel zu bewundern: Zwischen Häuserschluchten, wo sonst scheinbar nur Autoabgase hinkommen, blühen einzelne Sakura-Bäume, in den Parks lassen die Zierpflanzen die Umgebung wie eine Traumwelt erscheinen.

Das ist besonders rund um den Kaiserpalast bemerkenswert, wo sich Trauerweiden-ähnliche Bäume majestätisch über den Festungsgraben recken. An ihnen hängen so unglaublich viele Blüten, dass die Baumkronen aus der Ferne wie fluffige Schneebälle oder Teile eines impressionistischen Tupf-Bildes erscheinen. Das Beobachten der Kirschblüten ist in Japan so verbreitet, dass es sogar einen eigenen Namen hat: Hanami, was wörtlich übersetzt „Blüten betrachten“ heißt. Das muss aber nicht still und ruhig vonstatten gehen. Gerade am Abend steigen in den Parks ausschweifende Hanami-Partys. Schüler, Studenten, Familien und Arbeitskollegen feiern dann ausgelassen mit japanischen Snacks und reichlich Sake.

Schon am Vormittag werden dafür in Tokio beispielsweise im Yoyogi-Park oder nahe des Yasukuni-Schreins junge Männer abkommandiert, die den schönsten Platz unter einem der Bäume sichern und mit einer grellblauen Plastikplane markieren. Sieht man diese Aufpasser zur Mittagszeit noch alleine im Schatten dösen, scheint am Abend kaum ein Durchkommen möglich, so eng beieinander liegen die Planen, so eng beieinander sitzen die Partygäste unter den angestrahlten Bäumen.

Für ausländische Besucher ist eine Reise zur Kirschblüte allerdings ein kleines Glücksspiel. Normalerweise wandert die Blüte zwar von Südwesten nach Nordosten und beginnt in Tokio Ende März. Doch das hängt stark vom Wetter ab. War es die Wochen davor beispielsweise besonders mild, sind die ersten Blüten in der Hauptstadt oft schon früher zu sehen. Dann brauchen sie meist rund eine Woche bis zur vollen Pracht, bevor die ersten Blüten wieder herabrieseln und die Straßen mit einem weichen Teppich bedecken.

Wer die Kirschblüte in Tokio verpasst hat, sollte die Chance nutzen und nach Kyoto fahren, wo das Ereignis meist ein paar Tage später beginnt. Mit den ersten offenen Blüten bauen auch dort die Händler in den Parks in Windeseile ihre Stände auf und werden die obligatorischen blauen Planen unter den Bäumen verteilt. Besonders bezaubernd ist ein Spaziergang über den sogenannten Philosophenweg, auf dem einst der Philosophie-Professor Ikutaro Nishida zum Meditieren entlang wanderte.

Doch auch in Kyoto beschränkt sich die Kirschblüte nicht nur auf einen Teil der Stadt. Auch hier wurden überall verschiedene Arten der Zierbäume gezielt gepflanzt, um im Frühjahr die Bewohner und Besucher zu erfreuen. Im Park rund um den Alten Kaiserpalast beispielsweise stehen mächtige Bäume, die von Fotografenscharen abgelichtet werden. Im ruhigen Innenhof des Manga-Museums lesen Kinder unter Kirschbäumen die Abenteuer ihrer Helden. Und auch an beiden Seiten des Kamo-Flusses, der mitten durch Kyoto zieht, schlagen Hanami-Fans schon tagsüber ihre Lager auf.

Japanische Fremdenverkehrszentrale: www.jnto.de

REISEZIEL: Japan ist ein Inselstaat mit 4 Haupt- und 3500 kleineren Inseln. Tokio und Kyoto liegen auf der größten Insel Honshu.

ANREISE: Die japanischen Fluggesellschaften All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) sowie Lufthansa fliegen täglich von Frankfurt nach Tokio. Die Flugzeit beträgt rund elf Stunden. Hinzu kommen regelmäßige Flüge nach Osaka und Nagoya sowie von München nach Tokio.

FORMALITÄTEN: Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz benötigen für Reisen nach Japan kein Visum, solange sie maximal drei Monate bleiben. Bei der Einreise müssen der bis zur Ausreise gültige Reisepass vorgelegt und die Abdrücke beider Zeigefinger digital eingescannt werden. Dabei macht eine kleine Kamera auf dem Fingerabdruckleser auch ein Passfoto. Impfungen sind nicht erforderlich.

KLIMA & REISEZEIT: Japan eignet sich das ganze Jahr über für Reisen - mit Ausnahme der Regenzeit von Mitte Juni bis Mitte Juli. Für die Kirschblüte sind März bis Ende April ideal. Dann ist es mit Temperaturen von durchschnittlich 15 Grad meist frühlingshaft mild.

SPRACHE: Japanisch. Mit Englisch kann man sich aber zumindest in den Großstädten wie Tokio und Kyoto etwas verständigen.

WÄHRUNG: Für einen Euro bekommen Urlauber etwa 115 japanische Yen. (Stand: Ende Januar 2008).

ZEITVERSCHIEBUNG: Deutsche Zeit minus acht Stunden, während der Sommerzeit sind es sieben Stunden Zeitverschiebung.

INFORMATIONEN: Japanische Fremdenverkehrszentrale JNTO, Kaiserstraße 11, 60311 Frankfurt; Telefon: 069/203 53, E-Mail: fra@jnto.de.

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