Günstig, aber ausgewogen: Kochbuch für Hartz-IV-Empfänger

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Deutsche Presse-Agentur

Rosenkohl mit Kassler oder Badischer Zwiebelrostbraten statt immer wieder Spaghetti mit Tomatensoße - dieser heiße Wunsch soll sich auch für Hartz-IV-Empfänger erfüllen.

Kurt Meier (54) und Uwe Glinka (53) haben mit Hilfe von Landfrauen das Kochbuch „Günstig und ausgewogen ernähren - entsprechend dem Regelsatz Hartz IV“ geschrieben. Monatelang waren die beiden Männer durch Supermärkte gezogen und hatten die günstigsten Lebensmittel aufgespürt. So ermöglichten sie für täglich 4,33 Euro entsprechend dem Regelsatz eine abwechslungsreiche Kost. Das im Dezember 2008 erschienene kleine Kochbuch ist fast vergriffen. Eine Million Menschen sollen es zudem nach einem Fernsehauftritt bei Günther Jauch in „stern tv“ kostenlos aus dem Internet runtergeladen haben.

Meier und Glinka - beide selbst Hartz-IV-Empfänger aus dem Kreis Lüneburg - kamen durch Gespräche mit anderen Hartz-IV-Empfängern auf die Idee: „Die Leute erzählten immer, dass sie Mitte des Monats schon kein Geld mehr haben, etwas Warmes auf den Tisch zu bringen“, berichtet Glinka, der früher Verkaufsleiter eines Autohauses war. Klar wurde auch: Es wird kaum mehr selbst gekocht. „Fertiggerichte und Fastfood - das funktioniert eben nicht mit Hartz IV“, sagt Meier.

Überall in Deutschland fragten die beiden Lüneburger bei den Landfrauen an und bekamen mehr als 300 Rezepte aus allen Regionen, manche noch in altdeutscher Handschrift. Einfach sollten die Rezepte sein, „damit jeder das auch kochen kann“. Den Männern war eingefallen, dass die Nachkriegsgeneration es noch verstand, mit wenig Geld Vernünftiges auf den Tisch zu bringen. 28 Gerichte suchten sie sich aus und durchforsteten acht große Discounter nach passenden Billigprodukten. „Das war mühselige Rechenarbeit“, erinnert sich Meier.

Bis auf den Cent genau listeten sie die Preise der Zutaten auf: 7,01 Euro für ein zwei-Personen-Tagesmenü mit Brötchen, Käse und Cornflakes zum Frühstück, Märkischem Bauernauflauf zum Mittag und abends Graubrot mit Mett, Schinken und Joghurt. Jeden Artikel hatten sie in der Hand, meist aus den unteren Regalen. Dabei wurden sie häufig schief angesehen. „Wenn ich mal einen Euro drunter liege, kann ich mir sogar ein Stück Erdbeertorte gönnen“, sagt Kurt Meier. „Es geht aber nur mit absoluter Disziplin.“ Auf keinen Fall wollten die Männer damit beweisen, dass der Regelsatz ausreichend sei. „Das ist nicht der Fall, es gibt viele Entbehrungen“, betont Meier. Das Buch soll vielmehr eine Hilfe sein für die, die mit so wenig Geld klarkommen müssen.

Und diese Hilfe ist nicht nur bei Hartz-IV-Empfänger gefragt: Tausende von Anfragen nach der 3,95 Euro teuren Broschüre kommen auch von Rentnern und Studenten, Sozialbehörden, Kirchengemeinden, Tafeln und sogar Justizvollzugsanstalten. Allein 2000 Hefte lieferten die Autoren an die Jugendeinrichtung „Springpfuhlhaus“ in Berlin-Marzahn. Dort sollen die Kids kochen und ihre Eltern dafür interessieren.

Kritische Fragen erwarten Meier und Glinka auf dem Evangelischen Kirchentag in Bremen, zu dessen Veranstaltung „Köstliches Bremen“ sie eingeladen sind. „Es war uns wichtig, jemanden einzuladen, der auf praktische Art zeigt, wie man den Alltag als Hartz IV-Empfänger bewältigen kann. Wir wollen es aber auch kritisch hinterfragen“, sagt Bernd Prigge, Pressesprecher des Diakonisches Werkes der Landeskirche Hannover.

Nach den ersten 5000 Broschüren verhandeln Meier und Glinka nun mit berühmten Köchen und großen Discountern, um eine weitere Auflage finanzieren zu können. Für beide könnte viel dabei herausspringen: „Wir sehen darin die große Chance, aus Hartz IV rauszukommen“, sagt Kurt Meier. Das Konzept für ein Kochbuch mit Bildern liegt schon in der Schublade.

Bestellung der Broschüre über K. Meier, Zum Eichhagen 14, 21382 Brietlingen

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