Furcht vor Opel-Pleite wächst

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Deutsche Presse-Agentur

Nach dem Insolvenzantrag von Saab droht einem Zeitungsbericht zufolge auch dem deutschen Autobauer Opel im Frühjahr das Aus. Laut „Bild“-Zeitung steht Opel im Mai oder Juni vor der Zahlungsunfähigkeit.

Zu diesem Fazit komme der Bürgschaftsausschuss, in dem die Bundesländer mit Opel-Standorten und mehrere Bundesministerien vertreten sind. Opel wollte am Samstag auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte den Bericht nicht. Sie verwies auf vertrauliche Beratungen im Bürgschaftsausschuss.

Derweil beurteilen die Schweden die Zukunftsaussichten von Saab skeptisch. Die konservative Stockholmer Zeitung „Svenska Dagbladet“ zitierte am Samstag als Schlagzeile auf ihrer Titelseite aus dem eigenen Kommentar: „Saab ist bankrott. Schluss, finito und kaputt.“ Die liberale Boulevardzeitung „Expressen“ schrieb: „Das meiste spricht dafür, dass Saab jetzt untergeht. Auf längere Sicht würde man den Beschäftigten durch künstliche Beatmung keinen Gefallen tun.“

Saab und Opel sind Töchter des schwer angeschlagenen US-Konzerns General Motors (GM). Das schwedische Unternehmen hatte am Freitag Insolvenz beantragt, will die Produktion mit 4100 Beschäftigten aber vorerst fortsetzen. Als entscheidend für ein Überleben bezeichnete der bisherige Konzernchef Jan Åke Jonsson Staatsbürgschaften für Kredite von der Europäischen Investitionsbank (EIB).

Deutschland und die USA wollen das Vorgehen im Zusammenhang mit Opel eng miteinander abstimmen. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte in der ARD, er habe mit US-Finanzminister Timothy Geithner eine informelle Arbeitsgruppe vereinbart, in der man sich über das weitere Vorgehen austauschen wolle.

SPD-Chef Franz Müntefering äußerte sich in dem Sender generell zurückhaltend zu staatlichen Finanzhilfen. Man wolle denen helfen, die aufgrund der gegenwärtigen Finanzkrise in Schwierigkeiten gekommen seien. „Wenn es Schwierigkeiten sind, die aus der Struktur der Unternehmen heraus entstehen, die sowieso entstanden wären, dann müssen die Unternehmen das selbst klären. Dann ist nicht der Staat dafür da, die Strukturveränderungen zu bezahlen.“

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs warnte davor, Opel mit Staatsbürgschaften vor der Pleite zu retten. „Das Geld wandert sofort in die USA, dem können wir nicht zustimmen“, sagte er der „Berliner Zeitung“. „Eine Insolvenz von Opel wird nicht zu vermeiden sein.“ Damit sorgte er für Empörung in der CSU: Der Vorsitzende der CSU- Mittelstandsunion, Hans Michelbach, warnte im Gespräch mit „Handelsblatt.com“ davor, „leichtfertig das Wort Insolvenz in den Mund zu nehmen“. „Das ist in der jetzigen schwierigen Gesamtsituation brandgefährlich“, sagte er.

Der traditionsreiche Autobauer mit rund 25 000 Mitarbeitern und bundesweit vier Werken in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach hatte eingeräumt, einen Bürgschaftsrahmen von mehr als 1,8 Milliarden Euro zu benötigen. Details nannte der für die Finanzen verantwortliche Opel-Geschäftsführer Marco Molinari nicht: „Eine absolute Zahl in den Raum zu stellen ohne die für ein tragfähiges Zukunftskonzept notwendigen Beiträge aller Beteiligten, insbesondere der Eigentümer und Arbeitnehmer, geklärt zu haben, ist nicht seriös.“

Nach einem „Spiegel“-Bericht beträgt der Liquiditätsbedarf bei Opel aktuell rund 3,3 Milliarden Euro. Konzernkreisen zufolge strebt Opel einen Bürgschaftsrahmen von 2,6 Milliarden Euro an. Nach Angaben der Sprecherin des Wirtschaftsministeriums liegt aber noch kein Konzept vor, das eine Beurteilung ermögliche, ob und welche Hilfen möglich und nötig seien.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte eine europäische Lösung für die Tochter des schwer angeschlagenen US- Konzerns General Motors (GM). Der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ sagte er: „Wer Opel retten will, muss weiter denken als bis zum nächsten Kirchturm. Kein Werk ist für sich und einzeln überlebensfähig, weder in Deutschland noch anderswo.“

Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel, erteilte einem möglichen Alleingang des deutschen Autobauers eine Absage. „Schafft es Opel alleine? Wohl nicht, denn dazu sind wir zu klein“, sagte Einenkel der „Automobilwoche“. Ein potenzieller Partner für Opel müsse das Produktportfolio der Tochter des US-Autobauers General Motors (GM) deutlich erweitern. „Das muss sich ergänzen und darf nicht im Wettbewerb stehen“, sagte Einenkel.

Unterdessen setzte US-Präsident Barack Obama einen hochrangig besetzten Arbeitsstab („task force“) zur Rettung der US-Autoindustrie ein. Unter der Führung von Finanzminister Geithner und Obama- Wirtschaftsberater Lawrence Summers soll die Arbeitsgruppe die neuen Sanierungspläne der Auto-Hersteller prüfen.

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