Frischluft-Feeling in der Krise: Cabrio-Neuheiten

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Deutsche Presse-Agentur

Im offenen Auto durch den Frühling zu brausen, ist für manchen Autofan ein Traum. Das wird die Ausfahrt im schicken Cabrio oder Roadster für viele bis auf weiteres wohl auch bleiben.

Denn in der Finanz- und Wirtschaftskrise dürfte die Neuanschaffung eines solchen Autos kaum oberste Priorität genießen. „In der gegenwärtigen Krise wird für die Autokäufer eher die mobile Grundversorgung im Vordergrund stehen“, sagt Norbert Wittemann vom Beratungsunternehmen PRTM in Frankfurt. „Lifestyle-Autos, wie Cabrios es sind, werden tendenziell weniger gesucht.“ Zudem seien Cabrios teurer als die entsprechende Coupé-Variante, was den Absatz in diesem Segment zusätzlich dämpfen werde, so der Marktbeobachter.

Ohnehin sind Cabrios und Roadster in Deutschland ein Nischensegment. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg wurden im Monat Dezember 4957 Cabrios neu zugelassen. Bei insgesamt 225 981 Neuzulassungen entspricht das einer Zulassungsquote von lediglich 2,2 Prozent. Von Januar bis Dezember 2008 wurden 131 129 Cabrios neu zugelassen - bei insgesamt 3,09 Millionen neu zugelassenen Fahrzeugen ist das ein Anteil von nur 4,2 Prozent.

Dessen ungeachtet bringen die Autohersteller in dieser Saison einige Cabrio- und Roadster-Neuheiten auf den Markt oder frischen bereits länger am Markt befindliche Modelle auf. Zu den Neuheiten gehört das A5 Cabrio, das Audi im April ausliefert. Zu Preisen ab 37 300 Euro tritt der Viersitzer mit Stoffverdeck die Nachfolge des A4 Cabrios an. Als Antrieb stehen drei Benziner und zwei Diesel mit einem Leistungsspektrum von 132 kW/180 PS bis 195 kW/265 PS zur Wahl.

Von BMW kommt Ende März die Neuauflage des Mini Cabriolets und im Mai der neue Z4 Roadster auf den Markt. Der Mini startet zu Preisen ab 22 500 Euro. Er behält vom Vorgänger das Stoffverdeck mit integriertem Schiebedach. Als Motoren stehen die 1,6-Liter-Aggregate aus Limousine und Kombi mit 88 kW/120 PS und 128 kW/178 PS zur Wahl. Der Z4 besitzt statt des bisherigen Stoffverdecks ein faltbares Hardtop aus Aluminium. Es soll sich platzsparend in den Kofferraum legen, so dass bei offenem Verdeck noch 180 Liter hineinpassen. Zur Markteinführung gibt es drei Reihensechszylinder-Benziner mit 150 kW/204 PS bis 225 kW/306 PS. Die Preise beginnen bei 35 900 Euro.

Einige Klassen darüber rangieren die neuen Cabrios der britischen Nobelmarke Bentley. Hier stehen bald der leistungsgesteigerte Azure T sowie die „Speed“-Ausführung des offenen Continental GT beim Händler. Der Azure verfügt über einen 6,75 Liter großen V8-Motor mit 373 kW/507 PS und soll im dritten Quartal erhältlich sein. Im Continental GT-Topmodell sorgt ein auf 449 kW/610 PS gesteigerter Zwölfzylinder für Vortrieb. Medienberichten zufolge sollen Kunden mindestens 222 649 Euro für den luxuriösen Viersitzer hinblättern müssen.

Dagegen muten die 46 142 Euro, die Porsche für den überarbeiteten Boxster mindestens verlangt, fast wie Kleingeld an. Zum Modellwechsel gibt es eine neue Front- und Heckpartie, neue Scheinwerfer, LED-Rückleuchten sowie stärkere und sparsamere Motoren. In der Basisversion rumort nun ein 2,9 Liter großes Boxer-Aggregat mit 188 kW/255 PS.

Auch Mazda hat seinen Roadster-Klassiker MX-5 aufgefrischt. Eine neue Front soll den Zweisitzer sportlicher wirken lassen. Außerdem soll der Motor kerniger klingen, während es innen bei geschlossenem Dach leiser zugehen soll. Nissan will im Sommer die neue Roadster-Variante des 370 Z auf den Markt bringen. Der Nachfolger des 350 Z hat einen V6-Motor mit 3,7 Litern Hubraum unter der Haube, der auf 243 kW/331 PS kommt.

Infiniti will im September das G37 Cabriolet auf den Markt bringen: Der Viersitzer bekommt ein dreiteiliges Hardtop und einen V6-Motor mit 239 kW/325 PS. Bei Lexus steht das Debüt des IS 250 C Cabrios an, bei Peugeot des 308 Cabrio-Coupés. Ford hat den offenen Mustang überarbeitet und in einer neuen Shelby-Version mit 397 kW/540 PS aufgelegt - ein Export nach Deutschland ist nicht vorgesehen. Besser in die Zeit passen dürfte hier ohnehin die Cabriovariante des kleinen 500, die Fiat entwickelt. Und auch eine offene Version des neuen VW Golf, über die in Wolfsburg nachgedacht wird, dürfte größere Verkaufschancen haben als ein Spritschleuder-Ungetüm aus den USA.

Ganz so schlimm wie die übrige Autobranche dürfte die Krise die Cabrio-Bauer ohnehin nicht treffen, erwartet Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg: „Kein Cabrio wird in Europa aus Vernunftgründen angeschafft.“ Zwar rechnet auch er mit mit einem weiteren leichten Rückgang der Zulassungszahlen. Der Trend zum Downsizing eröffne aber in der Krise neue Möglichkeiten: „Auf Freiluftgefühl will man nicht verzichten, und kleinere Cabrios sind ein erschwinglicher Luxus.“

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