Freude in der Demenzgruppe: Hund Fritz kommt zu Besuch

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Heute steht wieder Hunde-Besuch ins Haus und alle freuen sich: Fritz kommt. Der riesige braune Neufundländer ist der Liebling der alten Leute im multikulturellen Seniorenzentrum „Haus am Sandberg“.

Auch der Hund kann es wohl kaum erwarten. Mit der Kraft von 70 Kilo Körpergewicht zieht Fritz sein Herrchen Michael Pösken in Richtung Haupteingang der Einrichtung vom Deutschen Roten Kreuz im Duisburger Stadtteil Homberg. „Tiergestützter Besuchsdienst“ heißt der Job von Fritz.

Im Foyer sitzt eine Gruppe von Senioren. Fritz begrüßt sie sofort schwanzwedelnd. Die Freude wird erwidert. „Darf er ein Bonbon?“, fragt eine Dame. Michael Pösken winkt ab: „Lieber nicht, das ist nicht gesund für ihn.“ Die Dame ist nicht lange enttäuscht, sie beschert Fritz statt der Nascherei eine ausführliche Streicheleinheit. Für die nächsten Stunden ist der Hund die Nummer eins im Heim. „Ich hänge ja nur am anderen Ende der Leine“, sagt sein Herrchen lachend.

Mehrmals in der Woche sind Michael Pösken und sein Fritz gern gesehene Gäste im Seniorenzentrum. Meist gehen sie gezielt in eine Demenzgruppe mit zehn alten Menschen. Dort schafft Fritz auf seine gutmütige Art, was Pflegern und Angehörigen von dementen Bewohnern oft nicht mehr gelingt: Er öffnet ein Tor zur Wirklichkeit und zaubert in manche lange schon verschlossene Miene ein Lächeln.

Fritz ist im Duisburger „Haus am Sandberg“ mit sieben anderen Hunden im Einsatz. Besitzer Michael Pösken war im Sommer durch eine Zeitungsanzeige auf den Besucherdienst aufmerksam geworden - und neugierig. Der 43-Jährige hatte bis dahin keine Vorstellung davon, wie Menschen mit Demenz leben. „Am Anfang war es nicht leicht. Eine Dame zum Beispiel nennt den Fritz konsequent 'Lumpi'. Ich versuchte zunächst, ihr das auszureden. Aber das ging nicht. Also ist der Fritz bei ihr halt der 'Lumpi'.“

Die Hunde werden einer hausinternen Verhaltensprüfung unterzogen, bevor sie in den sozialen Dienst dürfen. „Es muss klar sein, dass sie auch in Stresslagen ruhig und friedfertig bleiben“, erklärt Gudrun Küper-Sengül vom Sozialen Dienst im „Haus am Sandberg“. Sie leitet das Projekt. Brenzlige Situationen mit Fritz hat es hier noch nicht gegeben. Der Hund ist lieb und unaufdringlich. Wenn ein Mensch keinen Kontakt wünscht, hält sich Fritz zurück. Aber alle, die wollen, dürfen ihn kraulen und herzen.

Und das wirkt meist sehr positiv. Manche Menschen finden wieder Worte. Bei anderen werden Erinnerungen wach an eigene Hunde, die früher zu ihrem Leben gehörten. „Wir haben Bewohner, die uns Menschen nicht mehr erkennen. Aber den Fritz, den erkennen sie jedes Mal“, weiß Gudrun Küper-Sengül. Sie spricht nicht von Therapiehund, sondern - vorsichtiger - von Besuchshund. „Eine Therapie ist ja zur Behandlung der Krankheit gedacht. Das funktioniert aber nicht. Der Hund kann lediglich die Qualität des Lebens für einen Moment aufhellen. Und das ist doch viel!“

Michael Pösken glaubt, dass sein Neufundländer Fritz in gewisser Weise Brücken baut zwischen den Welten der Gesunden und der Kranken. „Menschliche Beziehungen sind ja oft nicht einfach. Aber ein Hund stellt keine Ansprüche und hat keine Erwartungen. Er liebt jeden, so wie er ist.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen