Fremdverliebt: Partner Gefühle nicht sofort beichten

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Deutsche Presse-Agentur

Sich zu verlieben, ist ein wunderbares Gefühl. Kompliziert wird es, wenn man in einer Beziehung steckt und die Gefühle nicht dem Partner, sondern einem anderen Menschen gelten.

Für Frauke K. aus Bremen kam das Gefühlschaos langsam. Die zweifache Mutter, seit 14 Jahren verheiratet, verliebte sich in ihren Kollegen. „Erst war es nur Sympathie.“ Nach einigen Monaten spürte Frauke, dass ihre Gefühle stärker wurden. Auf einer Fortbildung kamen sich beide näher. Danach war nichts mehr wie vorher.

„Mein schlechtes Gewissen hat mich fertig gemacht“, sagt sie. Der Liebhaber im Büro, der Ehemann zu Hause und die große Frage: Wie soll es jetzt weitergehen? „Der Leidensdruck und die innere Zerrissenheit in so einer Situation sind enorm“, sagt Anne Huth, Diplom-Psychologin aus Neuss. „Wer sich trotz bestehender Partnerschaft in einen anderen verliebt, handelt gegen die eigenen Ideale. Niemand will das!“

Trotzdem passiert es. Schlägt das Herz erst einmal höher, helfe nur, Ruhe zu bewahren, rät Huth. Dazu gehört auch, dem Partner das Verliebtsein in einen anderen nicht gleich zu beichten: „So ein Geständnis erzeugt Ängste beim Partner und kann die Beziehung zerstören.“ Wer Ballast loswerden will, sollte lieber erst mit einem Freund reden.

„Meistens kommen die neuen Gefühle nicht überraschend“, sagt Michaela Nüssel, Paartherapeutin aus Nürnberg. „Wer ehrlich zu sich selbst ist, stellt fest, dass in der eigentlichen Beziehung schon länger etwas nicht mehr stimmt.“ Denn Paare, die in einer glücklichen Beziehung stecken, sind weniger anfällig für die Fremdverliebtheit. Die Ratgeberautorin Eva-Maria Zurhorst aus Wuppertal ist überzeugt, dass neue Gefühle aufzeigen, was man vermisst: „Der oder die Geliebte bringt genau das in die Beziehung, was die beiden Partner aussparen.“

Um Klarheit über die Gefühle zu finden, helfen Rückzugsräume. „Fahren Sie ein Wochenende alleine weg, nehmen Sie sich Zeit, um die durcheinandergewirbelten Gefühle wieder zu sortieren“, rät Nüssel. Woher kommen die Emotionen? Was interessiert Sie so an diesem Menschen? Und was berührt er in Ihnen? „Es ist wichtig, sich selbst zu verstehen, um eine gute Entscheidung treffen zu können.“

Dazu gehört auch eine große Portion Realitätssinn, sagt Huth: „Seien Sie sich bewusst, dass auch bei der Entscheidung für eine neue Beziehung die rosarote Brille irgendwann abfällt und der Alltag Einzug hält.“ Wer sich allerdings in die schöne Nachbarin oder den besten Freund verliebt, muss genauer hinschauen: „Sind Sie wirklich bereit, für diesen Menschen alles aufzugeben?“, fragt Huth.

Wer trotz verlockender Schmetterlinge an der Ursprungsbeziehung festhalten will, muss spätestens jetzt Beziehungsarbeit leisten. „Sprechen Sie mit Ihrem Partner, was Sie vermissen und wie Sie sich die Zukunft der Partnerschaft wünschen“, rät Huth. Mehr gemeinsame Unternehmungen, mehr Zeit für Gespräche oder der Wunsch nach mehr Komplimenten, Anerkennung oder Leidenschaft: „Füllen Sie die Lücken, damit sich Ihre Beziehung wieder rund anfühlt“, sagt Zurhorst.

Und wohin mit den Schmetterlingen? „Bleiben Sie geduldig mit sich selbst“, rät Nüssel. Frauke K. hat sich für ihre Familie entschieden. Die Gefühle für den Kollegen hat sie selbst auf Eis gelegt: „Ich habe mich in eine andere Abteilung versetzen lassen.“

Literatur: Christian Thiel: Was glückliche Paare richtig machen, Campus, ISBN-13: 978-3-593-38163-3, 17,90 Euro; Eva-Maria Zurhorst: Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest, Goldmann, ISBN-13: 978-3-442-33722-4, 18,90 Euro

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