Freiwachsende Hecke: Sichtschutz und Tierversteck

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Deutsche Presse-Agentur

Der Sitzplatz im Garten braucht einen Schutz vor neugierigen Blicken. Die Mülltonnen in der Ecke sind ein unansehnlicher Störfaktor im grünen Zimmer. Die Gemüsebeete sollen vom Spielbereich der Kinder abgegrenzt werden.

Die schönste und natürlichste Art, an solchen Stellen eine blickdichte Abgrenzung zu schaffen, ist eine freiwachsende Hecke aus naturnahen Gehölzen. Sie lässt sich optisch vielfältig gestalten und bietet außerdem Vögeln und anderen Tieren Unterschlupf und Nahrung.

Was und wie viel gepflanzt werden kann, hängt von der Länge und Tiefe des zur Verfügung stehenden Gartenstreifens ab. „In der Regel werden zu viele Gehölze zu dicht gesetzt“, warnt Michael Maier, Landschaftsplaner im Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA), aus dem bayerischen Hasloch.

Entscheidend ist, dass bei der Pflanzung der natürliche Habitus der Gehölze und ihre endgültige Größe berücksichtigt werden. „Für eine kleinbleibende Hecke zum Beispiel zur Gliederung von Funktionsbereichen kommen etwa der Maiblumenstrauch, kleinbleibende Fingersträucher oder auch die rote Sommerspiere in Frage“, erläutert Peter Heydorn vom Bund deutscher Baumschulen in Pinneberg. Diese Gehölze werden zwischen 40 und 70 Zentimetern hoch und benötigen eine Tiefe von gut 70 Zentimetern.

Für den Sichtschutz am Sitzplatz ist eine solche Hecke zu niedrig. Dort sind Brautspiere und Fingerstrauch, Roter Seidelbast und Schwarze Heckenkirsche gut aufgehoben - vorausgesetzt die Pflanztiefe von bis zu 1,50 Metern ist gesichert.

Für alle höheren und weiter ausladenden Gehölze sind zwei Meter Pflanztiefe das absolute Minimum. „Sehr schön für eine blühende Hecke sind die Hohe Blütenmispel mit ihren überreichen weißen Rispen oder die weitgehend unbekannte Kalmiendeutzie: Ihre rosa Blüten werden weiß, bevor sie verblühen“, zählt Gehölzexperte Heydorn auf. Auch Klassiker wie Forsythie, Kornellkirsche, Felsenbirne und Flieder finden hier ihren Platz.

Der Reiz einer freiwachsenden Hecke besteht nicht nur in ihrem natürlichen Wuchs, sondern auch in ihrer Vielfalt. Durch gezielte Pflanzenauswahl lassen sich Höhepunkte für jede Jahreszeit schaffen. So können bewusst Gehölze mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten kombiniert werden. Doch auch hübsche Fruchtstände oder Herbstfärbungen können zum Blickfang werden. „Wiederholungen innerhalb einer längeren Hecke unterstreichen die Abwechslung, sind jedoch auch Ruhepunkte fürs Auge“, erklärt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) in Berlin.

Wer ausreichend Platz hat, kann die Vielfalt jedoch auch durch unterschiedliche Wuchshöhen erzielen. „Eine gute Orientierung bietet die Feldhecke“, sagt Wagner. „Ihr Gerippe ist das Leitgehölz. Die zweite Schicht bilden Sträucher. Die dritte Ebene besteht aus schattenverträglichen Stauden wie Waldgeißbart und Hosta sowie aus Zwerggehölzen.“

Wenn der Gartenbesitzer seine Hecke fertig geplant hat, steht er vor einem Dilemma: Gehölze in ihrer endgültigen Größe sind sehr teuer. Kauft er jedoch junge Pflanzen, dauert es Jahre, bis die Hecke ihre endgültige Gestalt angenommen hat. Genau das verleitet dazu, anfangs zu viele kleine Gehölze zu setzen.

„Ein Kompromiss besteht darin, größere Leitgehölze im Container zu kaufen“, empfiehlt Wagner. Die kleineren Nachbarn werden dann als Ballenware erstanden. Die Lücken der ersten Jahre werden dekorativ gefüllt. „Dafür sind Zwiebelpflanzen und einjährige Blüher hervorragend geeignet“, sagt Landschaftsplaner Maier.

Im ersten Jahr braucht die Hecke unbedingt viel Wasser. Auch über Kompost freut sie sich. Ansonsten hält sich der pflegerische Aufwand in Grenzen. Außer den Frühblühern wie der Forsythie sollten die Gehölze keinesfalls jährlich geschnitten werden. „Wenn sich die Pflanzen irgendwann bedrängen, muss man den Mut haben, eine von ihnen komplett heraus zu nehmen“, empfiehlt Maier.

Wer ganzjährigen Sichtschutz oder auch eine Abschirmung gegen scharfe Winde sucht, ist auf immergrüne Gehölze wie Berberitzen, Liguster, Stechpalme, Mahonie oder Mispeln angewiesen. Sie können auch einen schönen Hintergrund für zartere und empfindlichere Blühgehölze bilden. Doch Vorsicht: „Laubabwerfende Pflanzen entwickeln sich schneller als immergrüne. Sie nehmen ihnen damit schnell das Licht weg“, warnt Peter Heydorn vom Bund deutscher Baumschulen in Pinneberg. Hier ist es deshalb besonders wichtig, ausreichend Abstand einzuplanen.

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