Frauen geben Einblicke in ihr literarisches Schaffen

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 Elisabeth Oswald (von links), die Moderatorin Annette Maria Rieger, Gabriele Loges, Fiona Skuppin, Helga Fricker und Dodo Krome
Elisabeth Oswald (von links), die Moderatorin Annette Maria Rieger, Gabriele Loges, Fiona Skuppin, Helga Fricker und Dodo Kromer treten in Waldbeuren auf. (Foto: Monika Fischer)

Mitte vergangenen Jahres hat das Büro für Regionalkultur in Bad Schussenried das Projekt „Frauen.Land.Oberschwaben.Die 3 Marien“ auf den Weg gebracht. Dieses soll Autorinnen aus dem ländlichen Raum den Weg in die Öffentlichkeit erleichtern. 17 Frauen nahmen das Angebot wahr und stellen an dessen Abschluss Texte aus ihrer Schreibwerkstatt einem Publikum vor. Dies geschieht innerhalb von vier Veranstaltungen, deren zweite im Landhotel „Alte Mühle“ in Waldbeuren stattfand. Gesponsert wird das Projekt von der Leader-Förderung, die Organisation haben Henriette Müller und Annette Maria Rieger inne.

Der Begriff „3 Marien“ hat keinesfalls eine religiöse Bedeutung, sondern erinnert an drei oberschwäbische Schriftstellerinnen gleichen Vornamens, Maria Müller-Gögler, Maria Menz und Maria Beig. Ihnen gelang es, sich in der von Männern dominierten Autorenwelt zu profilieren, womit sie für schreibende Frauen bis heute eine Vorbildfunktion besitzen. Denn, so Annette Maria Rieger in ihrer Begrüßung: „Der Schreibende muss ein Echo haben.“ Dieses bekamen fünf Autorinnen aus der Region Bad Saulgau, Sigmaringen, Riedlingen in unerwarteter Fülle, denn mehr als hundert Besucher waren am vergangenen Sonntag zur zweiten Lesung des „Marienlandprojekts“ ins Waldbeurer Hotel „Alte Mühle“ gekommen.

Den Anfang machte die neunzehnjährige Studentin Fiona Skuppin aus Bad Saulgau, die bei der Lesung auch ihr Talent als Musikerin und Sängerin einsetzte und den Nachmittag mit sphärischen Klängen auf dem Keyboard umrahmte. Während sie die gereimten Teile ihres Texts in Liedform mit Gitarrenbegleitung vortrug, rezitierte sie die Prosapartien. Ihr Thema waren die von dörflicher Enge geprägte Kindheit und Jugend, der sie erst im Nachhinein viele liebenswerte Momente abgewann. Dodo Kromer aus Ertingen-Erisdorf stellte sich mit einem ihrer Texte zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Dieser beschrieb die Erfahrungen und das Leid einer Abfalltonne, wobei die Autorin zum Problem von Mülltrennung und -entsorgung Stellung bezog.

Eine leidvolle Erfahrung anderer Art macht die Protagonistin der Kurzgeschichte „Frühlingserwachen im Land der Täuschungen“ von Helga Fricker aus Hohentengen. Die frühere Lehrerin am Gymnasium Mengen erzählte von einer Ehefrau, die sich spontan mit einem anderen Man einlässt, der sie als Geliebte ausnutzt und schließlich zugunsten einer Neuen abserviert. Überraschend der Schluss, in dem die Verlassene naht- und problemlos in ihren früheren Alltag eintaucht. Elisabeth Oswald kommt aus Sigmaringen-Laiz und verfügt über eine Menge schwäbischen Gnitz und Humor, die sie in mehr als dreihundert Mundartgedichte eingebracht hat. Am Beispiel der immergrünen Tanne und einer Buche, die im Herbst ihr Laub verliert, nahm sie höchst lebendig den Kleiderwettstreit „zweier Weiber“ aufs Korn, die sich gegenseitig ausstechen und übertreffen wollen. Die Auseinandersetzung findet ein versöhnliches Ende mit der Erkenntnis: „Verschiedene Sorten ergeben gemeinsam einen schönen Wald.“

Über Öffentlichkeitserfahrung verfügt die frühere Leiterin einer Stadtbibliothek, Gabriele Loges. So schreibt sie nicht nur für die Schwäbische Zeitung, sondern hat bereits mehrere Bücher herausgegeben. Diese zeugen unter anderem von ihrer Liebe zum Portrait und dem Geschick, Menschen statt per Stift und Farbe mit Worten zu charakterisieren. Davon konnten sich auch die Zuhörer der Lesung überzeugen, bei der die Schriftstellerin den zeitweise leidvollen Lebensweg der Hinterglasmalerin Ilse Wolf nachzeichnete. Heute lebt Ilse Wolf glücklich auf der Schwäbischen Alb und besitzt weit über die Landesgrenzen hinaus einen Ruf als Künstlerin. Trotz ihrer mehr als 80 Jahre ist sie zur Textpräsentation in die „Alte Mühle“ gekommen.

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