„Fraternität sieht den ganzen Menschen“

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Rollstuhlfahrer aus Isny zeigten bei der Jubiläumsveranstaltung der Fraternität Wangen einen „Rollstuhltanz“.

In einer gut besuchten Feier ist am Samstag im Gemeindezentrum St. Ulrich auf 30 Jahre Fraternität zurückgeblickt worden. Neben festlichen Ansprachen, Musik und einem Rückblick in Bildern gab es auch zwei Rollstuhltänze einer Gruppe aus Isny.

Von unserer MitarbeiterinVera Stiller

Christine Sontheim, die die Fraternität seit 1980 leitet, war voller Freude. Konnte sie doch anhand des guten Besuches der Jubiläumsfeier feststellen, „wer sich alles mit der Behindertengruppe verbunden fühlt“. Und so begrüßte sie neben Personen aus Kirche und Kommunalpolitik auch Abordnungen aus dem Heim St. Konrad in Haslach und der St.Gallus-Hilfe wie langjährige Referenten, um dann zu betonen: „Die Hauptgäste aber sind die Rollstuhlfahrer und Behinderten, die in so großer Zahl mit ihren Familienangehörigen oder Betreuern da sind.“

Pfarrer Adelbert Wiedenmann, der laut Christine Sontheim „25 Jahre lang Freund, geistlicher Begleiter und weiser Ratgeber“ für die Fraternität war, sprach von der großen Würde, die Gott jedem Menschen mit auf den Weg gegeben hätte. Vor über 30 Jahren seien Menschen zusammengekommen, die damals wie heute „den ganzen Menschen, der Leib und Seele ist, sehen“. Sie hätten verstanden, so der Geistliche weiter, „dass man an Gott nur glauben kann, wenn man auch an Menschen glaubt“. Und weil Gott ohne Ansehen und Leistung der Person „mich erfunden und gewollt hat“, hätten alle „eine garantierte Zukunft“.

Für Michael Lang war der Nachmittag im Gemeindezentrum St. Ulrich Grund, ein Dankeschön für 30 Jahre Engagement und gute Zusammenarbeit auszusprechen. Wie der Oberbürgermeister davon sprach, dass man im Gemeinderat demnächst ein Mitglied wählen wolle, das „Fragen, die Behinderte angehen, noch mehr bündeln soll“. Trotz verschiedener Baumaßnahmen in der Stadt gäbe es hier noch immer „Barrieren, die das Leben schwieriger machen“, sagte Lang. Um in diesem Zusammenhang auf das frühere Gästeamt hinzuweisen, das bald als Bürgerbüro behindertengerecht zu erreichen sei.

Nachdem die „D’Schellenberger Stubenmusik“ aus Kißlegg unter ihrer Leitung von Josef Gomm erneut mit ihrer Musik erfreut hatte, wollte Josef Dreier die sich bietende Gelegenheit nicht versäumen, „Christine, aber auch Bruno Sontheim für alles, was sie im sozialen Bereich tun, nach Kräften zu loben“. Der frühere Landtagsabgeordnete und Staatssekretär zeigte sich überzeugt davon, dass Behinderte und Nichtbehinderte aufeinander angewiesen seien – ja, sich brauchen würden. Wörtlich sagte Dreier: „Hier wird sichtbar, dass etwas füreinander getan wird!“

Als „Auszeichnung“ überreichte Dreier der Gruppenleiterin einen im „KBZO“ gefertigten „eisernen Rollstuhl“. Wie Christine Sontheim später bestätigte, sei der Politiker mit der Fraternität nicht nur freundschaftlich verbunden gewesen, sondern habe „in etlichen Einzelfällen ganz konkret geholfen“. Und die engagierte Frau rief aus: „Das tat uns gut und wir schätzen es bis heute!“

Bruno Sontheim fasste die „30 Jahre Fraternität“ in Reim und Lichtbildern zusammen. Noch einmal konnte nachvollzogen werden, was mit dem Ehepaar Wieman, das aus Hamburg kommend „in Wangen hangen geblieben ist“, begonnen wurde. Wenngleich alle Beiträge des Nachmittags besonders schön und festlich gelangen, so gab es doch einen ganz besonderen Höhepunkt: den „Rollstuhltanz“ der Gruppe „Future“ vom Stephanuswerk in Isny. Zur berührenden „Tabaluga“-Musik von Peter Maffay und „Ich wollte nie erwachsen sein“ erreichten Freude und Stolz der Ausführenden die Herzen der Zuschauer.

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