Franzosen nach WM-Titel in Champagner-Laune

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Deutsche Presse-Agentur

Die „Grande Nation“ ist wieder ein bisschen größer geworden. Nur fünf Monate nach dem Olympiasieg haben Frankreichs Handballer mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft in Kroatien ihre Fans entzückt, ihre Landsleute stolz gemacht und sich selbst in Champagner-Laune versetzt.

Mit dem Titelgewinn habe die Mannschaft „eine völlig außergewöhnliche Siegesserie fortgesetzt und dem Olympiasieg von Peking einen dritten WM-Titel hinzugefügt“, schrieb Staatspräsident Nikolas Sarkozy an das Team von Trainer Claude Onesta.

Wegen der zeitlichen Nähe beider Triumphe und des 24:19-Sieges im Finale ausgerechnet gegen Kroatien und die 15 000 frenetischen Fans in der Arena Zagreb gaben die französischen Medien dem dritten WM-Titel nach 1995 und 2001 eine historische Dimension. „Der Mount Everest nach dem Olymp“, schrieb „Le Figaro“. „Es ist die gesamte Mannschaft, die diese Heldentat für die Geschichte des französischen Sports vollbracht hat“, schwelgte „Aujourd'hui Sport“. Und die Sportzeitung „L'Équipe“ war sich sicher, dass „die Heldentat des Doubles“ einen „ganz besonderen Platz in der Geschichte des französischen Sport“ bekommen werde.

Auch die Handball-Heroen waren sich des Besonderen ihrer Leistung bewusst. „Wir sind heute in die Geschichte eingegangenen. Das hat Spaß gemacht, hier zu gewinnen“, erklärte Torhüter Thierry Omeyer vom THW Kiel und fand Unterstützung bei Guillaume Gille. „Was wir erreicht haben, ist einmalig. Es hat noch keinen Weltmeister gegeben, der im Finale gegen die Organisatoren gespielt und gewonnen hat“, sagte der Spielmacher vom HSV Hamburg.

Als die Kroaten schon zur großen Fete mit zehntausenden Fans auf dem Hauptplatz von Zagreb abgerückt waren, mussten die Franzosen ihren Party-Drang noch zügeln. Keiner wusste, wo der Erfolg begossen und bejubelt werden sollte. „Wir werden schon etwas finden, um unseren Sieg zu feiern“, sagte Gille und nippte an einer Bierflasche. Für Omeyer, der als bester Torhüter des WM-Turniers ausgezeichnet wurde, war klar, dass sie die Nacht zum Tag machen würden. „Wir haben uns eine große Party verdient. Wir sind mehr als zwei Wochen hier, wir sind ruhig geblieben, haben ein oder zwei Bier nur getrunken, jetzt dürfen wir mehr. Nur feiern und Champagner trinken, die ganze Nacht“, verkündete er.

Völlig aus dem Häuschen war Joel Abati. Der 38-jährige Linkshänder, der 2007 vom SC Magdeburg zu HB Montpellier gewechselt war, konnte sein Glück kaum fassen. Erst zum Halbfinale war „Senior“ eingeflogen worden. „Ich habe den ersten Teil im Fernsehen gesehen, den zweiten Teil stand ich auf dem Spielfeld. Das ist alles nur ein Traum. Jetzt ist es wahr, ich träume nicht mehr. Ich bin zum zweiten Mal Weltmeister. Ein Magdeburger ist Weltmeister“, sprudelte es aus ihm heraus. Und dann kündigte er verschmitzt an: „Nächstes Mal komme ich nur noch zum Finale.“

Mehr Genugtuung als überschäumende Freude strahlte Nikola Karabatic aus. Der Rückraum-Star, dessen möglicher Wechsel vom THW Kiel zu den Rhein-Neckar Löwen immer konkreter wird, wirkte melancholisch. „Ich will einfach Titel gewinnen. Wenn du so eine Freude siehst in den Augen deiner Kumpels, das ist das Schönste“, sagte der Franzose mit serbischen und kroatischen Wurzeln und lobte die Gastgeber: „Ich bin hier auch ein bisschen zu Hause. Außerhalb des Spielfelds waren die Leute sehr in Ordnung mit mir. Man kann keinen besseren Ort finden für eine Handball-WM. Das war richtig schön, in Kroatien zu spielen.“ Offen ließ er die Frage, ob er in Kiel bleibt oder nach Mannheim geht: „Ich gehe jetzt feiern.“

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