Fotoausstellung porträtiert binationale Jugendliche aus Tübingen

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Die Photgraphin Natalia Zumaran (links) mit der Schülerin Aileen Rechtsteiner (Mitte) und der Integrationsbeauftragten Martina (Foto: Werner)

„Ich könnte mich nie für nur eine Nationalität entscheiden.“, sagt die deutsch-französische Alice Dorison aus Tübingen. Die 16-jährige ist eine der 20 Teilnehmer des Projekts „esencia“, eine Fotoausstellung der Künstlerin Natalia Zumarán (45), die bis Mittwoch rund drei Wochen lang im Wieland-Gymnasium zu sehen war (die SZ berichtete).

Zur Finissage der Ausstellung hatte das WG jetzt noch einmal eingeladen. Obwohl die porträtierten Jugendlichen aus Tübingen Wurzeln in verschiedenen Ländern wie Brasilien, Ghana oder Japan haben, verbindet sie eines: Alle sind bilingual aufgewachsen. „Obwohl es für mich ganz normal ist, weiß ich meine zweisprachige Erziehung zu schätzen“, sagt die in Deutschland geborene Alice Dorison. In einer Mischung zwischen Fotografien und Interview berichteten die 15- bis 20- jährigen Jugendlichen während dieser Ausstellung in selbstverfassten Texten von ihren Erfahrungen in interkulturellen Familien. Wie Alice können es sich viele von ihnen nicht vorstellen „nur“ deutsch zu sein.

Für die Künstlerin Zumarán war das Projekt eine Möglichkeit, ihre persönlichen Erfahrungen mit einfließen zu lassen. „Als Mutter zweier bilingualer Söhne war ich nach Umzügen mit Sprach- und Integrationsproblemen konfrontiert. Da habe ich mir überlegt, wie das wohl bei anderen Familien aussieht, die ihre Kinder zweisprachig aufziehen.“

Nach Biberach geholt wurde die Ausstellung von der Elftklässlerin Aileen Rechtsteiner, worüber sie auch in ihrem Referat im vierstündigen Gemeinschaftskundekurs berichtete. Bei einem Besuch in Tübingen wurde die Schülerin auf die Ausstellung der in Peru aufgewachsenen Fotografin aufmerksam und nahm mit der Künstlerin Kontakt auf. „Mir war es wichtig, das Bewusstsein der Menschen über die Rolle dieser bilingualen Jugendlichen zu verstärkten.“, sagt die 17-jährige Schülerin. „Kinder und Jugendliche sind häufig offener als Erwachsene“, fügt Natalia Zumarán hinzu. Wegen ihrer oftmals größeren Toleranz ist das Ziel der Ausstellung, gerade dieses Publikum anzusprechen. Zumarán gewann 2012 für ihr, zum Großteil privat finanziertes Projekt, den dritten Platz beim Integrationspreis der Universitätsstadt Tübingen und ist weiterhin „jederzeit für Ausstellungsmöglichkeiten offen“.

Obwohl das Projekt, dessen Vorbereitung zwei Jahre dauerte, jetzt schon einige Zeit zurückliegt, ist es Zumarán wichtig den Kontakt der Teilnehmer untereinander durch regelmäßige Treffen aufrecht zu erhalten. Die Jugendlichen fühlen sich jetzt häufig nicht nur in ihrer Rolle sicherer und selbstbewusster, so Zumarán, sie verbindet jetzt auch der, oft nicht wahrgenommene Vorteil bilingual aufzuwachsen und Teil zweier Kulturen zu sein, denn, wie auch der deutsch-finnische Teilnehmer Lasse bestätigt: „Ohne meine zweite Hälfte wäre ich einfach nicht ich.“

Informationen gibt es per E-Mail an nataliazumaran@hotmail.com oder unter Telefon 0171/2742357

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